„Großer der Zukunft“: Antonelli bejubelt Premierensieg
Kimi Antonelli rast in China zu seinem ersten Grand-Prix-Erfolg in der Formel 1. Foto: Andy Wong/AP/dpa
Teenager Kimi Antonelli gewinnt erstmals einen Grand Prix. Formel-1-Altstar Lewis Hamilton feiert für Ferrari seine Podest-Premiere. McLaren und Red Bulls Max Verstappen erleben ein Debakel.
Shanghai. Nach seiner emotionalen Formel-1-Show in Shanghai brach Teenager Kimi Antonelli in Tränen aus und stieg nach Momenten der Gefasstheit fast ungläubig auf die oberste Stufe des Podests. Der Youngster von Mercedes feierte beim Grand Prix von China in seinem erst 26. Rennen seinen Premierensieg in der Motorsport-Königsklasse und darf sich nun schon mal als Kandidat im Kampf um die WM fühlen.
„Mir fehlen die Worte, mir kommen die Tränen. Mein Team hat mir geholfen, diesen Traum wahr werden zu lassen“, sagte der aufgewühlte Antonelli und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Der „Corriere della Sera“ betitelte den ersten Formel-1-Sieg eines Italieners seit Giancarlo Fisichella 2006: „Tränen, Stolz, ein Märchen.“
19 Jahre und 202 Tage
Der jüngste Pole-Mann in der Geschichte der Motorsport-Königsklasse konterte in Shanghai sogar eine Start-Attacke von Rekordchampion Lewis Hamilton im Ferrari. Mit erst 19 Jahren und 202 Tagen bescherte der Italiener vor seinem Teamkollegen und Australien-Auftaktsieger George Russell den Silberpfeilen den zweiten Doppelerfolg in dieser noch jungen Saison.

Kimi Antonelli (m) ist bei Mercedes der Nachfolger von Lewis Hamilton. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
„Ich freue mich so sehr für dich, Kumpel, und es ist mir eine große Ehre, diesen Moment mit ihm teilen zu dürfen. Er hat meinen Platz in diesem großartigen Team eingenommen, daher ein großes Lob an Mercedes“, sagte Hamilton, der nach einer desaströsen Premierensaison mit Ferrari nun als Dritter erstmals auf das Podium für die wiedererstarkte Scuderia raste.
Hier die Vergangenheit, da die Zukunft
Der China-Rekordgewinner lieferte sich mit seinem Teamkollegen Charles Leclerc ein aufregendes und schonungsloses Duell. Nach der Zieldurchfahrt herzte der 41 Jahre alte Superstar seine Mama Carmen und wurde später von Antonelli daran erinnert, dass dieser erst ein Jahr alt war, als Hamilton 2007 in Kanada erstmals ein Formel-1-Rennen gewann.
„Mit Lewis und Kimi verbinde ich eine tolle Geschichte. Hier ist einer der Großen der Vergangenheit und da ist einer der Großen der Zukunft“, meinte Renningenieur Peter Bonnington, der bei Mercedes erfolgreich mit Hamilton zusammengearbeitet hat und sich seit vergangenem Jahr um das nächste herausragende Talent kümmert: „Klasse gemacht, Kumpel. Erster Rennsieg. Daran wirst du dich für immer erinnern.“
Schrecksekunde kurz vor Schluss
Am Tag vor seiner souveränen Siegfahrt, die ihm erst kurz vor Schluss wegen eines Bremsplattens einen „kleinen Herzinfarkt“ einhandelte, hatte Antonelli mit seiner ersten Pole Position Sebastian Vettel (21 Jahre und 72 Tage) in der Bestenliste abgelöst. Der jüngste Rennsieger ist der Youngster aus Bologna aber nicht: Nur Max Verstappen war bei seinem ersten Karriereerfolg in Barcelona 2016 mit 18 Jahren und 228 Tagen jünger.

