Neues Buch von Wolfgang Schütze: Einblicke in die örtliche Geschichte
Unter Einhaltung der Corona-Regeln signiert Wolfgang Schütze (re.) sein neues Buch. Fotos: Römhild
Der Zellbach ist die Grenze zwischen Clausthal und Zellerfeld. Das weiß im Oberharz jedes Kind. Welchen Streit es aber um den genauen Verlauf dieses Baches gab, dass zur Schlichtung sogar der Kaiser angerufen wurde und falsche Landkarten noch im Jahr 2002 die Behörden beschäftigten, kann man jetzt nachlesen im neuen Buch von Wolfgang Schütze.
Clausthal-Zellerfeld. Auf rund 200 Seiten bietet der frühere Bergschuldirektor und Autor Wolfgang Schütze in „Zylinder, Frack und Gummistiefel“ humorvolle Einblicke in die Geschichte und das „Leben auf dem Schmant-Plateau“ (so der Untertitel des Buches). Das reicht von der Frühzeit, als sogar die Wölfe vor Einsamkeit in den Oberharzer Wäldern weinten, wie Schütze schreibt.
Eine Tafel am Kreisel informiert heute über den Horn- und den Zellbach.
Wolfgang Schütze bringt augenzwinkernd einen weiteren Aspekt ins Spiel: das außereheliche Liebesleben von Herzog Heinrich des Jüngeren. Dieser habe nämlich eine Geliebte gehabt. Irgendwann sei der Herzogin der Kragen geplatzt, die Geliebte musste weg. Herzog Heinrich habe das „Problem“ auf recht abenteuerliche Weise gelöst, erzählt Schütze: Er brachte in Umlauf, seine Geliebte sei plötzlich an der Pest gestorben. Sogar eine Scheinbeerdigung wurde inszeniert. In Wahrheit wurde die Frau aber auf der Stauffenburg bei Gittelde untergebracht.
Dort wollte der Herzog seine Geliebte aber weiterhin besuchen. „Der Herzog hat den Oberharzer Bergbau möglicherweise nur deswegen in Gang gebracht, damit er von Zeit zu Zeit eine ‚Dienstreise‘ antreten konnte.“
Tief in die historischen Quellen eingestiegen ist der Autor insbesondere beim Thema der Gewerkschaft Schmandplateau. „Die Einzelheiten waren auch für mich neu“, berichtet Schütze am Rande einer Signierstunde in der Grosse`schen Buchhandlung. Eine ganze Tasche mit Akten habe er dazu von einem Mitarbeiter des Oberbergamtes bekommen.
Gegründet wurde sie 1926 durch die Referendare am Oberbergamt Clausthal „um die zersplitterten Kräfte gegen offene und heimtückische Angriffe der oberen Etagen zusammenzufassen.“ Eine Auflösung der Gewerkschaft ist laut Satzung nicht möglich, „es sei denn, das Oberbergamt zerplatzt.“ Ob dies durch Umbenennung in Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie geschehen sei, müsse noch juristisch geklärt werden, stellt Schütze fest.
Unterhaltsam und kurzweilig vermittelt das Buch manchen Einblick in die Lokalgeschichte dieses „äußerst liebenswerten Fleckchens unseres Erdballes.“ Es kostet 14 Euro und ist in der Grosse‘schen Buchhandlung erhältlich.