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Wasser

Weiches Harzer Trinkwasser für den Norden

Über ein 520 Kilometer langes Leitungssystem wird der Norden von den Harzwasserwerken mit Trinkwasser aus dem Harz versorgt.

Über ein 520 Kilometer langes Leitungssystem wird der Norden von den Harzwasserwerken mit Trinkwasser aus dem Harz versorgt.

Harz. Das Trinkwasser aus dem Harz ist wegen seiner Ergiebigkeit (siehe Artikel: Regen im Harz) und wegen seiner Qualität als weiches Wasser sehr geschätzt. Harzwasser wird vor allem im Norden der Republik an zahlreiche kommunale Wasserversorger und an die Industrie verkauft.

Von Andreas Rietschel Donnerstag, 18.01.2018, 16:28 Uhr

Harz. Das Trinkwasser aus dem Harz ist wegen seiner Ergiebigkeit (siehe Artikel: Regen im Harz) und wegen seiner Qualität als weiches Wasser sehr geschätzt. Harzwasser wird vor allem im Norden der Republik an zahlreiche kommunale Wasserversorger und an die Industrie verkauft.

Die Harzwasserwerke verkaufen jährlich 94 Millionen Kubikmeter (Stand 2017) Trinkwasser. Das Unternehmen gehört zu den zehn größten Trinkwasseranbietern bundesweit und ist die Nummer eins in Niedersachsen. Das Versorgungsgebiet des Unternehmens reicht im Norden bis Bremen, im Süden bis Göttingen und im Osten bis Wolfsburg.

Nicht alle Talsperren dienen der Trinkwassergewinnung und auch der Anteil des gesamten Talsperrenwassers an der Trinkwassergewinnung ist mit zirka 25 Prozent eher gering. So gibt es Talsperren, denen die Harzwasserwerke kein Trinkwasser entnehmen. Sie dienen ausschließlich dem Hochwasserschutz, der Energieerzeugung und der Versorgung von Flüssen und Feuchtgebieten. Dazu gehören die Odertalsperre, die Innerste-Talsperre und die Okertalsperre.

Die Okertalsperre ist indirekt dennoch ein Trinkwasserspeicher, denn sie kann durch einen Stollen im freien Gefälle Wasser in die Granetalsperre abgeben, aus der wiederum Trinkwasser gewonnen wird. Die Innerste ist nur über Pumpen mit der Granetalsperre verbunden. Diese Verbindung wird nur in Ausnahmefällen genutzt, wie zum Beispiel im Hochwasser Mitte des vergangenen Jahres.

Um das Wasser an die Kunden zu bringen, gibt es ein Leitungsnetz von insgesamt 520 Kilometern. Große Kunden sind die Stadtwerke in Bremen, Hannover, Braunschweig, Göttingen, Hildesheim und Wolfsburg sowie 65 kleinere Wasserversorger und Industriekunden. Größter industrieller Abnehmer ist der VW-Konzern in Wolfsburg.

Die 94 Millionen Kubikmeter werden vor allem als Trinkwasser in den Städten und Gemeinden verwendet. So beliefern die Harzwasserwerke die Großstädte mit rund 44 Millionen Kubikmetern, weitere Städte mit 17 Millionen und Verbände und Gemeinden mit 26 Millionen Kubikmetern. Die Abnahme durch die Industrie beläuft sich auf rund 7 Millionen Kubikmeter, die Branchen sind neben der Autoindustrie Getränkehersteller, die Chemische Industrie und der Bergbau.

Wer etwa glaubt, dass das Granewasser, weil es in einem Schutzgebiet liegt, bereits als Trinkwasser verwendungsfähig sei, täuscht sich. Unterhalb der Staumauer befindet sich das größte niedersächsische Wasserwerk. Eigentlich, so der dort verantwortliche Manfred Korosec, werden an der Grane sogar zwei Wasserwerke unter einem Dach betrieben. Sie können täglich bis zu 194.000 Kubikmeter Trinkwasser aufbereiten, das entspricht einer Leistung von 2250 Litern pro Sekunde. Die Jahresmenge wird für die Grane mit 46 Millionen Kubikmetern angegeben, das entspricht etwa der Hälfte der gesamten Wassermenge, die die Harzwasserwerke pro Jahr verkaufen.

Neben der Desinfektion und der Entsäuerung müssen die Kleinstpartikel aus dem natürlichen Talsperrenwasser herausgefiltert werden. Dies geschieht im Wasserwerk zweistufig über Filterbecken. Erst nach dieser aufwändigen Aufbereitung verlässt es als Trinkwasser den Harz. Über große Pipelines werden die Städte des Nordens versorgt. Insgesamt betreibt das Unternehmen sieben Wasserwerke. Drei sind direkt im Harz an der Grane, der Sösetalsperre und der Eckertalsperre, vier weitere Wasserwerke gibt es im Raum Hannover, Celle, Bremen.

 

REGEN IM HARZ

Im nördlichen und südlichen Harzvorland fällt die relativ geringe Niederschlagsmenge von 600mm im Westen (Braunschweig, Einbeck) auf unter 500mm (Magdeburg, Erfurt). Die Ursache für das West-Ost-Gefälle ist die zunehmende Entfernung vom Atlantik. Der deutsche mittlere Jahresertrag beträgt 800 mm. Die am nordwestlichen Harzrand liegenden Städte Goslar und Bad Harzburg erfüllen exakt diesen Durchschnittswert, in Seesen, Osterode, Herzberg liegt man mit um 850mm leicht darüber.
Im Bereich der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld mit Altenau und Hahnenklee fällt der Niederschlag mit jährlich 1200 mm bereits erheblich höher aus. Ebenso in den hoch gelegenen Orten Braunlage und Schierke.
Eine der Ursachen für die besonders hohen Niederschläge im Westharz sind Staueffekte, durch die sich die feuchten Westwinde an der Westflanke des Gebirges abregnen. Spitzenreiter ist der Brocken. Dort werden 1841mm jährlich gemessen. Er liegt damit an 46. Stelle (von 4700 Meßstellen) der regenreichsten Orte in Deutschland.

DER WASSERPFENNIG

Eingeführt wurde diese Gebühr im Jahr 1992, um damit Trinkwasserschutz zu finanzieren und Ausgleichsmaßnahmen für durch den Trinkwasserschutz Betroffene zu schaffen. Die Gebühr beträgt laut Auskunft der Harzwasserwerke 0,075 Euro pro Kubikmeter. Das macht allein für diesen Wasserversorger rund sieben Millionen Euro jährlich. Das Land Niedersachsen gibt im Jahr 2018 knapp 20 Millionen Euro für den Trinkwasserschutz aus. Davon erhalten die Harzwasserwerke etwa 0,85 Millionen Euro. Zugrunde liegt eine Art Finanzausgleich, der die Wasserversorger nach Größe belastet oder unterstützt. Darum bekommen die Harzwasserwerke weniger Geld als Förderung zurück, als sie als Gebühr bezahlt haben.

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