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Zwangsarbeit: Versuch einer Spurensuche

Groß war das Interesse am Vortrag von Dr. Friedhart Knolle über Zwangsarbeit im Bergbau und der Pulverfabrik.  Fotos: Leifeld

Groß war das Interesse am Vortrag von Dr. Friedhart Knolle über Zwangsarbeit im Bergbau und der Pulverfabrik. Fotos: Leifeld

Liebenburg. Einem düsteren Kapitel regionaler Geschichte wandte sich der Geologe und Hobbyhistoriker Dr. Friedhart Knolle in einem Vortrag am Freitagabend zu: den Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg im Pulverfabrik-Werk Kunigunde und jenen im Liebenburger Bergbau. Eingeladen hatten Dirk Glufke, Pfarrer der St.-Trinitatis Kirchengemeinde, und Ursula Henk-Riethmüller, Vorsitzende des Liebenburger Kulturvereins Lewer Däle. Und das Interesse an der Vergangenheit war groß: Weit mehr als 100 Zuhörer strömten in das evangelische Gemeindehaus.

Von Andrea Leifeld Sonntag, 25.02.2018, 14:32 Uhr

Liebenburg. Einem düsteren Kapitel regionaler Geschichte wandte sich der Geologe und Hobbyhistoriker Dr. Friedhart Knolle in einem Vortrag am Freitagabend zu: den Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg im Pulverfabrik-Werk Kunigunde und jenen im Liebenburger Bergbau. Eingeladen hatten Dirk Glufke, Pfarrer der St.-Trinitatis Kirchengemeinde, und Ursula Henk-Riethmüller, Vorsitzende des Liebenburger Kulturvereins Lewer Däle. Und das Interesse an der Vergangenheit war groß: Weit mehr als 100 Zuhörer strömten in das evangelische Gemeindehaus.

Doch war es ein Abend, der auch nach 90 Vortragsminuten viele Fragen offen ließ. Das war freilich nicht die Schuld von Knolle und seinen emsigen geschichtsinteressierten Unterstützern, sondern lag generell an der düsteren Nazizeit, über die niemand gerne zu sprechen scheint. Tatsächlich waren über viele Jahre gar keine Recherchen möglich.

Wichtige Zeitzeugen verstarben über Jahrzehnte, ohne jemals angehört worden zu sein. Erst 1990 begannen die Nazi-Nachforschungen Knolles zunächst im West- und Oberharz. Aber auch auf den Gruben in der Nordharz-Region habe es den Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen gegeben. Doch die Suche gestaltet sich immer schwierig und verlangt teilweise detektivischen Scharfsinn: So arbeiteten in der „Pulverfabrik Kunigunde“, einem Schwarzpulver-Produktions-Werk mit inzwischen 300-jährigen Bestand, rund100 männliche Zwangsarbeiter aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Als „Sonderproduktion“ wurde in der Zeit der Nationalsozialisten die Herstellung von Weltkriegsmunition wie Nebelkerzen, Nebelhandgranaten, Nebelbomben, Leuchtmunition und anderem vorangetrieben. Knolle lobte die Zusammenarbeit mit der Werksleitung, die alles Erdenkliche zur Klärung der Vergangenheit beigetragen habe.

Auch auf den Gruben in der heutigen Gemeinde Liebenburg, wie Ida-Bismack, Georg-Friedrich und Fortuna, gab es Zwangsarbeit. Von kyrillischen Schriftzeichen in einer dortigen Baracke erzählten die Lehrlinge in den 50er Jahren. Auch dass ein russischer Kriegsgefangener nahe der Grube Ida „aufder Flucht“ erschossen wurde. Weitgehend unbekannt war den Teilnehmern auch die Tatsache, dass die Pläne der V2-Rakete in einer Pulverkammer eines Stollens der Grube Georg-Friedrich bei Dörnten lagen. Dort hatte sie der Nazi-Offizier Wernher von Braun auf seiner Flucht vor den Alliierten verstecken lassen und sich mit ihnen später bei den Amerikanern freigekauft.

Friedhart Knolle

Friedhart Knolle

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