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Katholische Kirche

Erzbischof Becker bittet um Entschuldigung

Hans-Josef Becker, Erzbischof im Ruhestand, hat sich zur Missbrauchsstudie der Uni Paderborn geäußert. (Archivbild)

Hans-Josef Becker, Erzbischof im Ruhestand, hat sich zur Missbrauchsstudie der Uni Paderborn geäußert. (Archivbild) Foto: Bernd Thissen/dpa

Der Erzbischof im Ruhestand äußert sich zum Umgang mit Missbrauchsfällen in seiner Zeit als Personaldezernent unter seinem Vorgänger Kardinal Degenhardt. Dem machen Wissenschaftler schwere Vorwürfe.

Von dpa Dienstag, 17.03.2026, 17:00 Uhr

Paderborn. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, seit 2022 im Ruhestand, hat sich nach der Vorstellung einer Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche geäußert. „Wo mein Handeln auch in späterer Verantwortung dazu beigetragen hat, dass Betroffene nicht ausreichend gesehen, geschützt oder ernst genommen wurden, bitte ich dafür um Entschuldigung“, ließ Becker über die Pressestelle des Erzbistums mitteilen. 

Die am vergangenen Donnerstag vorgestellte unabhängige Studie der Uni Paderborn hatte die Zeit von 1941 bis 2002 untersucht. Über diesen Zeitraum waren die Kardinäle Lorenz Jaeger (1892-1975) und Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002) im Amt. Unter Degenhardt war Becker von 1995 bis 1999 Personaldezernent des Erzbistums. 

„Die Studie beleuchtet damit einen Abschnitt der Geschichte unseres Erzbistums, in dem auch ich bereits leitend Verantwortung mitgetragen habe“, sagte Becker. Die Wissenschaftler hatten herausgefunden, dass es mit 210 deutlich mehr beschuldigte Kleriker und junge Opfer (489) gab, als bislang bekannt. 

Die jeweiligen Bistumsleitungen hatten über Jahrzehnte Mitgefühl für die Priester geäußert und kein Verständnis für das Leid der Opfer gezeigt. Diese wurden oft unter Druck gesetzt, Anzeigen gegen Kleriker zurückzuziehen. 

Zweite Missbrauchsstudie kommt

2027 will die Uni Paderborn eine zweite Missbrauchsstudie zur Amtszeit von Becker bis 2022 vorstellen. In der veröffentlichten Erklärung erläuterte der Erzbischof im Ruhestand am Dienstag, dass er dem Ergebnis der Studie nicht vorgreifen wolle. Unabhängig davon stelle sich für ihn schon heute die Frage nach seiner späteren Verantwortung neu. 

In seiner Amtszeit als Personaldezernent sei er in Abläufe eingebunden gewesen, bei denen über den Umgang mit beschuldigten Priestern entschieden wurde. Diese Entscheidungen lagen allerdings nicht in seiner Verantwortung. 

Mit Abstand sieht Becker heute manches anders

Mit Abstand zu seiner Amtszeit sehe er heute manches anders, erklärte Becker. „Mir ist bewusster geworden, wie leidvoll es für Betroffene war, nicht nur Gewalt zu erfahren, sondern danach auf Distanz, Zweifel, fehlendes Interesse oder mangelnde Empathie und menschliche Zuwendung zu stoßen.“ Viele Betroffene hätten erfahren müssen, „dass ihr Leid nicht gesehen, nicht ernst genommen oder hinter andere Interessen zurückgestellt wurde. Dass dies geschehen ist, bedaure ich zutiefst.“

Während seiner Amtszeit als Erzbischof seien Aufarbeitungskommission, Prävention und Intervention auf den Weg gebracht worden, teilte Becker mit. An der unabhängigen Erarbeitung der zweiten Studie habe er sich durch Interviews beteiligt. „Umso wichtiger ist mir auch zum jetzigen Zeitpunkt, dass das Forscherteam diese Arbeit intensiv und sorgfältig leistet.“

Geografisch erstreckt sich das Erzbistum in Nordrhein-Westfalen von Minden im Norden bis nach Siegen im Süden und von Herne im Westen bis nach Höxter im Osten. Zusätzlich zu den Gebieten in Westfalen zählen Teile des Kreises Waldeck-Frankenberg (Hessen) und die Stadt Bad Pyrmont (Niedersachsen) zum Erzbistum.

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