Zähl Pixel
GZ-Archiv

Zwist um die Zast – Flüchtlingsheim unter Quarantäne

Polizeibeamte im Einsatz an der Zentralen Anlaufstelle für Asylsuchende (Zast) in Halberstadt. In der Zast befinden sich derzeit zahlreiche Bewohner wegen der Corona-Pandemie unter Quarantäne.  Foto: Bein

Polizeibeamte im Einsatz an der Zentralen Anlaufstelle für Asylsuchende (Zast) in Halberstadt. In der Zast befinden sich derzeit zahlreiche Bewohner wegen der Corona-Pandemie unter Quarantäne. Foto: Bein

Halberstadt/Halle. In der unter Quarantäne stehenden zentralen Erstaufnahme für Geflüchtete in Sachsen-Anhalt (Zast) sind bis Sonntag sieben weitere Corona-Fälle nachgewiesen worden. Damit seien 105 Fälle in der Einrichtung bekannt, teilte der Landkreis Harz mit. Nach Angaben des Landesverwaltungsamtes wohnen 620 Menschen in dem Heim in Halberstadt.

Montag, 20.04.2020, 17:07 Uhr

Ende März hatte ein Bewohner das neuartige Virus in die Zast eingeschleppt, seit Bekanntwerden steht die Anlage unter Quarantäne. Dennoch hat die Polizei am Montag mehrere Bewohner auf einem Feldweg an der A36 aufgegriffen. Gegen sie wird wegen des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz ermittelt.

In der Zast war in den vergangenen Wochen die Kommunikation mit den Einwohnern problematisch, weil Übersetzer fehlten und Bewohner die Maßnahmen nicht verstanden. Unter diesen Umständen war es über Ostern zu Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern gekommen. Aktivisten hatten Kritik geäußert. Die Behörden schickten weitere Übersetzer und Sozialarbeiter in die Einrichtung, legten mehrsprachige Infoblätter aus und richteten einen Lieferservice ein, bei dem die Bewohner Waren wie Hygieneartikel und Zigaretten kaufen können. Auch das Robert-Koch-Institut schickte ein Team in die Einrichtung, das das Land seitdem berät.

Seit Donnerstag werden Bewohner der Zast alle zwei Tage getestet. Infizierte werden in andere Einrichtungen in Magdeburg und Quedlinburg verlegt. Nach Bekanntwerden der ersten Fälle hatte das Land besonders gefährdete Bewohner wie Schwangere, Ältere und Menschen mit Vorerkrankung aus der Anlage geholt. Die Polizei erhöhte außerdem ihre Präsenz, inzwischen bewacht eine Hundertschaft die Einrichtung.

Aktivisten kritisieren, dass die Geflüchteten in der Zast auf engstem Raum leben. Neben den Mitarbeitern des Landes, von Hilfsorganisationen und der Bundeswehr arbeiten viele Ehrenamtliche auf dem Gelände. Am Freitag brachte das Multikulturelle Zentrum Dessau Spielzeug, Hygieneartikel und 1000 Mund-Nasen-Schutze.

Der Protest gegen die Einrichtung ging trotz der Bemühungen weiter. Am Samstag versammelten sich in Halle trotz Versammlungsverbots 50 Menschen, um erneut für eine Schließung der Zast zu demonstrieren. Die Polizei hatte die Kundgebung verboten, die Initiatoren gingen gerichtlich dagegen vor und bekamen Recht. „In einer Demokratie müssen Versammlungen möglich sein, wir sind froh, dass die Gerichte die Bedeutung der Versammlungsfreiheit verteidigt haben“, sagte Valentin Hacken vom Bündnis Halle gegen Rechts.

Für den Protest hatten die Organisatoren Kreuze auf den Boden gemalt, um einen Mindestabstand von zwei Metern zu gewährleisten. Die Demonstranten trugen jeweils einen Mund-Nasen-Schutz. Zudem wurden Teilnehmer von der Veranstaltung weggeschickt, weil zu viele Menschen sich an dem Protest beteiligten und die Hygieneregeln nicht gewährleistet worden wären. Die Polizei bezeichnete das Verhalten der Demonstranten am Sonntag als vorbildlich. dpa

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!