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Tausende Zwangsarbeiter lebten im Harz

Auch beim Bau der Eckertalsperre, ein „kriegswichtiger“ Bau, waren Zwangsarbeiter eingesetzt.  Archivfoto: Privat

Auch beim Bau der Eckertalsperre, ein „kriegswichtiger“ Bau, waren Zwangsarbeiter eingesetzt. Archivfoto: Privat

Bad Harzburg. Jedes kleine Dorf im Harz hatte seine Zwangsarbeiter – Dr. Friedhart Knolle vom Verein Spurensuche Harzregion machte in seinem Vortrag deutlich, dass Zwangsarbeit und der Einsatz von Kriegsgefangenen auch in der unmittelbaren kurstädtischen Nachbarschaft an der Tagesordnung waren. Geladen hatte der Harzburger Geschichtsverein in die Wandelhalle, die Resonanz war groß.

Von Mario Steigleder Mittwoch, 20.02.2019, 14:57 Uhr

„Das Thema hat Verwundungen ausgelöst“, leitete Knolle ein, nahm damit Bezug auf den Umgang der Deutschen mit der Zeit des Nationalsozialismus. Es gebe aber Veränderungen: Verdrängten früher die Beteiligten das erlebte Geschehen der 1930 und -40er Jahre, verspüre er heute eine große Offenheit dem Thema gegenüber. Bester Beweis: Im Anschluss an den Vortrag Knolles kamen die Gäste zu Wort, mal kürzer, mal etwas zu lang. Sie alle aber schilderten als Augenzeugen, wie italienische und russische Kriegsgefangene in der Nachbarschaft lebten, wie deren Unterkünfte aussahen, Bad Harzburger Gymnasiasten wurden auf einem Foto von Flak-Helfern erkannt.

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Doch zurück zum Vortrag: Ob nun Schlachter, Bäcker, Bergbau, Chemie oder Hütte – es gab laut Knolle auch im Harz kaum einen Betrieb, in dem keine Zwangsarbeiter tätig waren. In jedem Forstamt etwa waren diese Männer beschäftigt und füllten die Lücken aus, welche die deutschen Arbeiter hinterlassen hatten, die an der Front „verheizt“ wurden. Allein in Seesen waren über 2000 Zwangsarbeiter eingesetzt, hunderte in den Bad Harzburger Ortsteilen.

Knolle zeigte Fotos und Postkarten von Zwangsarbeitern – alles geschönt und zensiert von den Nazis. Die Wahrheit sah anders aus, der Historiker berichtete von bewaffneten Wachen in den Arbeitslagern, die ohne Warnung auf Fliehende schossen. Die Menschen, aus allen Teilen des besetzten Gebietes in den Harz geordert, starben an Unterernährung, begingen Selbstmord, klagten über Arbeitsunfälle. Besonders „russische“ Gefangene – also Zwangsarbeiter aus der damaligen Sowjetunion – hatten unter dem grausamen Joch der Nationalsozialisten zu leiden, auf Umgang mit Deutschen, vor allem mit deutschen Frauen, stand die Todesstrafe.

Besonderes Augenmerk richtete Knolle auf die Eckertalsperre. Der Bau der Staumauer wurde Anfang der 1940er Jahre realisiert und war als „kriegswichtiger“ Bau eingestuft – das Wasser wurde für die VW-Werke benötigt. Auch hier waren über 360 Kriegsgefangene eingesetzt, ein Lager war nur fünf Minuten Fußmarsch von der Baustelle entfernt errichtet.

Noch nach dem Zweiten Weltkrieg hieß es in Berichten, dass nur „deutsche“ Arbeiter beim Bau der Eckertalsperre eingesetzt wurden, zu oft hieß es: „Wir wussten von nichts.“. Ein weiteres Zeugnis dafür, dass die nationalsozialistische Zensur ihre Wirkung erfüllt hat. Aber ob nun Radautal, Bündheim, Westerode oder Harlingerode – überall lebten Zwangsarbeiter, wanderten durch die Dörfer zu ihrer Arbeitsstätte. Dass solche Vorgänge niemand mitbekommen hat, bezweifelt Knolle: „Das hat jeder gesehen.“

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