Lewis Hamilton führt das Feld in die erste Kurve. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
„Er hat einen unglaublichen Weg gemacht, aber auch Rückschläge erlebt. Im vergangenen Jahr haben viele gesagt, dass das alles zu früh komme. Natürlich haben auch wir uns immer wieder gefragt, ob wir ihn vielleicht zu früh in diesen Dampfkochtopf geworfen haben“, erzählte Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der Antonelli mit elf Jahren ins Mercedes-Nachwuchsprogramm geholt hat.
„Aber genau das war die Marschroute: ein Jahr lang mit Höhen und Tiefen. Er ist jung, man muss ihm diese Fehler verzeihen. Und jetzt fährt er im zweiten Grand Prix das Rennen gnadenlos nach Hause. Das war richtig gut“, sagte Wolff stolz, der nach der Siegfahrt Antonellis Papa Marco umarmte.
Desaster für McLaren
Nico Hülkenberg konnte eine Woche nach seinem Technik-Aus in Melbourne den Großen Preis von China immerhin zu Ende fahren, verpasste im Audi als Elfter aber knapp einen Zähler. „Es ist gut, das Rennen beendet zu haben. Die Kilometer und die Infos sind viel wert“, sagte Hülkenberg.
Konstrukteurschampion McLaren erlebte ein Desaster schon vor dem Start. Die dritte Startreihe blieb frei, da die Ingenieure sowohl am Auto von Weltmeister Lando Norris als auch am Wagen von Vorjahressieger Oscar Piastri Schäden in der Elektronik der Power Units feststellten. Piastri konnte sogar noch keinen Grand-Prix-Kilometer in diesem Jahr drehen. „Es ist schon eine Weile her, dass ich zwei Formel-1-Rennen nur von der Seitenlinie aus verfolgt habe“, sagte Piastri trocken.
Der viermalige Weltmeister Max Verstappen erlebte mit Red Bull ebenfalls das nächste Frust-Wochenende. Er lag auf Position sechs in den Punkten, als ihn zehn Runden vor Schluss eine defekte Kühlung zum Parken zwang.
Lob für Antonelli
„Dieses Wochenende war besonders schlimm. Es würde schon mal helfen, wenn wir endlich einen normalen Start hinlegen könnten. Jedes Mal falle ich beim Start ganz nach hinten zurück“, beklagte Verstappen, der das Problem vor allem im starken Reifenabbau seines Red Bull sieht.
Lob gab es vom Niederländer aber für den Mann des Tages. „Er ist schnell. Das wird nicht sein letzter Sieg sein, aber der erste ist natürlich immer sehr emotional“, sagte Verstappen über Antonelli.
Einen spektakulären Auftakt erwischte Hamilton. Der Sprint-Sieger des vergangenen Jahres - einer der wenigen Lichtblicke für ihn bei Ferrari in seinem Premierenjahr - schob sich an den Mercedes vorbei an die Spitze. In Runde zwei verlor der Rekordweltmeister die Topposition zwar wieder an Antonelli, er konnte aber immerhin zeigen, dass mit der Scuderia wieder zu rechnen ist.
Ferrari schon 25 Sekunden zurück
Während der Italiener das Rennen vorne kontrollieren konnte, wurde sein Teamkollege Russell inmitten der beiden Ferrari aufgehalten. Die Fans, die wegen der militärischen Eskalation im Nahen Osten die Absage der Grand Prix von Bahrain am 12. April und eine Woche später in Saudi-Arabien verkraften müssen, kamen somit in Shanghai weiter auf ihre Kosten.

Erst Pole, dann auch Sieg: Kimi Antonelli genießt sein Shanghai-Wochenende. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
Im Ziel hatte Antonelli 5,5 Sekunden Vorsprung auf Russell - und beträchtliche 25,2 Sekunden auf Hamilton sowie 28,8 Sekunden auf Leclerc. „Wir stehen erst am Anfang, wir geben weiter Vollgas“, verkündete Antonelli. „Ich freue mich jetzt auf den Rest der Saison. Ich konzentriere mich auf jedes einzelne Rennen, also werden wir sehen, wo wir am Ende des Jahres stehen.“

Lando Norris kann in Shanghai gar nicht losfahren. Foto: Vincent Thian/AP/dpa