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Vom Kuhstall zum Burgsaal – in fünf Jahren

Blick in die neue Vienenburger Versammlungsstätte: einst Kuhstall, nun Burgsaal. Die Betriebsgenehmigung liegt vor, Interessierte können ihn für Feiern und Veranstaltungen anmieten. Fotos: Gereke

Blick in die neue Vienenburger Versammlungsstätte: einst Kuhstall, nun Burgsaal. Die Betriebsgenehmigung liegt vor, Interessierte können ihn für Feiern und Veranstaltungen anmieten. Fotos: Gereke

Vienenburg. Wenn heute Abend der Neujahrsempfang im Burgsaal eröffnet wird, dann ist das für Vienenburg ein besonderer Moment – es ist die erste öffentliche Veranstaltung nach Erteilung der Betriebserlaubnis in dem zur Versammlungsstätte umgebauten ehemaligen Kuhstall der Burg. Damit gibt es in der Ortschaft nun wieder einen großen Saal, nachdem der alte mit Sperrung und Abriss der Stadthalle verloren gegangen war. Bis zu diesem Moment war es ein steiniger Weg: Viele Hindernisse galt es für die Projektentwickler beim Umbau aus dem Weg zu räumen, von der Erteilung der Baugenehmigung bis heute dauerte es rund fünf Jahre.

Von Andreas Gereke Donnerstag, 11.01.2018, 17:50 Uhr

Vienenburg. Wenn heute Abend der Neujahrsempfang im Burgsaal eröffnet wird, dann ist das für Vienenburg ein besonderer Moment – es ist die erste öffentliche Veranstaltung nach Erteilung der Betriebserlaubnis in dem zur Versammlungsstätte umgebauten ehemaligen Kuhstall der Burg. Damit gibt es in der Ortschaft nun wieder einen großen Saal, nachdem der alte mit Sperrung und Abriss der Stadthalle verloren gegangen war. Bis zu diesem Moment war es ein steiniger Weg: Viele Hindernisse galt es für die Projektentwickler beim Umbau aus dem Weg zu räumen, von der Erteilung der Baugenehmigung bis heute dauerte es rund fünf Jahre.

Im Frühsommer 2012 machte das Vienenburg-Team, so bezeichnen sich die Besitzer des historischen Teils der Vienenburg, seine Pläne öffentlich, den alten Kuhstall des Vienenburger Wahrzeichens zu einer Veranstaltungsstätte umzubauen. Was folgte, verlangte Durchhaltevermögen wie bei einem Marathonlauf, um die notwendigen Genehmigungen zu bekommen. Allein anderthalb Jahre hatte es gedauert, um für den Kuhstall eine Nutzungsänderung hinzubekommen.

„Im Genehmigungsverfahren hätte man es auch – vorsichtig formuliert – leichter haben können. Von der Vienenburger Verwaltung und aus dem Ort haben wir große Unterstützung erfahren, aber an den damals zuständigen Stellen spürten wir eher eine Abwehrhaltung“, schilderte Ulrich Frings vom Vienenburg-Team im Februar 2014. Dabei hatte das Team gehofft, dass die Sanierung des Burgfrieds so etwas wie eine Visitenkarte war, die das Gedankengut des Teams vermittelt – und das immer vor dem Hintergrund, dass Denkmalschutz auf der Burg nicht immer groß geschrieben wurde, wie Verfall und Abriss der Stallungen und anschließender Neubau der Sozialwohnungen auf historischem Grund zeigten.

Es waren so einige Auflagen, die Frings damals den Kopf schütteln ließen. Für die Veranstaltungsstätte gilt es, auf dem Burggelände Parkplätze vorzuhalten. Sie mussten mit einer zwei Meter hohen Schallschutzwand zu dem Anfang der 1990er Jahre errichteten Wohnungstrakt im modernen Stil abgegrenzt werden. „Als Muster diente eine Autobahnschallschutzwand. Da wird man doch verrückt“, erzählte Frings. Oder die Genehmigung als Versammlungsstätte. Das Vienenburg-Team wollte eine für einen Saal, der bestuhlt weniger als 200Plätze aufweist. Seitens der Genehmigungsbehörde, dem Landkreis Goslar, hieß es, man müsse sich nach den Vorschriften richten. Aufgrund der vorhandenen Quadratmeterzahl im Raum war deshalb eine Personenzahl von 600 anzunehmen.

