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Vom einfachen Wachtmeister zum VW-Sicherheitschef

Michael Neuse (3. v. re.) zeigt den Audi Q 7 für rund 300.000 Euro. So einer parkt nicht jeden Tag vor der Schule.  Fotos: Stumpf

Michael Neuse (3. v. re.) zeigt den Audi Q 7 für rund 300.000 Euro. So einer parkt nicht jeden Tag vor der Schule. Fotos: Stumpf

Clausthal-Zellerfeld. Berufsorientierung als „Mutaktion“ für Neuntklässler – zwei VW-Sicherheitsexperten aus dem Oberharz berichten über ihre spannende Karriere.

Von Beate Stumpf Freitag, 24.03.2017, 13:40 Uhr

„Berufsorientierung“ steht heute auf dem Lehrplan. Klingt öde – kann aber auch packend sein. In der Haupt- und Realschule (HRS) begrüßt Schulleiter Oliver Bollmann im Unterricht der 9. Klassen zwei Männer, die aus zwei Gründen auf Interesse stoßen: Beide sind ehemalige Clausthaler Realschüler, beide arbeiten heute in einem Beruf, der nicht alltäglich ist. Eine „Mutmachaktion“ soll dieser Tag sein, sagt Bollmann. „Ich will den Schülern zeigen, dass ihr Realschulabschluss die Basis für eine spannende Karriere werden kann.“ Motto: „Realschule in Clausthal-Zellerfeld grüßt den Rest der Welt.“

Michael Schmidt stammt aus Wildemann und ist heute Chief Security Officer (Leiter Konzernsicherheit) der Volkswagen AG, Michael Neuse kommt aus St. Andreasberg. Er arbeitet als Corporate Security bei VW für die Konzernsicherheit speziell im Personen- und Veranstaltungsschutz. Beide agieren in ihren Jobs weltweit.

Im Schulhof vor der Mensa parkt in der Sonne glänzend ihr Sonderschutzfahrzeug Audi Q7 Protect, Schutzklasse VR6 mit integrierter Panzerung und LED-Blaulicht, im Schulraum thront eine Drohne mit einem Durchmesser von 86 Zentimetern auf einem Tisch. Es ist ein Werkschutzkopter für Geländesicherung. Das Ding saust mit 60 Km/h durch die Luft und hat eine Reichweite von 40 Kilometern. „Anschauungsmaterial“, grinst Michael Schmidt. Er weiß, wie das bei jungen Leuten ankommt. Drohne und Auto werden ausführlichst bestaunt. „Klasse Teile“, heißt es.

Los geht´s mit einer Präsentation zur Unternehmensphilosophie „Sicherheit“ bei der Volkswagen AG mit seinen über 600.000 Mitarbeitern die ganze Welt umfassend.

Objekt-, Personen- und Veranstaltungsschutz gehören dazu, auch Krisenmanagement und Know-how-Schutz für Prototypen. Ein großer Bereich nimmt die Ermittlungsarbeit und das Reisemonotoring für Auslandtrips der Mitarbeiter ein. Besondere Verhaltensregeln für besondere Länder sind Alltag, deshalb auch Kontrollen der Aufenthaltsorte außerhalb von Hotels. „Wenn irgendwo ein Flugzeug abstürzt, bekommen wir in drei Minuten Meldung, ob VW-Mitarbeiter da drin sitzen.“

Schmidt und Neuse erzählen ohne Berührungsängste, lebendig und bildhaft. Die jungen Leute hören gespannt hin bei Erzählungen über „Express-Kipnapping“ von VW-Leuten in Mexiko. „Einmal ins falsche Taxi gestiegen, und schon ist es passiert.“

Schmidt weiß, was dann zu tun ist: „Auf gar keinen Fall sich wehren.“ Sie verfolgen aufmerksam Bilder einer Videokamera des Werkschutzes in einem VW-Werk in Brasilien, wo eine Bande einen Tresor in die Luft sprengt. „Brasilien ist ein gefährliches Land. Dort ist unser Sicherheitsdienst sogar bewaffnet.“

Schmidt und Neuse kommen aus dem Polizeidienst. „Ich war mal einfacher Wachtmeister“, sagt der 55-jährige Schmidt – und zeigt grinsend seine erste handschriftliche Bewerbung direkt nach der Schule. Sein Realschulabschlusszeugnis war übrigens nicht das Beste. Die Lacher sind ihm da sicher. „Aber man kann sich immer weiter bilden und hocharbeiten.“

Kurz erklären die beiden Herren Berufe und mögliche Karrieren in der Sicherheitsbranche. Und dann endlich dürfen alle zum genauen Hingucken auf den Hof, wo das „Panzerfahrzeug“ wartet. „Nice“, meinen Aylin, Lisa und Chiara anerkennend. Und ein junger Mann ruft „Dankeschön!“ den beiden Oberharzern zu.

Schulleiter Oliver Bollmann ist fasziniert von dem Werkschutzkopter, der von VW bei der Geländesicherung eingesetzt wird.

Schulleiter Oliver Bollmann ist fasziniert von dem Werkschutzkopter, der von VW bei der Geländesicherung eingesetzt wird.

Sicherheitschef Michael Schmidt

Sicherheitschef Michael Schmidt

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