Unverständnis über Freibad-Planung in Hohegeiß
Bei den Einheimischen beliebt und bei den Gästen die Attraktion des Bergdorfs: Das Hohegeißer Waldschwimmbad soll nicht umsonst in den nächsten Jahren saniert und modernisiert werden. Fotos: Eggers
Hohegeiß. In einer Informationsveranstaltung des Ortsausschusses haben die Hohegeißer am Donnerstagabend ihren Unmut über die derzeitige Freibad-Planung Luft gemacht. Dazu passt, dass Ratsvorsitzender Karl-Herbert Düker (CDU) in der Sitzung angekündigt hat, dass der Ausschuss für Bau, Verkehr, Wirtschaft und Tourismus in seiner Sitzung am Montag nicht über das Thema Freibad sprechen wolle. „Wir haben in der interfraktionellen Sitzung beschlossen, diesen Punkt nicht zu beraten“, erklärte er.
Grund für die geplante Verschiebung der Ratsmitglieder sei, dass die Verwaltung noch nicht alle Zahlen ermittelt habe, die für eine Entscheidung relevant seien. So fehlten beispielsweise die genauen Investitionskosten der jeweiligen Varianten. Zu Beginn des Jahres, als es noch vier Varianten gab, lagen de Kosten zwischen 1,14 und 1,78 Millionen Euro.
Düker betonte aber, dass der Rat die Hohegeißer Mehrheit unterstützen wolle. Die hatte sich bereits in einer Bürgerversammlung im Februar dafür ausgesprochen, das Bad so wie es ist, zu modernisieren und etwas aufzuhübschen. Keinesfalls sollten Becken zurückgebaut oder verkleinert werden.
„Seit dem hatte die Verwaltung ausreichend Zeit, diese Punkte zu planen“, betonte Lothar Meyer, der Vorsitzende des Ortsausschusses. Doch passiert sei offenkundig nicht viel, zumal die Rathaus-Mitarbeiter eine weitere Variante ins Spiel gebracht hätten, bei der die Becken zusammengelegt werden und deren Planung bestimmt noch einmal um die 20.000 Euro gekostet habe. „Und diese Planung gefällt uns überhaupt nicht“, sagte Meyer.
Abstand ist wichtig: In der Sitzung des Ortsausschusses nimmt Vorsitzender Lothar Meyer (Mitte) die Zahlen des Freibades unter die Lupe.
Meyer nahm in der Sitzung auch noch einmal die Zahlen unter die Lupe, die er eigenen Angaben zufolge über Ratsmitglieder bekommen hat. So würde die Stadtverwaltung „behaupten“, die Betriebskosten bei der von den Hohegeißern favorisierten Lösung seien zu hoch. „Aber was ist denn da hoch?“, fragte er. Größter Posten seien die Personalkosten mit mehr als 100.000 Euro und die sonstigen Kosten mit 60.000 bis 70.000 Euro.
Die Energiekosten würden sich hingegen in Grenzen halten. Laut Meyer liegen die Stromkosten bei um die 20.000 Euro und könnten mit Solarstrom aus Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach des Schwimmbad-Gebäudes um 30 bis 40 Prozent reduziert werden. Für Gas würde die Stadt 10.000 Euro zahlen und für die Chemikalien, mit denen das Wasser gereinigt werde, 2500 bis 3000 Euro.
Laut Meyer könnten die Personalkosten stark reduziert werden, wenn die Becken mit Folie ausgelegt würden. „Dann müssten die Fliesen nicht mehr regelmäßig erneuert werden“, sagte er. Hauptfaktor für die Lohnkosten seien nämlich die Reparaturen an den Becken im Vorfeld der Badesaison. So hieß es in der Sitzung, dass allein fünf Mitarbeiter der Städtischen Betriebe einen Monat lang damit beschäftigt seien, die im Winter abgeplatzten Fliesen wieder an den Becken zu befestigen.
Der Kauf der neuen Fliesen und die Erneuerung von anderen defekten Dingen am Waldschwimmbad würden sich unter der Stelle „sonstige Kosten“ verbergen. Ein wenig könnte zudem an der Einnahmeseite gedreht werden. Die Stadt nehme derzeit 2,50 Euro Eintritt pro Person und Tag, beziehungsweise 1,50 Euro von den Urlaubern mit Gästekarte. Weiter erziele sie im Kiosk mit dem Verkauf beispielsweise von Eis und Pommes Einnahmen von 95.000 Euro im Jahr, erklärte der Ortsausschuss-Vorsitzende.
In der Sitzung waren auch einige Ratsmitglieder anwesend, die diese Thesen Meyers nicht anzweifelten. Der Rat will bis 15. Oktober einen Beschluss zur Modernisierung und Sanierung des Freibades herbeiführen, denn an diesem Tag endet laut Matthias Lange vom Büro „Mensch und Region“, das für die Stadt das Projekt Harzer Klosterdörfer betreut, die Frist, um Fördergeld für die Investition aus diesem Topf zu beantragen.