Winter auf der Innerstetalbahn
Der Schneepflug, von einer Dampflok geschoben, räumt das Gleis frei.
Clausthal-Zellerfeld/Altenau. Großes Interesse bei Medien und in der Bevölkerung finden in diesen Tagen die beiden zwei stecken gebliebenen Züge der Brockenbahn. In der Altenauerin Ingrid Lader werden dabei Erinnerungen an ähnliche Ereignisse auf der Innerstetalbahn wach. Für die GZ hat sie die Geschichte aufgeschrieben:
Die Bahnlinie von Langelsheim nach Clausthal-Zellerfeld ist im Jahr 1877 eröffnet worden, das Teilstück nach Altenau dann 1914. In Betrieb war die Strecke bis zum Jahr 1976, danach erfolgte die Stilllegung. Aus meinen Unterlagen habe ich jetzt einmal einige Ereignisse „ausgegraben“.
Von der Außenwelt abgeschnitten
Während des Krieges, am 7. und 8. Dezember 1940, gab es heftige Schneefälle und Schneeverwehungen auf der Clausthaler Hochebene. Die Schneehöhe betrug etwa 1,20 Meter, die Verwehungen waren zum Teil mehrere Meter hoch.
Clausthal-Zellerfeld und Altenau waren zu dieser Zeit einige Tage von der Außenwelt abgeschnitten. In Kilometer (km) 23,7, oberhalb vom Bahnhof Frankenscharrnhütte, der bei km 22,12 lag, war eine Lok stecken geblieben und eingeschneit. Bei km 27,4 am Einschnitt Galgensberg war sogar ein ganzer Zug auf der Fahrt nach Altenau stecken geblieben und ebenfalls eingeschneit.
{picture1s} Auch schon aus dem Jahr 1879 wurden Störungen infolge der winterlichen Verhältnisse gemeldet. Durch Verwehungen lag der Schnee stellenweise vier bis fünf Meter hoch. Ein Zug, der am Dienstag, 25. Februar 1879, kurz nach 10 Uhr abends von Goslar kommend in Clausthal-Zellerfeld eintreffen sollte, ist erst mit vier Stunden Verspätung angekommen. Danach hat man die Strecke gesperrt und sie erst am 2. März 1879 für den Bahnbetrieb freigegeben.
Durch eine Schneelawine entgleist ist ein Personenzug am 19. Januar 1963 in der Nähe des Eulenspiegler Teiches kurz vor dem Hauptbahnhof in Clausthal-Zellerfeld. Es wurden einige Personen leicht verletzt.
An den schneereichen Winter 1969/70 erinnern sich gewiss noch viele Einheimische. Der Schnee lag im Durchschnitt 1,50 Meter hoch. Die zu der Zeit noch im BW Goslar beheimateten Dampfloks der BR 50 und 86 fuhren mit dem Schneepflug in der Zeit von November 1969 bis 21. März 1970 auf der Harzbahn 23 Einsätze. Und auch ein dreiteiliger Schienenbus, dem ab Clausthal-Zellerfeld eine Dampflok der BR 86 vorgespannt war, ist in diesem Winter auf der Fahrt nach Altenau im Einschnitt am Galgensberg stecken geblieben. Durch Zufall befand sich an diesem Tag ein Raupengerät im Bahnhof Clausthal-Zellerfeld, das zur Schneeräumung im Bahnhofsbereich vorgesehen war. Als nun die Nachricht von dem feststeckenden Zug kam, wurde das Raupengerät ausgeschickt, um zu helfen. Es zog die zwei Anhänger des Schienenbusses nacheinander heraus und brachte sie zum Bahnhof Clausthal-Zellerfeld zurück.
Dampflok als Befreier
Das Triebfahrzeug und die Dampflok waren so festgefahren, dass sie von einer anderen aus Goslar angeforderten Dampflok befreit werden mussten und dann ebenfalls zum Bahnhof Clausthal-Zellerfeld zurückgeschleppt wurden.
Sehr große Anstrengungen und Mühe hat es auch immer bereitet, Gleise und Weichen im Bahnhof selbst vom Schnee frei zu halten, um den ungestörten Ablauf von Rangier- und Ladearbeiten vornehmen zu können. So mussten alle Bediensteten des Bahnhofs öfters zum Schnee schaufeln antreten. Unterstützung gab es dabei auch von dem Raupengerät, das den Schnee zum Abtransport außerhalb des Bahnhofsbereiches auf bereitgestellte Waggons gehoben hat.
Abtransport der Schneemassen auf dem Bahnhof Clausthal-Zellerfeld im Winter 1969/70. Das Raupengerät „rettete“ nebenbei noch einen Schienenbus, der am Galgensberg stecken geblieben war. Fotos: Archiv Lader