Zahnärzte kehren nach Braunlage zurück
<p>Wenn es in Braunlage schneit, fühlen sich Dr. Justus Hauschild (rechts) und Dr. Christian Baumgardt (links) wohl und erinnern sich an viele Jahre Zahnärztekongress im Harz. Mit Unterstützung des Maritim und durch Sonja Lachnit ziehen sie gemeinsam eine eigene Fortsetzung der Winterfortbildungsreihe auf. Foto: Seltmann</p>
Braunlage. Als die Zahnärztekammer Niedersachsen im Januar ihren Abschied aus dem Harz ankündigte, endete eine über 60 Jahre alte Tradition: Der Winterfortbildungskongress findet künftig in Hannover statt. Zwei Zahnärzten ließ dies keine Ruhe.
Sie organisieren selbst vom 17. bis 19. Januar 2019 eine Winterfortbildung im Maritim Braunlage mit hochkarätigen Referenten und dem Thema „CMD, Bruxismus, Schlaf – aktuelles Wissen und neue Konzepte für die Praxis“. Festredner ist Sigmar Gabriel.
Seit 20 Jahren besuchen Dr. Justus Hauschild aus Isernhagen und Dr. Christian Baumgardt aus Braunschweig die Winterfortbildung in Braunlage.
Seit dem gemeinsamen Frühstück am Morgen nach dem Kongress 2018 habe sie der Gedanke nicht losgelassen, das offiziell ausgerufene Ende dieser Traditionsveranstaltung zu revidieren und sie in genau der Weise weiterleben zu lassen, in der sie vor weit über einem halben Jahrhundert einmal aus der Initiative einiger weniger niedergelassener Kollegen entstanden war. So schreiben sie auf der eigens für das Fortbildungstreffen eingerichteten Homepage www.dental-winter.de, auf der man sich für die Veranstaltung anmelden kann.
Sie bezeichnen sich als „idealistisches Einzelkämpferduo ohne jegliche kommerzielle Motivation“ und möchten nicht als Konkurrenz zum Kongress der Zahnärztekammer verstanden werden. In Gesprächen mit Kollegen an eben jenem Frühstückstisch in Braunlage sei vielfach der Rückzug aus Braunlage bedauert worden, sagt Hauschild.
Er und Baumgardt schwärmen regelrecht vom fantastischen Umfeld, der freundlichen Stadt, vom kollegialen Miteinander unter einem Dach, den Angeboten in und um Braunlage auch für die begleitende Familie und der Möglichkeit, Beruf und eine „kurze Streicheleinheit für die Seele fernab des Alltags“ zu kombinieren. Der Kongress sei eine Tradition, von denen es nicht mehr viele gebe, meint Hauschild.
Relativ kurzfristig sei das Programm zusammengestellt und die Referenten ins Boot geholt worden, berichtet das Planer-Duo, das sich seit den Studientagen in Hannover kennt. Festredner Sigmar Gabriel, dessen Ehefrau Anke Zahnärztin ist, habe sofort zugesagt. Auch wenn sich die Werbung für die Fortbildungsveranstaltung schwierig gestaltet, seien sie aufgrund der bisherigen Anmeldezahlen mittlerweile aus dem Bereich des finanziellen Risikos heraus, auch dank der Unterstützung des Maritim während der Startphase. Sonja Lachnit vom Hotel begrüßt die Fortsetzung der Tradition und hilft tatkräftig mit.
Das ist unter anderem auch bei der Adressenfindung nötig. Denn das Duo hat keinen Zugriff auf die Daten der Zahnärzte in Niedersachsen und der umliegenden Bundesländer.
Das Maritim sandte die Informationen zwar an viele Gäste weiter, aber so gut wie der Fortbildungskongress stets besucht war, wird es diesmal sicherlich (noch) nicht. Hauschild und Baumgardt hoffen auf kräftige Mundpropaganda. Angesprochen fühlen können sich Mitarbeiter der Zahnarztpraxen, Studenten, Physiotherapeuten, Heilpraktiker und auch Laien. Die Vortrags- und Rahmenprogrammpunkte sind für alle Teilnehmer vorgesehen. Erfreut sind sie über positives Feedback aus dem Kollegenkreise, sowohl was die Weiterführung der Tradition betrifft als auch das Fortbildungsthema. Verknüpft mit der Schlafmedizin sei es „blutjung, hochinteressant, praxisrelevant und in einem atemberaubenden Wandel befindlich“, so die Veranstalter, die froh sind über die Referenten, die dafür gewonnen werden konnten.
Erstmals werde ein zahnärztlicher Kongress in Deutschland die Themengebiete CMD (craniomandibuläre Dysfunktion ), Bruxismus und zahnärztliche Schlafmedizin zusammen abhandeln. Dabei sind unter anderem Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer, Greifswald, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der den Eröffnungsvortrag hält, und Dr. Susanne Schwarting, langjährige Präsidentin der Deutschen Gesellschaft Zahnärztliche Schlafmedizin.
Donnerstag, 17. Januar:
- Kongresseröffnung (17 Uhr)
- Eröffnungsvortrag Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer, Greifswald: „Artikulatoren, Gesichtsbögen, elektronische Registriersysteme. Die Entwicklung der Funktionsdiagnostik von der Gnathologie bis heute“ (17.30 Uhr)
- „Braunlage lebt“ – kollegialer Erfahrungsaustausch im Dachgarten (19 Uhr)
Freitag, 18. Januar:
- Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer, Greifswald: „Craniomandibuläre Dysfunktionen als Risikofaktor für Kopf- und Gesichtsschmerzen, Tinnitus, Halswirbelsäulen- und Rückenprobleme“ (9 Uhr)
- Dr. Paul Nilges, Mainz: „Kopfschmerzen und Psyche. Was der Allgemeinzahnarzt darüber wissen muss“ (10.30 Uhr).
- Prof. Dr. Jens C. Türp, Basel: „Evidenzbasierte Diagnostik und Therapie der Myoarthropathien des Kausystems“ (12 Uhr)
- Dr. Justus Hauschild, Isernhagen: „Funktionsdiagnostik und -therapie in der allgemeinzahnärztlichen Praxis. Ein einfaches Konzept“ (14.30 Uhr)
- Dr. Moritz Waldecker, Heidelberg: „Herstellung einer Michiganschiene. Volldigital oder klassisch analog?“ (15.30 Uhr)
- Thomas Menke, Hannover: „Digitaler Workflow und Scannersysteme für die Schienenherstellung“ (16.30)
- Entertainment „Braunlage lebt“ (mit Überraschungsgästen, 17 Uhr)
Samstag. 19. Januar:
- PD Dr. Nikolaos Giannakopoulos, Würzburg: „Bruxismus 2019. Ein Update.“ (9 Uhr)
- Rainer Stimmbert, Hannover zum Thema „Hypnose bei der Behandlung des Wachbruxismus“ (10.30 Uhr)
- Dr. Susanne Schwarting, Kiel: „Einführung in die zahnärztliche Schlafmedizin“ (11.30 Uhr)
- Dr. Susanne Schwarting, Kiel: „Unterkieferprotrusionsschienen zur Behandlung der Schlafapnoe und des Schnarchens“ (14.30 Uhr)
- Dr. Ulrich Rubehn, Elmshorn: „ Abrechnung von Diagnostik und Therapie der CMD sowie der Versorgung mit Unterkieferprotrusionsschienen (16 Uhr)
- Festvortrag MdB Sigmar Gabriel (17 Uhr)