Handelsschiff "Goslar": Auf der Suche nach dem zweiten Bild
Das Frachtschiff „Goslar“ wurde von seiner Mannschaft während des Zweiten Weltkriegs vor Paramaribo versenkt. Geheimnisse birgt es noch immer. Foto: Georg Isma/dpa
Die Suche nach den Bildern von Bord des Handelsschiffs „Goslar“, das während des Zweiten Weltkriegs in Surinam versenkt wurde, geht weiter: Werner Stauder sucht nun nach dem zweiten Gemälde, das die Stadt Goslar ihrem Patenschiff mit auf den Weg gab.
Goslar. Während sich die Anzeichen verdichten, dass das eine Gemälde, „Goslar im Kranze seiner Berge“ des Malers Karl Reinecke-Altenau im Goslarer Museum eingelagert ist, sucht der Journalist und „Goslar“-Forscher Werner Stauder nun nach dem zweiten Gemälde, das die Stadt Goslar ihrem Patenschiff mit auf den Weg gab. Auch dieses war ein Werk eines lokal bekannten Goslarer Künstlers mit einem Motiv aus der Kaiserstadt.
Die „Goslar“ war ein Handelsschiff, das zu Beginn des Zweiten Weltkriegs vor Amerika unterwegs war. Es steuerte den Hafen von Paramaribo, der Hauptstadt Surinames an. Das Land war damals eine niederländische Kolonie und neutral – bis zu dem Tag, als Deutschland auch die Niederlande angriff. Die Mannschaft befolgte daraufhin die letzte Anweisung der Reederei und versenkte das Schiff, damit es die Surinamer Behörden nicht beschlagnahmen konnten. Das Wrack, das noch immer vor Paramaribo liegt, ist inzwischen fast so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt.
Stauder war vor einigen Monaten zusammen mit einem Filmteam des Magazins „Dreamz World“ in Goslar, um einen Film über die Stadt und das nach ihr benannte Schiff zu drehen. Eine bedeutende Rolle spielte dabei das Reinecke-Gemälde, das sich an Bord befunden haben soll. Aber es gab noch ein zweites Bild mit einem Goslarer Motiv: „Bei dem zweiten Bild handelt sich um ein Werk des Goslarer Kunstlehrers Walter Geimecke, das den Greifplatz mit dem Greifbrunnen in Goslar zeigt“, erzählt Stauder. Der Künstler, der am 23, Februar 1893 in Goslar geboren wurde, wird im Kunstlexikon als „deutscher Maler und Gebrauchsgrafiker“ gehandelt. Er studierte an der deutschen Akademie in Kassel, erwähnt sind auch seine Reisen nach Russland und Skandinavien. Er starb im Jahr 1955.
Bekannt ist etwa sein Gemälde „Sechs deutsche Bäuerinnen vor gelbem Himmel“. Wie seine Darstellung des Greifplatzes aussah, ist jedoch nicht bekannt. Auch Stauders Internet-Recherche blieb ergebnislos. Er hofft nun auf Hinweise aus der Goslarer Bevölkerung. Vielleicht hat ja jemand aus der Kaiserstadt das Bild gesehen und kann es ihm beschreiben oder weiß sogar Näheres zu seinem Verbleib?
Stauder hofft, dass er im kommenden Jahr einmal nach Goslar kommen kann, um sich das im Museums-Archiv befindliche Bild „Goslar im Kranz seiner Berge“ anzusehen. Falls das Bild tatsächlich identisch ist mit dem Reinecke-Gemälde, das die Stadt der Reederei als Patengeschenk übergab und das zusammen mit dem Geimecke-Bild im Salon des Handelsschiffs hing, wäre zumindest ein Teil des Rätsels gelöst, schreibt Stauder. „Bleibt aber noch die Frage wann und wie das Gemälde wieder in die Kaiserstadt zurückgekommen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Goslar das Patengeschenk von der Reederei zurückgefordert hat, denn was man geschenkt hat, nimmt man nicht zurück.“
Und wie geht es weiter mit dem Film? Als Beitrag zum Goslar-Jubiläum wird er vermutlich nicht zu sehen sein, meint Stauder. Wie im Harz, so greift auch in Suriname die Corona-Pandemie in alle Planungen ein.
„Der Film, den Amar Gobind in Goslar gedreht hatte, ist bis jetzt leider noch nicht fertiggestellt, da es ihm bisher wegen der Corona-Krise bisher noch nicht möglich war, nach Suriname zu fliegen, um das Wrack der ‚Goslar‘ zu filmen und das Fort Zeelandia, in dem die deutsche Schiffsbesatzung anfangs inhaftiert war“, berichtet Stauder. „Das bedeutet, dass der Film ohnehin nicht bis zum Stadtfest vollendet sein würde. Dies alles verzögert sich leider durch die Folgen der Pandemie.“
Das Bild "Goslar im Kreis seiner Berge" des Malers Reinecke-Altenau hing im Salon des Schiffes Goslar, das vor Panamaribo/Surinam versenkt wurde.