Viel Mitgefühl für vergiftete Kühe
Bereits mehrfach haben sich laut Daniel Morick nach dem Tod der vier Kühe Menschen bei ihm gemeldet, die Interesse bekundet haben, ihm finanziell zu helfen. Foto: Düber
Lautenthal/Langelsheim. Die Resonanz auf den Tod von vier Rindern der Rasse Harzer Rotes Höhenvieh bei Lautenthal ist groß: Nicht nur in den sozialen Medien schlug die Nachricht Wellen, auch mehrere Leser meldeten sich bei der GZ. Einer von ihnen ist Josef Spahn aus Langelsheim, erster Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Rotes Höhenvieh.
Wie er berichtet, ist das Mitgefühl auch außerhalb der Region da: Aus der ganzen Bundesrepublik hätten sich bei ihm Züchter gemeldet, die durch die Nachricht betroffen seien, sagt er. Gerade dadurch, dass das Harzer Höhenvieh eine bedrohte Art ist, sei die Anteilnahme sehr groß.
Dass Abfälle unerlaubt im Wald und in Nähe zu Tierweiden entsorgt werden, sei ohnehin ein großes Problem: Er erlebe es immer wieder, dass Menschen nicht nur Gartenabfälle, sondern auch Müll an den Weiden abladen, ohne sich um das Wohl der Tiere zu kümmern. „Und unsere Haustiere verenden elendig daran“, beklagt er.
Daniel Morick und Diana Bock hatten am Montag nach dem Fund der vierten toten Kuh ähnliche Probleme beklagt. Generell hätten sie damit zu kämpfen, dass Menschen einfach Abfälle in der Natur ganz in der Nähe der Tiere entsorgen. „Wir haben sogar schon mal einen alten Kinderwagen gefunden“, meinte Bock. In dieser Woche hatten sie auch wieder Zierpflanzen nahe der Kuhweide entdeckt, Unbekannte hatten Oleanderzweige, die ebenfalls giftig sind, abgelegt.
Um in Zukunft zu verhindern, dass Unbefugte die Fläche an den Weiden betreten, wurde die Zufahrt mittlerweile von einer Barke abgetrennt. Die Nachricht vom Tod der Kühe und dem Schaden, den Morick dadurch hat, ruft aber in vielen Menschen auch Hilfsbereitschaft hervor, wie Morick erfreut berichtet: Schon mehrere Leute seien in den vergangenen Tagen an ihn herangetreten und hätten sich nach Spendenmöglichkeiten erkundigt, um so vielleicht den Ersatz der Tiere zu finanzieren. Ein Dank geht von seiner Seite auch an den Tierarzt, Dr. Martin Linde, und an die Polizei, die sich „mächtig reinhängt.“
Moricks Idee wäre es jetzt aber, einen Förderverein ins Leben zu rufen. Das hat einen bestimmten Grund: Mit einem solchen Verein könnte nicht nur ihm, sondern auch vielen anderen Landwirten in ähnlichen Situationen geholfen werden. Gerade für kleinere Betriebe, in denen die Menschen mit Herzblut dabei seien, könne ein entsprechender Förderverein in Notfällen eine Unterstützung sein. Seine Idee wäre es erst einmal, den Verein auf den Harz und das nördliche Harzvorland zu beschränken. „Später könnte man das sicher noch ausweiten“, überlegt er.
Wer sich ebenfalls zu Spendenmöglichkeiten erkundigen will, die Daniel Morick und dem Erhalt seiner Rinderherde zugute kommen sollen, kann eine entsprechende E-Mail an info@harzrind.de schicken.
Ob Gartenabfälle oder regulärer Müll, für die Tiere kann es allemal gefährlich werden. „Es gibt viele Gründe, warum man keine Gartenabfälle abladen sollte. Aber aus der Sicht eines Tierarztes kann ich sagen, dass gerade Heckenpflanzen für Weidevieh gefährlich sind“, sagt Dr. Jürgen Hartmann, Amtstierarzt des Landkreises Goslar.
Besonders giftig sei dabei eben die Eibe, die auch die Todesursache der vier Kühe in Lautenthal war.
Dr. Martin Linde, der in dieser Woche die von der Vergiftung betroffene Herde behandelte, nennt weitere gefährliche Pflanzen, darunter Lebensbäume, die Vogelbeere, Jakobskreuzkraut oder auch die Herbstzeitlose. Auch Hausmüll könne besonders für Rinder gefährlich sein, da diese weniger selektiv fressen als Pferde und dadurch eher Fremdkörper zu sich nehmen. Fremde Tiere solle man ohnehin grundsätzlich nicht füttern, meint Linde. Das gelte nicht nur für Gartenabfälle, sondern auch für Rasenschnitt und Brötchen, die Koliken hervorrufen können. Der Grundsatz sei: Nur der Besitzer kümmert sich um die Tiere.