Leverkusen braucht den Coup: Bayern-Spiel als Rettungschance
Die Leverkusener wissen, worum es geht. (Archivbild) Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Favoritenrolle haben die Bayern, Leverkusen will trotzdem mit aller Macht ins Finale. Wie man den Meister im DFB-Pokal schlägt, zeigte Bayer noch in der letzten Saison. Nun ist aber vieles anders.
Leverkusen. Nur ein Coup gegen die Münchner Übermacht und ein Pokalsieg können Bayer Leverkusens Fußball-Jahr wirklich retten. „Es kann die Saison verändern“, sagte Abwehrspieler Jarell Quansah vor dem mit Spannung erwarteten Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Bayern. „Es kann uns in ein riesiges Finale bringen. Wir wissen, wie wichtig dieses Spiel ist.“
In der Champions League ist der deutsche Meister von 2024 im Achtelfinale ausgeschieden, in der Bundesliga liegt Leverkusen auf einem unbefriedigenden sechsten Platz. Ein Sieg gegen die Triple-Jäger von Trainer Vincent Kompany würde dies zumindest erst einmal in den Hintergrund rücken. Bayer 04 will unbedingt die letzte Titelchance wahren und wie schon vor zwei Jahren in der Double-Saison ins Endspiel nach Berlin.
Das bis dato letzte Pokalduell gewann Leverkusen
„Natürlich ist das ein besonderes Spiel für uns, für den Verein, für alle“, sagte Sportchef Simon Rolfes. „Klar ist Bayern München eine Top-Mannschaft, aber wir haben in diesem Jahr auch schon Top-Mannschaften schlagen können. Es wird schwer, ohne Frage, aber im Pokal gibt es auch solche Möglichkeiten.“
Rolfes weiß noch ziemlich gut, wie sich ein Sieg im Pokal gegen den deutschen Rekordmeister anfühlt. Keine anderthalb Jahre ist es her, da warfen die Rheinländer das Nonplusultra des deutschen Fußballs im Achtelfinale raus. Seitdem hat sich jedoch sehr viel verändert.
Gigantischer Umbruch
Aus der Bayer-Startelf von damals sind nur noch vier Spieler da. Dass der gigantische Umbruch nach dem Ende der Amtszeit von Trainer Xabi Alonso sowie den Abgängen der Stars Florian Wirtz, Granit Xhaka, Jonathan Tah und Jeremie Frimpong die Werkself vor Probleme stellt, war absehbar. Dass Bayer aber so weit weg ist von der Bundesliga-Spitze, ist nicht der eigene Anspruch.

Für Bayer 04 gab es zuletzt viel Frust. (Archivbild) Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
27 Punkte liegt das Team von Trainer Kasper Hjulmand hinter den Bayern. Vier Zähler trennen Leverkusen von Platz vier und damit der erneuten Qualifikation für die Champions League. Von den vergangenen elf Ligaspielen hat Bayer 04 nur vier gewonnen. Am Samstag gab es beim 1:2 vor heimischer Kulisse gegen den FC Augsburg die nächste Enttäuschung. Längst gibt es Gerüchte, dass Hjulmand seinen Job im Sommer schon wieder los sein könnte.
Der Däne selbst will von persönlichem Druck oder gar einem Job auf Bewährung nichts wissen. „Ich bin voll konzentriert auf die Aufgaben. Ich mache alles, um dieser Mannschaft zu helfen“, sagte der 54-Jährige: „Ich bin völlig auf die Aufgabe fokussiert und das ist es.“
Vor allem die Defensive war zuletzt eine Problemzone. Zwölf Gegentore kassierte Leverkusen in den vergangenen sechs Partien. Nun wartet in der Münchner Tormaschine um Superstürmer Harry Kane und Michael Olise die größtmögliche Herausforderung. Die Bayern kommen mit dem Schub einer Titelparty. Am Sonntag machten sie ihre 35. deutsche Meisterschaft perfekt.
Kompany: „Wissen, was auf uns zukommt“
Viel unterschiedlicher kann die Stimmungslage also nicht sein. Kompany warnte natürlich trotzdem. „Vertrauen haben wir, aber wir wissen, was auf uns zukommt“, sagte der 40-Jährige und erklärte mit Blick auf vergangene Duelle mit Bayer 04: „Was wir da erlebt haben, war immer ein totaler Kampf. Wir erwarten auch nichts anderes, das wollen wir auch.“

Vincent Kompany feierte mit den Bayern am Wochenende die Meisterschaft. (Archivbild) Foto: Tom Weller/dpa
In der Bundesliga siegten die Bayern zu Hause mit 3:0. Das hitzige Rückspiel in der BayArena mit zwei Münchner Platzverweisen und unvergessener anschließender Schiedsrichter-Schelte von Ehrenpräsident Uli Hoeneß endete 1:1.
„Für dieses Spiel brauchen wir keine zusätzliche Motivation“
Wenn es an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF und Sky) ähnlich eng wird und die Bayern ähnlich wütend wären, hätte Leverkusen schon viel erreicht. Mit einer Ansprache vor der Fankurve machten die Bayer-Ultras ihren Spielern nach der Augsburg-Niederlage noch einmal die Bedeutung des Pokalspiels und des anschließenden Derbys beim 1. FC Köln klar. „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, schallte zudem durch die Arena.
„Wir müssen jede Faser unserer Kraft und jede Faser unserer Energie einbringen“, forderte Quansah. „Für dieses Spiel brauchen wir keine zusätzliche Motivation.“