Wer hat Schuld am Restaurant-Sterben?
Das Bräustübl in der Goslarschen Straße ist geschlossen. . Fotos: Schlegel
Immer mehr Gaststätten machen dicht, nun auch das Bräustübl. Nun wird unter anderem die Stadt verantwortlich gemacht. Und zwar auch deren Menschen, die nicht mehr so viel ausgehen.
Geht Bad Harzburg vor die Hunde? Fehlen Konzepte, Visionen, Perspektiven? Ist die Stadt schuld an ihrem Niedergang? Und wenn – wer ist „die Stadt“ überhaupt? Das ist eine Diskussion, die immer wieder aus den unterschiedlichsten Anlässen gern geführt wird. Aktuellster: Immer mehr Restaurants und Gaststätten schließen. Und nun hat auch noch das Bräustüb’l dichtgemacht, ein Traditionsbetrieb in exponierter Lage. Wie kann denn so etwas passieren?
Das Bräustüb’l gibt es seit 1962. Besitzer ist die Familie Heimann/ Färber als Nachfolger der Familie Quermann. 2009 war das Lokal, das mitten in der Stadt liegt, neu verpachtet worden. Nun, vier Jahre später, habe man sich wieder von dem Pächter getrennt, sagt Claus-Dieter Färber. Der Gastronom habe die Segel streichen müssen, es habe sich einfach nicht mehr gelohnt. Den Schlussstrich habe man „zum Schutze des Betreibers gezogen“, sagt Färber.
Das Bräustüb’l ist aber nicht das einzige Restaurant, das in der jüngsten Vergangenheit geschlossen werden musste. Überall stehen Lokale leer, immer wieder geben Wirte auf, einige stehen auf der Kippe. In der Innenstadt ist es besonders schlimm. Gefühlt kommt fast täglich eine Schließung dazu.
Die Gründe dürften sehr unterschiedlich und auch individuell sein. Die Schuld sollte mitunter auch bei den Geschäftsleuten selbst gesucht werden. Doch „die Strukturen einer Stadt stimmen nicht, wenn schon in bester Lage ein Laden nicht mehr läuft“, sagt Detlef Thrun zum Fall Bräustüb’l. Thrun ist Vorsitzender des Bad Harzburger Hotel- und Gaststättenverbandes.
Unabhängig voneinander stößt Thrun damit ins gleiche Horn wie Bräustüb’l-Verpächter Färber, der es allerdings ein wenig drastischer formuliert: „Irgendetwas läuft in Bad Harzburg verkehrt.“ Man warte seit Jahren auf neue Trends, „es fehlen Perspektiven, Konzepte Visionen“. Deshalb werde es sicherlich auch nicht einfach sein, neue Pächter für das Lokal zu finden.
Dabei, so Thrun, habe Bad Harzburg die besten Voraussetzungen, im Wettbewerb zu punkten. Aber man brauche eine adäquate Werbung und die fehle in der Stadt. Bad Harzburg werde zunehmend abgehängt, in der Kommunalpolitik müsse ein Umdenken einsetzen, damit mit betriebswirtschaftlichen Ansätzen vorgegangen werde.
Thrun und Färber bekommen da sogar Zustimmung aus der Politik: „Wir sparen uns tot, es passiert nix, es wird verwaltet und nicht gestaltet“, sagt CDU-Fraktions-Chef Hans-Peter Dreß, und richtet den Vorwurf an den Bürgermeister.
Der wehrt sich dagegen, am Untergang Bad Harzburgs Schuld zu sein, zumal er diesen Untergang auch überhaupt nicht als solchen sieht. „Das sind Phrasen ohne Gehalt.“ In der Gastronomieszene habe es schon immer Fluktuation gegeben, es gäbe viele Gaststätten, die seit Jahrzehnten am Markt seien, es würden auch immer wieder neue eröffnet, und es gibt halt andere, die schließen. „Da ist viel im Fluss.“
Und beim Ziel, Werbung für Bad Harzburg zu machen und Menschen in die Stadt zu holen, „sind wir auf der Spur“. Allerdings schränkt er auch ein: „Ich kann nicht auf Pump Werbung machen.“ Das Salz- und Lichterfest und die Galopprennwoche nennt er als Beispiel von Aktionen, die die Stadt Geld kosten und die aber auch eine gewisse Nachhaltigkeit haben. Und in diesem Jahr komme noch der Wandertag dazu – für den er übrigens hofft, dass die örtliche Gastronomie professionell an einem Strang ziehe.
Und in der Tat machen sowohl Dehoga-Chef Thrun als auch Bräustüb’l-Besitzer Färber nicht einmal nur „die Stadt“ als Gemeinde verantwortlich. Natürlich ist die Stadt auch die Gesamtheit ihrer Bürger. Stichwort könnte da die „Geiz ist geil“-Mentalität sein, es wird, so Färber, heutzutage einfach weniger ausgegangen. Haben die Menschen weniger Geld? Womöglich, aber auch das Freizeitverhalten habe sich geändert, sagt Thrun. Zudem seien die Rahmenbedingungen heute anders, Euroumstellung, Raucherdebatte, Anstieg der Mehrwertsteuer oder Konkurrenz durch Vereinsgastronomie seien nur einige Beispiele. Und das mache es in einer Stadt wie Bad Harzburg noch schwerer, ein Lokal zu betreiben. Woanders, so Thrun, eröffne man einen neuen Laden und er läuft. Hier in Bad Harzburg nicht.