„Damit bewegten wir uns in einer komplett anderen Kategorie: Die Anzahl der Parkplätze reichte nicht mehr aus, es musste ein zusätzliches Schallschutzgutachten her, es galt andere Brandschutzauflagen zu erfüllen“, erzählte Frings damals. Seitens der Genehmigungsbehörde, dem Landkreis, hieß es, dass die Versammlungsstättenverordnung zwingend vorschreibe, dass die zulässige Personenzahl für einen Saal nach der Fläche berechnet werden müsse. Bedeutete – für einen Saal gilt die Formel: Pro Quadratmeter sind ein Sitzplatz oder zwei Stehplätze anzunehmen.

Die Folge des Ganzen waren zwischenzeitlich große Zweifel am Projekt – in 2014 fiel dann doch die Entscheidung, das Werk zu vollenden. Ein „Sozialgeschenk“ an den Ort, wie es Frings seinerzeit nannte. Was folgte, waren neue Probleme. Vor allem die Brandschutzauflagen samt komplexer Elektrik machten dem Vienenburg-Team nun zu schaffen. „Das war etwas, was wir unterschätzt hatten“, räumt Marlene Richter vom Team ein. „Ursprünglich hatten wir mal die Idee, den Dachstuhl über dem Kuhstall als Atelier zu nutzen. Das ist aber gar nicht mehr möglich, denn der ist mittlerweile ein reiner Technikraum. Leitungen, Absaugkanäle – alles verläuft über den Boden. Zu allem Überfluss sprang mitten in der Umbauphase auch noch der Fachplaner ab. Folge: Die Fertigstellung zog sich Monat um Monat hin. Erst Mitte vergangenen Jahres war endlich Licht am Ende des Tunnels zu sehen – die notwendigen Genehmigungen in Sichtweite, die dann zum Jahresende auch kamen. Einher ging mit dem Umbau auch die Neugestaltung des Burghofs samt Sanierung der Burgmauer.

Die sich immer mehr in die Länge ziehende Bauzeit verteuerte auch das Projekt. Ursprünglich hatte das Team gehofft, mit Umbaukosten von einer halben Million Euro hinzukommen. 2014 kalkulierte Frings dann schon mit einer knappen Million Euro – schlussendlich dürften es sogar noch mehr gewesen sein. Fördergelder flossen nicht für das Vorhaben. Die einzigen öffentlichen Mittel waren jetzt die 30.000 Euro für die Erstausstattung des Kuhstalls, dessen offizielle Bezeichnung nun Burgsaal ist und der ab sofort angemietet werden kann. Laut Vereinbarung mit der Stadt Goslar kommen Vienenburger dabei in den Genuss von Sonderkonditionen. Und auch der Stadt selbst stehen zehn Jahre lang pro Jahr zehn kostenfreie Veranstaltungen zu.

Der Saal bietet rund 325 Quadratmeter Fläche. Die größtmögliche Besucherzahl für bestuhlte Veranstaltung ist 200, werden nur Stehplätze angeboten, passen 520 Gäste hinein. Der Saal soll nun ein Veranstaltungsort für vielfältige Musik-, Literatur- und Vereinsveranstaltungen sowie ein Ort für Familienfeiern sein. 

Die Entscheidung, den Umbau fertigzustellen, würde Marlene Richter auf jeden Fall noch mal treffen. „Wir wohnen ja auch hier auf der Burg und hätten ansonsten immer den unvollendeten Bau vor Augen gehabt“, sagt sie. Aber hätte das Team das Projekt in Angriff genommen, wenn es vorher geahnt hätte, welche Probleme aufkommen würden? Ulrich Frings’ Antwort fällt knapp aus: „Nein“.

Zum Umbau des Kuhstalls gehörte auch die Sanierung der Burgmauer. Weil in diesem Bereich einst Stallungen waren, war die Mauer weiß gekalkt.

Zum Umbau des Kuhstalls gehörte auch die Sanierung der Burgmauer. Weil in diesem Bereich einst Stallungen waren, war die Mauer weiß gekalkt.

...das Areal davor vor Beginn der Umbauarbeiten ausgesehen haben.

...das Areal davor vor Beginn der Umbauarbeiten ausgesehen haben.

Die beiden Bilder zeigen, wie der Kuhstall auf der Vienenburg und...

Die beiden Bilder zeigen, wie der Kuhstall auf der Vienenburg und...

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