Zähl Pixel
GZ-Archiv

Zum Abschied kullern Tränen

Einzug in eine voll besetzte St.-Georg-Kirche: Mit einem Festgottesdienst verabschieden die Gläubigen ihre Pfarrerin, die nach fast dreieinhalb Jahren wieder das Neiletal verlässt.  Fotos: Hohaus

Einzug in eine voll besetzte St.-Georg-Kirche: Mit einem Festgottesdienst verabschieden die Gläubigen ihre Pfarrerin, die nach fast dreieinhalb Jahren wieder das Neiletal verlässt. Fotos: Hohaus

Lutter. Mit einem Gottesdienst in der St.-Georg-Kirche verabschiedeten die Neiletaler ihre Pfarrerin Johanna Bernstengel. Sie war dreieinhalb Jahre Pfarrerin der Kirchengemeinden in Lutter, Nauen und Hahausen und geht nun neue Wege: Ab Freitag ist sie Pfarrerin der Jungen Gemeinde Stadtmitte und Stadtpfarrerin für Jugendarbeit in Jena. Im Gottesdienst als Geistliche dabei waren Pfarrerin Anne-Lisa Hein (Ambergau), Michael Pfau (Kaierde) und Thomas Weißer (Seesen).

Donnerstag, 31.10.2019, 18:39 Uhr

{picture1s} In ihrer Predigt ging die Pfarrerin kritisch auf Bürokratie und Verwaltung in der Kirche ein und bemängelte, dass für den Glauben zu wenig Zeit und zu wenig Raum zur Entfaltung bleibe. „Wir haben den Gottesdienst aus den Augen verloren und werden ihn noch mehr verlieren. Wir verwalten nur noch die Kirche“, so die Pfarrerin. Kritisch blickte warf Bernstengel auch auf das Ergebnis der Thüringen-Wahl.

„Ich gehe, aber nicht gerne. Trauern sie nicht ihrer Pfarrerin hinterher“, so sagte sie. „Es ist so schön hier auf den Dörfern, ich habe sie alle gemocht. Aber vielleicht bin ich nach der Predigt unbeliebter. Es waren immer alle aktiv hier, wenn ich im Winter gefroren habe, einen Blechschaden hatte oder meinen Schlüssel im Pfarrhaus stecken gelassen habe.“

Zum Schluss gab es tosenden Beifall, aber auch Pfiffe. Grußworte gab es von Dr. Gerhard Großer als Vertreter der Kirchenvorstände: „Der Anlass ist kein schöner, sondern ein trauriger. Nach der tollen Predigt und guten gemeinsamen Wegen verläuft sich nun unser Weg.“ Hier gab es Tränen von der ehemaligen Pfarrerin. „Die vierte Pfarrstelle im Pfarrverband Ambergau-Neiletal ist nun vakant, aber der Kirchenvorstand wird alle Kräfte dafür einsetzen, dass es weitergeht“, so Großer. „Sie waren mit Herz eine Seelsorgerin und haben mit beiden Beinen auf dem Boden gestanden, an Geselligkeiten teilgenommen und sich immer unter das Volk gemischt.“

Schließlich nahm die Pröpstin Elfriede Knotte von der Propstei Bad Gandersheim/Seesen die Entpflichtung vor. Dann folgten die Grußworte durch Pfarrerin Anne-Lisa Hein vom Pfarrverband Ambergau. Sie und Johanna Bernstengel haben zusammen studiert. Die Konfirmanden bedankten sich mit einem „Denkmalbrett“, das in der neuen Wohnung in Jena einen Platz finden soll.

{picture1s} Und Lutters Bürgermeisterin Karin Rösler-Brandt bedankte sich für die Predigt. „Du machst es dir sicher nicht leicht mit der neuen Aufgabe und Herausforderung in Jena.“ Auch Samtgemeindebürgermeister Bodo Mahns lobte die Predigt und hofft, dass die Kirche bald wieder ein Gesicht in Lutter hat. Denn: „Einen direkten Ansprechpartner brauchen wir.“

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst durch den Gospelchor Lutter unter der Leitung von Silke Fricke und dem MGV Germania Lutter unter Tino Jeschek sowie an der Orgel durch Ursula Stark. Später konnten sich die Kirchenbesucher noch von ihrer ehemaligen Pfarrerin verabschieden.

Der Gospelchor Lutter umrahmt den Gottesdienst musikalisch.

Der Gospelchor Lutter umrahmt den Gottesdienst musikalisch.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!