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Viele Fragen zur Waschbär-Invasion

<p>Beantworteten Fragen zum Waschbären: Erste Kreisrätin Regine Körner (vorn) mit Kreisveterinär Wolfgang Naumann, dem Wildbiologen Dr. Egbert Strauß, Hegeringleiter Hubertus Finsterwalder, Ministeriumsmitarbeiter Uwe Oltrogge und Hans Hesse, Vorsitzender der Jägerschaft Goslar (v. li.). Foto: Stade</p>

<p>Beantworteten Fragen zum Waschbären: Erste Kreisrätin Regine Körner (vorn) mit Kreisveterinär Wolfgang Naumann, dem Wildbiologen Dr. Egbert Strauß, Hegeringleiter Hubertus Finsterwalder, Ministeriumsmitarbeiter Uwe Oltrogge und Hans Hesse, Vorsitzender der Jägerschaft Goslar (v. li.). Foto: Stade</p>

Goslar/Harz. Seit etwa zehn Jahren breitet sich der in den 1930er Jahren in Deutschland ausgewilderte Waschbär im Harz geradezu explosionsartig aus. Einen sicheren Hinweis darauf liefern die wachsenden Jagdstrecken, der von Jägern erlegten Tiere.

Von Oliver Stade Freitag, 15.09.2017, 16:21 Uhr

Goslar/Harz. Seit etwa zehn Jahren breitet sich der in den 1930er Jahren in Deutschland ausgewilderte Waschbär im Harz geradezu explosionsartig aus. Einen sicheren Hinweis darauf liefern die wachsenden Jagdstrecken, der von Jägern erlegten Tiere.

Das Problem ist: Der Waschbär hat kaum natürliche Feinde, er räubert Nester auch von geschützten und bedrohten Vögeln aus und drängt heimische Arten, darunter die äußerst seltene Europäische Sumpfschildkröte, an den Rand ihrer Existenz. Eindringlich schilderte der Wildbiologe Dr. Egbert Strauß von der Tierärztlichen Hochschule die Folgen der invasionsartigen Verbreitung, die Schäden an Häusern einschließt, in die sich der Waschbär gerne einnistet. Zudem steige die Gefahr der Übertragung von Krankheiten.

In einer Podiumsdiskussion hat die Jägerschaft Goslar die Schwierigkeiten mit invasiven Arten, zu denen etwa auch der Marderhund und der Ochsenfrosch gehören, von vielen Seiten beleuchtet. Rund50 Besucher waren zu der Veranstaltung in den „Lindenhof“ gekommen.

Strauß sprach von einem „europäischen Problem“. Die EU gebe jedes Jahr Milliarden für die Bekämpfung invasiver Arten aus, weil sie Ökosysteme verändern, die Artenvielfalt bedrohen, Landschaften zerstören und Krankheiten übertragen. Doch oftmals mangele es an der Umsetzung. Zuständig seien die Länder. Die aber würden das Problem, Strauß sprach vom „Schwarzen Peter“, von einer Behörde zur nächsten weiterreichen, so etwa an die Landkreise. Die seien mit dem Ordnungsamt und dem Veterinäramt zwar für Teilfragen zuständig, aber nicht jagdberechtigt, wie Erste Kreisrätin Regine Körner sagte. Sie stellte aber während der Diskussion, in der Publikumsfragen beantwortet wurden, in Aussicht, bei der Beschaffung von Waschbärfallen zu helfen, wenn es gewünscht werde.

Zuverlässig landet das Thema bei den Jägern. Es vergehe nicht eine Woche ohne einen Anruf in Sachen Waschbär, berichtete Hans Hesse, Vorsitzender der Jägerschaft Goslar.

Einer, der regelmäßig mit Waschbären zu tun hat, ist Hubertus Finsterwalder. Der Hegeringleiter aus Braunlage wird zu Hilfe gerufen, wenn jemand am Haus oder im Garten ein Problem mit zudringlichen Waschbären hat. Finsterwalder stellt eine Falle mit Rosinen auf, wartet einige Tage, bis ein Waschbär hineingetapst ist, dann nimmt er die Falle mit dem Raubtier in den Wald. Der Jäger lässt sich nur An- und Abfahrt bezahlen. Hin und wieder gibt es Anrufer, die ihren Auftrag zurücknehmen, wenn sie erfahren, dass Finsterwalder das gefangene Tier im Wald keineswegs freilässt. Hausbesitzer dürfen zwar selbst eine Falle aufstellen, das Tier aber nicht töten. Darauf wies Uwe Oltrogge hin, Mitarbeiter aus dem Landwirtschaftsministerium in Hannover.

Was empfiehlt Waschbär- und Wildtierexperte Strauß? Die Waschbären auszurotten, das wolle niemand, schon gar nicht im tierschutzfreundlichen Deutschland. Durch intensive Jagd solle die Verbreitung aber eingedämmt werden. So bleibt das Thema bei den Jägern, die sich über Hilfe der Behörden freuen.

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