Pfalzquartier: Bürgerliste sieht „Zweiklassen-Baurecht“
Goslar. Die „vehementen Verteidigungsversuche“ der Siegerentwürfe für die Umgestaltung des Pfalzquartiers durch Stadtplaner Prof. Walter Ackers und Goslars Oberbürgermeister Dr.Oliver Junk stoßen bei der Ratsfraktion der Bürgerliste auf deutliche Kritik. Zudem sieht Fraktionschef Henning Wehrmann ein „Zweiklassen-Baurecht“, das die Stadtverwaltung unter Junk installiert habe.
Vor allem die „auf Diffamierung angelegte Wortwahl“ des OB in Richtung des Vereins Stadtbild ist der Bürgerliste ein Dorn im Auge. Junk wirft dem Verein vor, ein „Sammelbecken nationalkonservativer Wutbürger“ zu sein. Stadtbild Deutschland hatte zuvor die Architektenentwürfe für Hotel und Veranstaltungshalle im Pfalzquartier als respektlos der Geschichte des Ortes gegenüber abgestempelt. Junk versuche, „jede Kritik an den keineswegs geglückten und stadtbildunverträglichen Architekturentwürfen mundtot zu machen und in die politisch rechte und nationalistische Ecke zu stellen“, so Wehrmanns Vorwurf in Richtung des Goslarer Verwaltungschefs. „Mehr als bedenklich“ sei zudem seine Kritik an der GZ, weil sie die Stellungnahme des Vereins veröffentlicht hatte.
Über Stadtbild Deutschland und die politische Ausrichtung seiner Akteure lägen zu wenige Informationen für eine Beurteilung vor, betonte Wehrmann. Es sei aber falsch, „historisierende Architektur, Rekonstruktionsprojekte und die stärkere Berücksichtigung einer regionalen Architektursprache bewusst zu verteufeln“, wie Junk dies tue.
Außerdem kritisiert der Bürgerlisten-Fraktionschef, dass „normale Bauherren und Architekten sich in der Altstadt minutiös an die Vorschriften des Gestaltungshandbuchs halten müssen, während „die eigene Bauverwaltung alle Regeln brechen“ dürfe.
Wehrmann nennt die teilweise Schieferverkleidung am Fachwerk-Verwaltungsgebäude an der Kornstraße oder den geplanten Glasanbau am historischen Rathaus als Beispiele. Dass nun für die „auswärtigen Star-Architekten“ des Pfalzquartier-Projektes „alle örtlichen Bauregeln außer Kraft gesetzt wurden“, setze dem Ganzen die Krone auf. red/hrs