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Zu Gast im Harz

Son Gi-Woong: Ein Fachmann für Wiedervereinigungen

Grenz- und Wiedervereinigungsexperten unter sich: Lothar Engler und Professor Son Gi-Woong auf der Staumauer der Eckertalsperre bei Bad Harzburg. Foto: Privat

Grenz- und Wiedervereinigungsexperten unter sich: Lothar Engler und Professor Son Gi-Woong auf der Staumauer der Eckertalsperre bei Bad Harzburg. Foto: Privat

Besuch aus Südkorea zu Gast beim Grenzerkreis Abbenrode: Der renommierte Regierungsberater Son Gi-Woong traf sich jetzt zu einem Interview mit Lothar Engler an der Eckertalsperre. 

Von Oliver Stade Dienstag, 12.10.2021, 19:30 Uhr

Harz. Landauf, landab wurde Anfang Oktober zum Tag der Deutschen Einheit die Wiedervereinigung gefeiert. Harzer, die die ehemalige Grenze aus nächster Nähe gekannt haben, gelten mittlerweile als begehrte Ansprechpartner. Lothar Engler vom Grenzerkreis Abbenrode, der früher beim Bundesgrenzschutz arbeitete, bekam jetzt Besuch aus dem geteilten Korea.

Engler, der aus Wiedelah stammt, traf sich mit dem südkoreanischen Wiedervereinigungsexperten Professor Son Gi-Woong zum Interview an der Eckertalsperre. Der Gast aus Südkorea hat mehrere südkoreanische Regierungen beraten und ist Absolvent der Freien Universität Berlin. In Korea wurde die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung nicht aufgegeben, erst recht nicht nach den historischen Ereignissen von 1989, als die deutsche Mauer fiel. Nun arbeitet er an einem Dokumentarfilm.

Lothar Engler ist noch regelrecht beglückt von dem Besuch aus Südkorea. Son Gi-Woong habe von ihm wissen wollen, wie der Dienst des ehemaligen Grenzschützers im geteilten Deutschland aussah. Der Gast sei erstaunt gewesen, dass die ehemalige Grenze gleichsam durch die Eckertalsperre verlief. Son Gi-Woong sei zuvor auf den Brocken gestiegen und habe das Grenzmuseum Sorge besucht, bevor er weiter Richtung Schlutup und bis an die tschechische Grenze gereist sei.

Der südkoreanische Fachmann für Wiedervereinigungs-Fragen war nicht allein unterwegs, er wurde von einem Dokumentarfilmer und einem Kameramann begleitet. Ein Film ist geplant, der im südkoreanischen TV gezeigt werden soll. Son Gi-Woong will seinem Gesprächspartner ein Buch schicken, das er über die Grenzkommission geschrieben hat, die in den 1970er Jahren an der Demarkationslinie unterwegs war. Geschrieben hat er es in Koreanisch. Aber der Autor hat versichert, dass es viele Fotos enthält, Engler werde daher einen Zugang finden.

Auch dem Bad Harzburger Helmut Gleuel ist die Zeit der deutsch-deutschen Teilung noch präsent. Kürzlich nahm der Bundeswehr-Reservist und frühere Zollbeamte an der innerdeutschen Grenze im Nordharz an einem viertägigen Seminar zu „60 Jahre Mauerbau“ teil. Dazu gehörten Exkursionen nach Berlin, Magdeburg, Marienborn und Hötensleben. Einen Bericht über seine Eindrücke veröffentlichte er im sicherheitspolitischen Magazin „Loyal“, das vom Reservistenverband herausgegeben wird. Immer wieder zeigte sich die historische Dimension der Ereignisse – der Harz war mittendrin. In seinem Bericht zitiert Gleuel einen der Referenten mit den Worten: „Zwischen Eckertal und Stapelburg hat am 11.11.1989 die erste nicht abgesprochene Grenzöffnung an der innerdeutschen Grenze stattgefunden.“ Von solchen Ereignissen träumen in Korea Menschen wie Son Gi-Woong.

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