Wanders gibt sich schlüpfrig, ohne auszurutschen
Lilo Wanders mag es schrill. Foto: Dürich
Lautenthal. „Wir sind zweimal ausverkauft mit Lilo Wanders“, so begrüßte Theaterdirektor Marco Assmann seine gut 60 Gäste am Samstag in seiner Wunderkammer. Aber für die „Schrille Nacht“ und im Januar für Horst Fryguth gibt’s noch Restkarten.
Doch dann kam die „bissige, alternde Theaterdiva“, wie sie sich selbst gern nennt, mit ihrem Lebenslauf-Programm auf die Bühne und ließ erstaunen. War sie so fett geworden, oder war das nur Show? Es war, aber gekonnt.
Nachdem sie erfolgreich mit ihrer Figur kokettiert hatte – „lieber fett und nett als kantig und grantig“ – kam sie gern auf ihre Busenfreundin Evelyn Künneke, ein Vorbild für sie, zu sprechen. Schließlich hat die über 2000 Lieder gesungen und genau so viele Männer gehabt – fast, oder nur 350, wie jede andere Frau.
Ach ja, da gab’s doch diesen herzzerreißend schönen „Egon, das mach ich alles nur aus Liebe zu dir“. Singen kann sie, schäkern aber auch. Dem Publikum gefiel es. Fast jeder Satz führte zu einem herzhaften Lacher oder mehr im Publikum. Schließlich ist sie ja endlich 60 geworden und „gaga, geil und gierig“.
Sie hat alles erlebt, vom Bremer Schwulenchor über das Schmidt-Theater auf der Reeperbahn, dem NDR-Fernsehen oder der wa(h)ren Liebe bei Vox. Auch beim Theater punktete die aus Wanda Golowskowski entstandene Figur Lilo Wanders, die auch heute noch auf Reeperbahn-Wanders-Touren ihre Lieblingsecken zeigt.
Doch schon rasch hatte sie gut 18 Kilo abgespeckt, das waren immerhin 72 Stück Butter, die sie abtropfte, mit nun neuem Kleid.
Ihr Alter konnte der 1955 in Celle geborenen Travestiekünstler „Ernie“ Reinhardt dann doch noch gut einnorden, schließlich ist im Alter jedes Mittel erlaubt, man ist ja schließlich nur schon länger jung als Nachgeborene. Allerdings erlebt sie den Sex im Alter oft auf Knien vor dem aufrecht liebenden Mann – immer noch besser als im Freien, im Hochsommer-Gras. Davor warnt sie, denn die Borreliose hat sie zeckenhaft erwischt. So schafft sie es immer wieder, gekonnt schlüpfrig nicht auszurutschen. Das gefällt dem Wunderkammer-Publikum und wird mit frohem Beifall belohnt.
Gern philosophiert sie über alte Fernsehkollegen, Alzheimer, ihre Mutter im Altenheim, ihre gut ausgebaute Figur oder Partnerschafts-Annoncen.
Mit der SOS-Diät, also schlank ohne Sport, höchstens einem morgendlichen Ritt bei offenem Fenster, will sie es schaffen, so zu bleiben, wie sie ist. Gut so, denn ihre abschließend gesungenen Lieder nach langem Beifall und Zugaben eröffneten einen frohen Blick in hawaiianische Pracht. dür