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Vom kleinen Bauernhof auf den großen Weltmarkt

Ludger Rethmann sprach über sein Familienunternehmen.  Fotos: Steigleder

Ludger Rethmann sprach über sein Familienunternehmen. Fotos: Steigleder

Goslar. Beim 13. Unternehmerfrühstück von „Pro Goslar“ sprach Ludger Rethmann über sein Familienunternehmen und dessen Geschichte.

Von Mario Steigleder Sonntag, 29.01.2017, 16:32 Uhr

Es sollen nicht nur die teilnehmenden Unternehmen davon profitieren, sondern eben auch die ganze Region: Beim 13. Unternehmerfrühstück, ausgerichtet vom Verein „Pro Goslar“, stand vor allem das Netzwerken im Vordergrund. Als Ehrengast sprach Ludger Rethmann, Vorstandsvorsitzender der Remondis SE & Co. KG.

Das Frühstück gab es im beeindruckenden Ambiente der Nonnenempore traditionell vorweg – als Stärkung, wie „Pro Goslar“-Vorsitzender Uwe Schwenke de Wall junior die Veranstaltung einleitete. Beeindruckt waren die rund 120 Gäste aber vor allem von dem Inhalt, den der Gastredner ihnen launig-fachmännisch präsentierte.

Auf knapp 600 Jahre Familien- und Unternehmensgeschichte kann Ludger Rethmann zurückblicken. 1428 war es noch ein Bauernhaus in Bokern bei Vechta. 2017 hat sich die Rethmann-Gruppe weltweit etabliert: 12,4 Milliarden Euro Umsatz, knapp 70.000 Mitarbeiter, 2,7 Milliarden Euro Eigenkapital – das hinterließ nicht nur beim Ehrenbürger und Unternehmer Hans-Joachim Tessner Eindruck: „Das ist ja richtig viel.“

Die Rethmann-Gruppe ist in drei Subgruppen aufgeteilt: Saria verwertet vor allem tierische und pflanzliche Restprodukte und stellt daraus Nahrungsmittel für Mensch und Tier und Produkte für Landwirtschaft, Aquakultur und industrielle Anwendung her. Rhenus ist weltweit im Logistikbereich und im Personenverkehr vertreten. In der Region wohl am bekanntesten ist die Remondis-Gruppe, die in der Abfallwirtschaft tätig ist – das Aufbereitungs- und Entsorgungsunternehmen Eurawasser gehört zur Rethmann-Gruppe.

Ludger Rethmann wandelte in seinem Vortrag immer wieder zwischen Familienunternehmen und Weltmarkt. 1934 kaufte Josef Rethmann für 4000 Reichsmark von einem gewissen Heinrich Brakemper ein kleines Fuhrunternehmen – die erste Expansion. Ludger Rethmann wollte eigentlich Landwirtschaft studieren und den elterlichen Hof übernehmen. Heute leitet er zusammen mit seinen Brüdern Klemens, Georg und Martin eines der größten deutschen Familienunternehmen, das mit Remondis die Nummer Zwei in der deutschen Kreislaufwirtschaft stellt – nach den Kommunen.

Die Frage nach dem Erfolg beantwortet Ludger Rethmann mit der ständigen Präsenz seiner Familie, flachen Hierarchien und motivierten Mitarbeitern. Und natürlich – das klingt immer wieder durch – ist auch Kalkül dabei, unternehmerisches Denken – obwohl Rethmann immer wieder erzählt, was für Zufälle die Unternehmensgeschichte geprägt haben. Die große Strategie, der gewaltige Businessplan – die hat es nicht immer gegeben. Auch das beeindruckt.

Etwas beruhigend ist dann doch, dass auch bei Wirtschaftsgrößen wie der Rethmann-Gruppe noch ein paar Fragezeichen über der Zukunft stehen. Wie geht es mit Donald Trump weiter, was passiert nach dem Brexit, wohin führt die Rekommunalisierung?

Auch wie sich die Wirtschaftsregion Goslar weiterentwickelt, kann man nur schätzen. Uwe Schwenke de Wall macht aber deutlich, dass Potenzial vorhanden ist – die Region jedoch unter einem „unterentwickelten Selbstbewusstsein“ leide. Veranstaltungen wie das Unternehmerfrühstück von „Pro Goslar“ sollen daher auch weiterhin den Rahmen bieten, Netzwerke aufzubauen, Interessen zu vertreten und vor allem an einer positiven Grundeinstellung zu arbeiten.

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