Wenn die Kraft zum Leben kaum noch reicht
Das Team von der Klinik Dr. Fontheim: Sozialtherapeutin Anja Duderstaedt mit ihrem Hund Lotta, Annegret Müller, Martina Stegemann, Oberarzt Dr. Florian Hädrich und Susanne Alfeldt (v.li.). Foto: Ciszewski
Liebenburg. „Robert Enke war für die gesellschaftliche Wahrnehmung der Erkrankung Depression sehr wichtig“, sagt Susanne Alfeldt. Sie ist die pflegerische Leiterin von Haus 8 in der Klinik Dr. Fontheim und hat täglich mit der Krankheit zu tun. Enke war Torhüter der deutschen Fußballnationalmannschaft und litt unter Depressionen. Infolge der Erkrankung hatte er sich 2009 das Leben genommen. Das Thema Depression erlangte durch diesen tragischen Vorfall erstmals eine große Öffentlichkeit. „Das hat vielen geholfen, darüber zu sprechen und ihre Probleme zu benennen“, sagt Susanne Alfeldt. Erkrankte konnten sich mit dem Leid eines Prominenten identifizieren, das war neu.
Liebenburg. „Robert Enke war für die gesellschaftliche Wahrnehmung der Erkrankung Depression sehr wichtig“, sagt Susanne Alfeldt. Sie ist die pflegerische Leiterin von Haus 8 in der Klinik Dr. Fontheim und hat täglich mit der Krankheit zu tun. Enke war Torhüter der deutschen Fußballnationalmannschaft und litt unter Depressionen. Infolge der Erkrankung hatte er sich 2009 das Leben genommen. Das Thema Depression erlangte durch diesen tragischen Vorfall erstmals eine große Öffentlichkeit. „Das hat vielen geholfen, darüber zu sprechen und ihre Probleme zu benennen“, sagt Susanne Alfeldt. Erkrankte konnten sich mit dem Leid eines Prominenten identifizieren, das war neu.
Die Diagnose Depression ist die mit Abstand am häufigsten gestellte in der Klinik Dr. Fontheim, sagt der leitende Oberarzt der Abteilung für affektive Störungen, Dr. Florian Hädrich. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie erklärt, dass in der Liebenburger Klinik stationäre und teil-stationäre Behandlungen möglich seien und eine Vielzahl unterschiedlicher Therapieformen angeboten wird. Der Ausbruch der Krankheit kann sehr verschiedene oder auch mehrere Ursachen haben. Zum Beispiel könnte eine genetische Vorbelastung, ein traumatisches Kindheitserlebnis, eine sehr verletzliche Persönlichkeit oder auch ein Verlusterlebnis wie eine Scheidung oder der Tod eines Angehörigen zu einer Erkrankung führen. Durch diese Heterogenität seien auch unterschiedliche Behandlungsformen notwendig.
Auch Hädrich macht die Beobachtung, dass die Krankheit „nicht mehr ganz so stigmatisiert ist“. „Sie wird wahrscheinlich auch häufiger diagnostiziert als früher“, sagt er. Es gebe aber nach wie vor eine „große Hemmschwelle“, sich dieser Erkrankung zu stellen. Doch entscheidet sich der Erkrankte zu diesem Schritt, erhält er vielfältige Hilfe in der Liebenburger Klinik. Neben Physio-, Psycho-, Ergo- oder Sozialtherapien gehört bald auch wieder eine „sozialpädagogisch angeleitete Gruppe für Depressionserkrankte“ dazu. Die Selbsthilfegruppe mit dem sperrigen Namen soll laut Anja Duderstaedt, Leiterin der Sozialtherapie, im April oder Mai wieder angeboten werden.
Eine solche Gruppe gab es bereits im vergangenen Jahr. Das Angebot hatte für eine sehr große Nachfrage gesorgt. „Es meldeten sich knapp 100 Teilnehmer“, sagt Duderstaedt. Es entstanden zwei Gruppen, und im Café der Klinik kamen die Teilnehmer zu den Sitzungen 14-tägig zusammen. „Ziel war das Erarbeiten von sozialen Aktivitäten. Außerdem haben wir zum Beispiel Entspannungsübungen und kleine Fantasiereisen gemacht“, zählt sie einige der Aktivitäten auf. „Im Vordergrund stand der Spaß.“ Im Sommer war das Angebot dann planmäßig ausgelaufen.
Das bedauert eine 51-jährige Teilnehmerin aus Goslar, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie hätte gern weiter gemacht. „Für mich waren die Treffen wie ein Ausweg aus einem Hamsterrad, aus den täglichen Grübeleien.“ In der Gruppe sei die Aufmerksamkeit auf das Positive gelenkt worden. Bei der Goslarerin war 2016 die Diagnose Depression gestellt worden. „Ich habe nach einigen Schicksalsschlägen innerhalb kurzer Zeit einfach keine Kraft mehr gehabt. Für nichts. Ich habe mich zu Hause eingeigelt und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen“, erzählt sie.
In der Selbsthilfegruppe habe sie einige Techniken erlernt, die ihr auch heute noch in den dunklen Stunden zu Hause helfen, aber sie freut sich darauf, sich bald wieder regelmäßig in der Gruppe treffen zu können. „Für die Teilnehmer bildet die Selbsthilfegruppe einen Raum, in dem sie sich zum ersten Mal nicht erklären müssen“, beschreibt Susanne Alfeldt.
Wann das neue Selbsthilfe-Angebot der Klinik steht, will Anja Duderstaedt, die die Gruppe auch dieses Mal anleiten wird, noch öffentlich machen. Bei dieser Arbeit wird sie dann von Annegret Müller, die in der Klinik Dr. Fontheim ihr Berufsanerkennungsjahr im Rahmen ihres Studiums Soziale Arbeit absolviert, unterstützt.