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Der Drogenbaron als geselliger Kumpel

Launige Frohnatur: Tom Cruise als Pilot und Drogenschmuggler Barry Seal in dem Film „Barry Seal – Only In America“. Foto: David James Universal

Launige Frohnatur: Tom Cruise als Pilot und Drogenschmuggler Barry Seal in dem Film „Barry Seal – Only In America“. Foto: David James Universal

Neben „Barry Seal – Only in America“ laufen drei weitere Filme an: „The Circle“, ein Thriller mit Tom Hanks und Emma Watson, der Kinderfilm „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ und „Immer noch eine unbequeme Wahrheit – Unsere Zeit läuft“. Al Gore, Ex-US-Vizepräsident und unerschrockener Klimakämpfer, liefert mit dem Dokumentarfilm die Fortsetzung zu „Eine unbequeme Wahrheit“ aus dem Jahr 2006.

Donnerstag, 07.09.2017, 13:20 Uhr

Die US-Komödie „Barry Seal: Only In America“ zeigt auf Basis einer wahren Geschichte einen der weniger bekannten US-Politskandale der 80er Jahre. Tom Cruise spielt Barry Seal, der im Auftrag der CIA Waffen schmuggelt und Millionen verdient und dann in Baton Rouge, Louisiana, auf offener Straße erschossen wird. Verschwörungstheorien halten sich bis heute.

Viele Fragen rund um Seals Machenschaften werden wohl nie vollständig geklärt werden. Dem Film von US-Regisseur Doug Liman („Die Bourne Identität“) zufolge sollte er ursprünglich auf Niedrigflügen über Zentral- und Südamerika im Auftrag der CIA kommunistische Aktivitäten fotografieren. Dann schließt er geschäftliche Verbindungen mit Drogenbaron Pablo Escobar und dessen Partnern.

Immunität als Informant

Als er erstmals gefasst wird, entgeht er einer Gefängnisstrafe, weil die CIA ihn braucht. Von seiner neuen Heimat Arkansas, wo Seal ein Grundstück mit Privatflughafen erhält, schmuggelt er fortan Waffen nach Nicaragua, um die Contra-Rebellen zu unterstützen. Die Waffen landen bald woanders und das Drogengeschäft floriert weiter. Doch als Informant genießt der Pilot quasi Immunität.

Tom Cruise stellt den Piloten und Drogenschmuggler Barry Seal als sympathischen Abenteurer und liebenswerten Familienmenschen dar, der seine Aktivitäten durch den indirekten Regierungsauftrag gerechtfertigt sieht. Der 55-Jährige spielt mit gewohnter Leichtigkeit.

Anfangs erinnert Barry Seals rasanter Aufstieg als Drogenschmuggler in einigen Szenen an Al Pacinos „Scarface“ (1983). Doch während „Scarface“ ein bitterböses Drama ist, bleibt „BarrySeal – Only In America“ auch in dramatischen Szenen eher eine Abenteuerkomödie. Regisseur Liman hat die absurde Geschichte als launigen, sonnigen Unterhaltungsfilm mit vielen Lachern inszeniert.

Zentraler Kritikpunkt

Darin liegt aber zugleich der größte Kritikpunkt. Dass Seals Drogengeschäfte wie ein cooles Abenteuer wirken und Drogenbaron Escobar, der unzählige Menschen ermorden ließ, als geselliger Geschäftskumpel daherkommt, kann man auch skeptisch sehen. Womöglich wäre ein Drama dem Skandal um Barry Seal besser gerecht geworden als diese – zugegeben – sehr kurzweilige und unterhaltsame Satire.

Von Philip Dethlefs, dpa

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