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Der Mann mit den vielen Berufen wird heute 100 Jahre alt

Rudolf Kraus fühlt sich im „Haus Glockenwinkel“ sehr wohl. Foto: Leifeld

Rudolf Kraus fühlt sich im „Haus Glockenwinkel“ sehr wohl. Foto: Leifeld

Mit zwei Schwarzwälderkirschtorten und dem ein oder anderen Sektfläschchen begeht Rudolf "Rudi" Kraus heute seinen 100. Geburtstag. Der GZ gibt er Einblicke in sein prallgefülltes Leben.

Von Andrea Leifeld Mittwoch, 27.10.2021, 08:30 Uhr

Heimerode. Rudolf „Rudi“ Kraus liest täglich Zeitung, löst gerne Rätsel in Zeitschriften und Puzzle mit kniffligen Motiven und 1000 Teilen. „Dabei vergeht die Zeit“, erklärt er mit leuchtenden Augen. Auch im Skatspiel, beim Reizen und Ramschen, kennt er sich aus. Vor wenigen Wochen wurde er als Gründungsmitglied der „Othfresener Rentnerskatrunde“ für 30-jährige Mitgliedschaft geehrt. Und für seine 70-jährige Mitgliedschaft im Knappenverein „Glück Auf“ Othfresen-Heimerode. Heute feiert Rudolf Kraus seinen 100. Geburtstag.

Den gebürtigen Göttinger verschlug es mit seinen Eltern bereits in jungen Jahren ins noch bergmännisch geprägte Othfresen. „Wir wohnten damals im Drakenschwanz“, fasst er seine Erinnerungen knapp zusammen. Nach dem Durchlaufen der Volksschule begann der heutige Jubilar 1937 seine Lehre in einer Weberei in Salzgitter-Bad. „Viele Arbeiter kamen damals aus Othfresen und Dörnten. Alle fuhren mit dem Fahrrad durch den Wald zur Fabrik“, erzählt er. „Ach so. Im Krieg war ich ja auch.“ Fast nebenbei komplettiert er seinen Lebensweg. In Afrika musste er Mienen räumen. Später geriet er in Kriegsgefangenschaft und kehrte erst 1948 zurück. Er heiratete und baute mit viel Eigenleistung sein Haus in der Grubenstraße auf.

Als wenige Jahre später die Weberei in Salzgitter-Bad schloss, hatte Rudolf Kraus schnell einen neuen Beruf: Als Bergmann arbeitete er fortan auf die Grube Ida. 1963 schloss die Grube Ida, und Kraus sattelte beruflich erneut um: Er fand eine Anstellung in der Poststelle bei der damals selbstständigen Gemeinde Othfresen. Mit der Gebietsreform von 1974 schloss auch diese und er wechselte in die Liebenburger Gemeindeverwaltung.

Ziele auf dem Lebensweg sind wichtig, hielt er immer für sich fest. Vor zehn Jahren zog er noch gemeinsam mit seiner Ehefrau aus dem Häuschen in der Grubenstraße ins Alten- und Pflegeheim „Haus Glockenwinkel“ im Othfresener Ortsteil Heimerode. „Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Viele schöne Erlebnisse hält er in seinen Erinnerungen fest, beispielsweise an seine Urlaubstage in Bayern, wo er so viele schöne Fotos machte. Nach wie vor besucht er die Veranstaltungen der Knappen und der Skatspieler. „Es ist schade, dass durch Corona vieles nicht mehr stattfinden kann, so wie wir es kennen“, bedauert er sehr.

Engen Kontakt pflegt er bis heute zu seiner Cousine in Osterwieck. Schon als Kind fuhr er mit dem Fahrrad in den Ferien zur Tante, später mit dem Motorrad. Und auch die DDR-Grenze und der damit verbundene Umweg über Helmstedt bremsten den engen Kontakt nicht aus. „Meine Cousine Ella ist inzwischen auch schon über 80 Jahre. Im Frühjahr will ich sie besuchen“, nimmt er sich dieser Tage fest vor. Ziele auf seinem Lebensweg zu haben, das ist ihm auch mit 100 Lebensjahren weiterhin wichtig.

Den heutigen Ehrentag will er im Kreise von Freunden und Mitbewohnern feiern. „Ich habe zwei Schwarzwälder Kirsch-Torten für die Kaffeetafel bestellt. Und etliche Flaschen Piccolo“, freut er sich sehr auf „seinen“ großen Tag.

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