Zwischen Muskeln und Mett: Realität und Klischee
Feuerwehrmarmelade und Muskelschmalz – Uwe Löprich, der stellvertretende Ortsbrandmeister der Goslarer Feuerwehr, hat’s nicht nur auf dem Brötchen, sondern auch in den Oberarmen. Wie wichtig Fitness bei der Freiwilligen Feuerwehr ist, weiß er als Zuständiger für den Bereich Sport besonders gut. Fotos: Paetzold-Belz (3)/Sowa (1)
Berufsfeuerwehrleute sind durchtrainiert und topfit, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr haben einen Bauchansatz und trinken gerne – so weit das Klischee. Doch in Extremsituationen wie Brandfällen, im Katastrophenschutz oder bei Unfällen müssen beide gleichermaßen körperliche Höchstleistungen bringen.
Berufsfeuerwehrleute sind durchtrainiert und topfit, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr haben einen Bauchansatz und trinken gerne – so weit das Klischee. Doch in Extremsituationen wie Brandfällen, im Katastrophenschutz oder bei Unfällen müssen beide gleichermaßen körperliche Höchstleistungen bringen.
Wie steht es also um die Sportlichkeit der Freiwilligen Feuerwehr Goslar? Zwischen Muskeln und Mett-Stulle, zwischen Fitness-Shake und Feierabendbierchen, wo bewegen sie sich – Oder bewegen sie sich eben gerade nicht? Mit Uwe Löprich, dem stellvertretenden Ortsbrandmeister bei der Goslarer Feuerwehr und Zuständiger für den Bereich Sport, spricht GZ-Redakteurin Svenja Paetzold-Belz über das Fitness-Level der Goslarer Feuerwehrleute und die Notwendigkeit und Möglichkeiten, Sport zu treiben.
Herr Löprich, das Bild von Feuerwehrleuten in Deutschland ist in puncto Fitness von zwei gegensätzlichen Klischees geprägt: Zwischen dem durchtrainierten Berufsfeuerwehrmann, dem „Toughest Firefighter“, und dem Mett-Brötchen liebenden Biertrinker in der Freiwilligen Feuerwehr – Wo ordnen sie die Goslarer Kameraden ein?
Das Klischee mit den Mett-Brötchen haftet uns an, ja. Ich glaube aber, dass wir uns in der Mitte zwischen beiden Bildern befinden. So wie es sein sollte. Unsere Mitglieder sind vielleicht durchschnittlich nicht so fit, wie Berufsfeuerwehrleute sein müssen – obwohl wir von denen einige haben, die in puncto Fitness von manch Freiwilligem in die Tasche gesteckt werden. Ich denke aber auch, dass wir für die Zukunft daran arbeiten müssen, dass es so bleibt oder sogar noch besser wird. Denn gesellschaftliche Probleme wie der demografische Wandel spiegeln sich auch bei unseren Mitgliedern wider.
Anders als bei der Berufsfeuerwehr herrscht bei der Freiwilligen Feuerwehr also keine Voraussetzung für die Mitglieder, fit zu sein?
Nein, eine Pflicht gibt es nicht. Nur die Atemschutzgeräteträger müssen in einer Leistungsuntersuchung ihre körperliche Fitness nachweisen. Das hat der Gesetzgeber in einer Feuerwehrdienstvorschrift festgelegt. Das liegt daran, dass ein Atemschutzgeräteträger in besonderem Maße körperlich gefordert ist. Einmal durch seine schwere Ausrüstung (Anm. der Redaktion: Die Montur wiegt insgesamt 25 Kilo), durch die Abschottung nach außen in der Schutzkleidung und durch die Hitzeeinwirkung bei einem Gebäudebrand. In der Regel ist die zu rettende Person kein durchschnittlicher Europäer von 75 Kilo, sondern schwerer – das ist harte Arbeit, den aus einem brennenden Gebäude zu ziehen. Letztlich ist die Überprüfung auch zum Schutz des Atemschutzgeräteträgers gedacht, denn wir müssen wissen, ob er der Aufgabe gewachsen ist und sich nicht selbst in Gefahr bringt.
Wieso halten Sie es für wichtig, dass sich auch alle anderen Freiwilligen Feuerwehrleute fit halten?
Ob Freiwillige oder Berufsfeuerwehr, die Einsätze sind dieselben. Und die können lang und körperlich fordernd sein. Auch die Ausrüstung ist oft sehr schwer. Alleine ein Spreizer wiegt etwa 25 Kilo. Dazu kommt aber, dass freiwillige Feuerwehrleute tagsüber noch ihre normalen Berufe haben.
Warum gibt es denn dann keine Verpflichtung, fit zu sein?
Ich sage es mal so, wir wollen unseren Verein natürlich nicht selber schwächen. Deswegen hat man bisher noch nicht über so eine Regel nachgedacht.
Ich entnehme der Antwort, dass eine Sport-Pflicht ihrer Meinung nach Menschen davon abhalten könnte, in die Freiwillige Feuerwehr zu kommen, beziehungsweise Grund sein könnte, auszutreten?
Die Aufgaben, die unsere Mitglieder bei der Feuerwehr erfüllen, sind Dinge, die ’on top‘ auf den Alltag draufkommen, auf unser Familienleben und auf unsere normalen Berufe, die teilweise schon körperlich anstrengend sind.
Wenn zum Beispiel jemand Handwerker ist und nachts um drei noch zum Einsatz raus muss, dann ist der von seiner eigentlichen Arbeit schon geschlaucht. Da müssen solche Leute sich noch motivieren, im feuerwehrtechnischen Bereich Leistung zu bringen. Wenn wir sie zusätzlich noch zu Sport verpflichten würden... Das geht einfach nicht. Sport geht nur auf freiwilliger Basis.
Was würde denn ihre Mitglieder noch mehr als bisher motivieren, sich freiwillig fit zu halten?
Motivieren kann ich mich zum Beispiel, wenn ich sehe, dass andere fitter sind, als ich. Aber die Feuerwehrführung muss natürlich auch Angebote machen, die möglichst viele Feuerwehrleute erreichen und die sie wahrnehmen können. Sie muss versuchen, verschiedene Bereiche abzudecken, zum Beispiel mit Schwimmen, Fußball oder Radfahren.
Wäre also ein Konzept denkbar, das eine Vergünstigung für eine Fitnessstudio-Mitgliedschaft für Feuerwehrleute oder kostenfreien Eintritt ins Schwimmbad, gewährt? Da müssten die Verantwortlichen bei der Stadt oder dem Landkreis doch was organisieren können?
Es sind mehrere Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung und der Verbesserung unserer körperlichen Fitness denkbar. Die von Ihnen genannten Maßnahmen wären Möglichkeiten. Die Feuerwehr Goslar arbeitet an zukunftsorientierten Konzepten zur Aufrechterhaltung der Fitness von Einsatzkräften. Hier arbeiten wir eng mit der Stadt Goslar zusammen.
Der Spreizer, ein wichtiges Gerät bei Hilfeleistungseinsätzen, wiegt 25 Kilo und braucht Kraft, um gehalten zu werden.
Rund 25 Kilo wiegt auch die Ausrüstung, die ein Atemschutzgeräteträger unter Extrembedingungen mit sich tragen muss.
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