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Fall Liana

Mädchen vor Zug gestoßen - Beschuldigter äußert sich nicht

Lianas Mutter Alica hat ein Bild ihrer Tochter mit in den Gerichtssaal gebracht.

Lianas Mutter Alica hat ein Bild ihrer Tochter mit in den Gerichtssaal gebracht. Foto: Maurice Dirker/dpa

Ein Mann soll die damals 16-Jährige am Bahnhof im südniedersächsischen Friedland vor einen Zug gestoßen haben. Ein Gericht soll klären, ob er tatsächlich der Täter ist - doch nicht nur das.

Von dpa Dienstag, 24.02.2026, 03:40 Uhr

Göttingen. Im Fall der mutmaßlich getöteten 16-jährigen Liana hat der Beschuldigte sich zunächst nicht zur Tat geäußert. Vor dem Landgericht Göttingen muss sich der 31-Jährige wegen Totschlags verantworten. Weil die Staatsanwaltschaft Göttingen davon ausgeht, dass der Verdächtige zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig war, handelt es sich um ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Dabei wird nicht nur geklärt, ob er der Täter ist, sondern auch, ob er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Dem Iraker wird vorgeworfen, im vergangenen Jahr am Bahnhof im südniedersächsischen Friedland das Mädchen vor einen durchfahrenden Güterzug gestoßen zu haben. Der Fall um die Auszubildende aus Geisleden in Thüringen, die 2022 mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet war, sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Er beschäftigt auch die Politik, weil der ausreisepflichtige Iraker nach den europäischen Asyl-Regeln schon Monate vor der Tat von Deutschland nach Litauen hätte gebracht werden sollen.

Mutter bringt Bild ihrer Tochter in Gerichtssaal

Zu Beginn der Verhandlung betrat der Verdächtige den Gerichtssaal leicht gebückt. Während einer Zeugenbefragung beklagte er eine rassistische Behandlung durch eine Polizistin am Tatort. Die Mutter des Opfers wirkte zunächst gefasst. Vor ihr auf dem Tisch platzierte sie weiße Rosen und ein Bild ihrer toten Tochter. Als später Leichenfotos vom Bahnhof in Friedland gezeigt wurden, brach sie in Tränen aus.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen geht davon aus, dass von dem Beschuldigten eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, und strebt eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an. Auf Empfehlung seiner Betreuer verfolgte der Verdächtige die Verhandlung durchgehend mit angelegten Handschellen. Er sitzt derzeit im Maßregelvollzug ein.

Polizei und Staatsanwaltschaft: Opfer war sofort tot

Am ersten Verhandlungstag äußerte sich die Staatsanwaltschaft Göttingen zu den Vorwürfen und es wurden Polizisten und Polizistinnen als Zeugen vernommen. Demnach litt der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt unter einer paranoiden Schizophrenie und war alkoholisiert. Er habe das Opfer plötzlich geschubst, als ein Güterzug mit 100 Kilometern pro Stunde den Bahnhof passiert habe. Sie habe durch den Zusammenprall mit dem Zug Verletzungen am Kopf erlitten, die sie sofort getötet hätten. Polizisten gaben an, zunächst einen Unfall vermutet zu haben.

Der Beschuldigte betrat den Gerichtssaal leicht gebückt.

Der Beschuldigte betrat den Gerichtssaal leicht gebückt. Foto: Maurice Dirker/dpa

Die Verletzungsmerkmale hätten nicht für einen Suizid gesprochen. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung habe es zunächst nicht gegeben. Allerdings sprachen Polizisten unter anderem von einem „merkwürdigen Bauchgefühl“, weshalb sie mehr Beweismittel sammelten als bei einem Unfall üblich, etwa die Kleidung des Opfers, und einen Alkoholtest beim Beschuldigten durchführten.

Beschuldigter war aggressiv

Der Beschuldigte habe sich aggressiv verhalten und zwischenzeitlich Handschellen angelegt bekommen, sagten Polizisten. Generell sei sein Verhalten sehr sprunghaft gewesen. Als Verdächtiger wurde er zunächst aber nicht eingestuft.

Polizisten habe der Verdächtige gesagt, er habe mit dem Tod von Liana nichts zu tun. Er habe am Gleis 1 Alkohol getrunken und nach der Durchfahrt eines Güterzuges das tote Mädchen gesehen. Weiter berichtete er von einem Mann in einem weißen T-Shirt, der den Tatort zügig verlassen habe. Ob es diesen Mann überhaupt gab, ist unklar, weil es keine Videoaufnahmen an dem Bahnhof gibt. Weiter berichteten Polizisten von einem Telefonat des Opfers, das mit einem lauten Schrei Lianas abrupt abgebrochen sei.

Auch Ermittlungen im Landtag

Erst am Montag wurde bekannt, dass im Fall Liana auch im niedersächsischen Landtag ermittelt wird - wegen des Verdachts des Geheimnisverrats. Hintergrund ist, dass Informationen zu dem Fall aus einer vertraulichen Sitzung des Innenausschusses an die Öffentlichkeit gelangt waren, wie die Staatsanwaltschaft Hannover mitteilte. Den Angaben nach geht es um Informationen aus einer Sitzung Anfang September. Noch am selben Tag hätten Medien „über Informationen, die offensichtlich aus dem vertraulichen Teil der Sitzung stammten“, berichtet, so Sprecherin Kathrin Söfker. Angestoßen hatte die Ermittlungen den Angaben zufolge die Landesregierung. 

Tatort war das Gleis am Bahnhof in Friedland.

Tatort war das Gleis am Bahnhof in Friedland. Foto: Swen Pförtner/dpa

Weil der Verdächtige im Fall Liana zum Tatzeitpunkt nicht mehr in Deutschland hätte sein dürfen, beschäftigte sich mehrfach der niedersächsische Landtag mit dem Thema. Dabei ging es unter anderem um die Entscheidung eines Gerichts, das einen Antrag auf Abschiebehaft abgelehnt hatte. Die CDU kritisierte kurz nach der Tat ein Behörden-Wirrwarr. Die AfD hatte einen Untersuchungsausschuss vorgeschlagen. 

Niedersachsens Innenministerin hatte sich vor ihre Behörden gestellt. Gleichzeitig forderte sie weniger Hürden für Abschiebehaft und bemängelte, dass das Dublin-System nicht funktioniere. Das System regelt die Verteilung von Asylbewerbern in der Europäischen Union.

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