Verstärkung für Hilfe in Notsituationen
Die neuen Mitglieder des Kriseninterventionsteams mit Leiter Christian Lenz (re.) und Landrat Thomas Brych (2. v. re.). Foto: Leifeld
Goslar. Es reicht ein kleiner Augenblick, um das Leben für immer zu verändern. Wann immer Menschen nach einem Unglück mit dem Tod des Partners, eines Familienangehörigen oder Freunden konfrontiert werden, ist das Kriseninterventionsteam (Kit) im Landkreis Goslar zur Stelle. Das zwölfköpfige Team wurde um weitere zwölf Kräfte verstärkt.
Grund sind aber nicht etwa vermehrte Krisensituationen und schwere Unfälle. Vielmehr ist die Gruppe seit ihrer Gründung im Jahr 2014 bekannter geworden und wird vielfach angefordert, wie Initiator Christian Lenz am Mittwochvormittag in der Kreisverwaltung Goslar erklärte.
Die Nachfrage bleibt steigend, die Aufgabe erfordert viel Einfühlungsvermögen. Dazu gehört es, bei Unfällen und anderen Krisen, Todesnachrichten zu überbringen und Rettungs- sowie Einsatzkräfte und Unfallopfer zu betreuen. Die Tätigkeit setzt mentale Stärke und Reife voraus.
Landrat Thomas Brych überreichte den neuen Kräften im Kreishaus die Ausbildungsurkunden und die neue Ausstattung, gut erkennbare lila Einsatzjacken.
Die zwölf Frauen und Männer haben seit August 2017 die siebenmonatige, inhaltlich sehr umfangreiche, nebenberufliche Ausbildung absolviert, die 82 Unterrichtseinheiten umfasst. Von sofort an werden sie im Einsatzfall zunächst bei ihren erfahrenen Mitstreitern hospitieren. Vom Juni an werden sie dann eingenverantwortlich Einsätze bestreiten.
Das Kit wird gefördert, unterstützt und getragen von den Kreiswirtschaftsbetrieben (KWB) und dem Landkreis Goslar, die sich die Kosten für die Ausbildung in Höhe von rund 8000 Euro teilen.
Seit 2014 ist das Team um Leiter und Initiator Christian Lenz im Kreisgebiet im Einsatz – mit steigender Nachfrage. Das Team wurde im ersten Jahr zu 76 Einsätzen gerufen, im vergangenen Jahr waren es mit 150 etwa doppelt so viele.
Die Bewerber müssen ein besonderes Auswahlverfahren durchlaufen. Dennoch seien Bereitschaft und Nachfrage hoch, im Kit-Team mitzuwirken, so Lenz. Immer gebe es Anfragen.
Dabei haben keineswegs alle Einsatzkräfte ihre Wurzeln im Rettungswesen: Auch handwerkliche Berufe oder gar eine Rechtsanwältin sind in der Gruppe vertreten, berichtete Christian Lenz, der Rettungssanitäter im Hauptberuf ist.
Über die Feuerwehr Peine absolvierte der 52-Jährige vor Jahren seine Ausbildung zum Krisenhelfer und brachte die Kit-Idee mit in den Harz. Im Landkreis Goslar ist das Kriseninterventionsteam in der weiten Region einzigartig.