Zähl Pixel
2. Fußball-Bundesliga

Hochrisiko-Derby in Hannover: Weniger Alkohol als Lösung?

Die Polizei beim Niedersachsen-Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig. (Archivbild)

Die Polizei beim Niedersachsen-Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig. (Archivbild) Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Wie sichert man das brisante Fußball-Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ab? Das wird seit Jahren hitzig diskutiert. Am Freitagabend wird etwas Neues getestet.

Von Sebastian Stiekel und Lars Reinefeld, dpa Donnerstag, 19.03.2026, 11:30 Uhr

Hannover. Der nächste Versuch ist: Bier mit weniger Alkohol. Schon seit Jahren suchen Politik, Polizei und beide Vereine nach Wegen, um das völlig überhitzte Fußball-Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig zu entspannen. In der vergangenen Saison wurde ein Großteil der Gästefans bei beiden Spielen ausgeschlossen. Und auch an diesem Freitag (18.30 Uhr/Sky) wird es in Hannovers Heinz von Heiden Arena eine Pufferzone geben, in der rund 7000 Plätze aus Sicherheitsgründen frei bleiben.

Damit sich die verbleibenden 42.000 Zuschauer besser im Griff haben, sind die 96er und ihr Biersponsor auf die Idee gekommen, im Stadion ein Kaltgetränk mit reduziertem Alkoholgehalt zu verkaufen. Das Kalkül dahinter: Alkohol-Ausschank ist bei einem solchen Hochsicherheits-Duell in der Regel verboten. Genau das führt aber häufig dazu, dass viele Anhänger schon stark angetrunken zum Stadion kommen.

Ob es hilft? Die Fangruppen beider Vereine sind derart verfeindet, dass Hannovers Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke bei seinem Derby-Appell sogar die Weltlage bemühte. „In Zeiten wie diesen muss man sich wirklich mal Gedanken machen, wie man bestehende Rivalitäten im Fußball auslebt“, sagte Schmadtke der „Bild“. „Ich finde, wir haben genug Unruhe auf der Welt und müssen beim Fußball nicht auch noch mit Randale anfangen.“

Sportliche Bedeutung so groß wie selten

Denn wenn Hannover gegen Braunschweig spielt, sind in den vergangenen Jahren reihenweise Hemmungen gefallen, die es selbst bei anderen Hochrisikospielen wie Werder Bremen gegen den Hamburger SV noch gibt. Vorläufiger Tiefpunkt war, als mutmaßliche Hannover-Fans vor drei Jahren auf die Privatgrundstücke von drei Eintracht-Spielern vordrangen und dort vor den Haustüren etwas hinterließen, das wie Friedhofskreuze und Blutlachen aussah.

Zu allen Animositäten kommt in dieser Saison noch eine besondere sportliche Brisanz hinzu. Hannover 96 ist den Aufstiegsplätzen der 2. Bundesliga so nah wie schon lange nicht mehr. In Braunschweig ist die Abstiegsgefahr erneut so groß, dass in der vergangenen Woche schon wieder ein neuer Trainer kam.

Für Lars Kornetka, den Assistenten des ehemaligen Hannoveraner Aufstiegstrainers Ralf Rangnick bei der österreichischen Nationalmannschaft, ist es am Freitag das erste Niedersachsen-Derby. Aber: „Ich bin ganz gut vorbereitet worden“, sagte der 48-Jährige. „Schon bei den allerersten Gesprächen“ mit der Eintracht-Führung sei das Derby ein Thema gewesen.

Herausforderung für Trainer

Gerade für Trainer ist es eine große Herausforderung, in der aufgeladenen Atmosphäre dieses Duells den richtigen Ton zu treffen. Hannovers Ex-Coach Stefan Leitl (jetzt Hertha BSC) verfolgte die Strategie, das Thema Derby herunterzudimmen. In der Folge ließ sich sein Team in den Jahren 2024 und 2025 dreimal nacheinander von stark emotionalisierten Braunschweigern den Schneid abkaufen.

Kornetkas Vorgänger Heiner Backhaus dagegen begleitete seine Spieler vor dem Hinspiel im Oktober (3:0 für Hannover) sogar zu einem Treffen mit den organisierten Eintracht-Fans. Wochen später räumte er in einem Nebensatz ein, dass auch der große Druck bei diesem Spiel ein Grund dafür gewesen sei, dass Braunschweigs Stürmer Erencan Yardimci schon nach 20 Minuten die Rote Karte sah. Er hatte seinen Gegenspieler aus Hannover gewürgt.

Der neue Braunschweiger Trainer sieht das Ganze sehr sachlich. „Wir müssen in dieser Saison drei Mannschaften hinter uns lassen. Das interessiert uns allen voran“, sagte Kornetka, der deshalb auch im Vorfeld keine besonderen Treffen mit den Fans einplante. Das Spiel auf dem grünen Rasen soll im Mittelpunkt stehen. Und wer auch immer am Freitagabend gewinnt, wird danach in der Kabine sicher mit „richtigem“ Bier feiern.

Brisantes Duell: Beim Hinspiel zwischen Braunschweig und Hannover (0:3) sah Eintracht-Stürmer Erencan Yardimci (2.v.r.) die Rote Karte.

Brisantes Duell: Beim Hinspiel zwischen Braunschweig und Hannover (0:3) sah Eintracht-Stürmer Erencan Yardimci (2.v.r.) die Rote Karte. Foto: Swen Pförtner/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!
Meistgelesen
Weitere Themen aus der Region