Synthomer steht vor Millionen-Geschäft
Synthomer hat seinen Standort in Langelsheim im Chemiepark im Innerstetal. Dort sind auch weitere Unternehmen wie Albemarle und Chemetall ansässig. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2017. Archivfoto: Rockwood
Langelsheim/Brüssel. Noch ist der Millionen-Deal nicht in trockenen Tüchern, aber die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Synthomer mit Hauptsitz in London und deutschen Firmenstandorten in Langelsheim, Marl und Worms will den Spezialchemikalien-Hersteller und US-amerikanischen Konkurrenten Omnova übernehmen. Im Gespräch ist eine Kaufsumme von rund725 Millionen Euro. Voraussetzung für die Realisierung der Übernahme-Pläne ist allerdings grünes Licht von der EU aus Brüssel.
Langelsheim/Brüssel. Noch ist der Millionen-Deal nicht in trockenen Tüchern, aber die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Synthomer mit Hauptsitz in London und deutschen Firmenstandorten in Langelsheim, Marl und Worms will den Spezialchemikalien-Hersteller und US-amerikanischen Konkurrenten Omnova übernehmen. Im Gespräch ist eine Kaufsumme von rund725 Millionen Euro. Voraussetzung für die Realisierung der Übernahme-Pläne ist allerdings grünes Licht von der EU aus Brüssel.
Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte angesichts der Marktmacht, die Synthomer durch das Geschäft erlangen würde, dem Geschäft unter einer Bedingung zugestimmt. Auflage für den Deal sei die Veräußerung einer Synthomer-Unternehmenssparte. Nach Auffassung der EU würde die Übernahme voraussichtlich zu höheren Preisen und Einbußen in Bezug auf die Auswahl an Produkten und die Qualität der Dienstleistungen für die Kunden führen. Denn sowohl Omnova als auch Synthomer produzieren Vinylpyridinlatex („VP-Latex“). Dieses chemische Produkt wird in erster Linie von Reifenherstellern verwendet, um sicherere und widerstandsfähigere Reifen für die Automobilindustrie zu liefern. „Diese Art Latex wird derzeit in Europa zwar ausschließlich von Synthomer und Omnova hergestellt, doch können wir den Zusammenschluss der beiden Unternehmen dennoch genehmigen, da sie zugesagt haben, die gesamte VP-Latex-Sparte von Synthomer zu veräußern, sodass im Interesse der Kunden der Wettbewerb auf dem Markt gewahrt bleibt“, heißt es von der Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission, Margrethe Vestager, in einer Mitteilung.
Um die Bedingung der EU zu erfüllen, arbeite ein Projekt-Team bei Synthomer an dem Verkauf der VP-Latex-Sparte und sei bereits weit vorangeschritten, heißt es am deutschen Synthomer-Hauptsitz in Marl auf GZ-Nachfrage. Deshalb gehe man davon aus, dass die EU dem Omnova-Deal noch in diesem Monat ohne weitere Auflagen zustimmen werde. Weitere Auskünfte zu der Veräußerung der Sparte seien derzeit nicht möglich. Doch der Verkauf der VP-Latex-Sparte werde keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Standort in Langelsheim mit rund 130 Mitarbeitern haben, heißt es aus Marl weiter.
Dennoch herrscht offenbar Verunsicherung in Langelsheim. Grund dafür ist ein Rahmensozialplan, der für die deutschen Synthomer-Standorte bekannt gegeben wurde. Der sei allerdings nicht unbedingt in Zusammenhang mit der geplanten Omnova-Übernahme, sondern mit den geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Chemiebranche zu sehen, erklärt eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage: „Es wird mit den Arbeitnehmervertretungen und Foren zusammengearbeitet, um die erforderlichen Entscheidungen zu treffen“ , sagt Sprecherin Claudia Harding.
Tatsächlich bewertet Synthomer die wirtschaftlichen Bedingungen in der Chemiebranche als Herausforderung. Das Gesamtunternehmen Synthomer hat 2019 einen Gewinnrückgang zu verzeichnen. Die am5. März veröffentlichten Geschäftszahlen weisen aus, dass der Gewinn des Gesamtunternehmens mit 2900 Mitarbeitern an 25 Standorten weltweit zum ersten Mal seit vier Jahren aufgrund von Umsatz- und Mengenrückgängen gesunken ist. Für das abgelaufene Jahr geht das Unternehmen von einem Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr von etwa 17 Prozent auf rund 114 Millionen Euro aus. Mit Blick auf die Zukunft rechnet Synthomer nicht mit einer Änderung des wirtschaftlichen Umfelds, da zusätzliche Unsicherheiten durch die möglichen Auswirkungen des Coronavirus entstehen, heißt es.
Die Übernahme von Omnova gilt als strategischer Schritt, die globale Präsenz vor allem in Nord-Amerika ausbauen und in Europa und Asien zu stärken. Das US-Unternehmen mit rund 1900 Beschäftigen hat Produktionsstandorte in USA, Frankreich, Portugal, Thailand und Indien. Durch den Omnova-Kauf könnte Synthomer seine weltweite Marktmacht enorm ausbauen.
Synthomer ist bereits einer der weltweit führenden Hersteller von Dispersionen und Spezialpolymeren. Die Unternehmensgruppe mit Zentrale in London hat einen Jahresumsatz von 1,45 Milliarden britische Pfund. „Im Konzernverbund nimmt Deutschland mit Standorten in Langelsheim, Marl und Worms mit rund 700 Mitarbeitern eine führende Rolle in Produktion, Forschung und Marketing für den europäischen Markt ein“, teilt das Unternehmen mit.