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Stubengalerie zeigt Grafiken und Bronzen von Markus Lüpertz

So sieht man sie selten: Noch sind alle Bilder „geerdet“. Der Zustand währt nicht lange: Nach einigen konzentrierten Stunden haben Galeristin Antje Stoetzel-Tiedt und Sohn Hendrik die Räume in eine Lüpertz-Etage verwandelt.  Fotos: Kempfer

So sieht man sie selten: Noch sind alle Bilder „geerdet“. Der Zustand währt nicht lange: Nach einigen konzentrierten Stunden haben Galeristin Antje Stoetzel-Tiedt und Sohn Hendrik die Räume in eine Lüpertz-Etage verwandelt. Fotos: Kempfer

Goslar. Montag feierten die Bilder von Markus Lüpertz eine Stehparty dort, wo zu den Vernissagen sonst Menschen dicht an dicht stehen und die Kunst feiern: Auf dem Boden der Galerieräume. Sie werden nach und nach von Sternzeichen, Totenschädeln (Tosca lässt grüßen) und kraftvollen Darstellungen von Mensch und Tier erobert. Galeristin Antje Stoetzel-Tiedt bereitet die Räume auf die Ausstellung „Mythen“ vor, die dort vom Wochenende, 22. August, bis zum 10. November gezeigt werden soll.

Montag, 17.08.2020, 16:34 Uhr

Unterstützung erhielt die Galeristin gestern von Sohn Hendrik (17) – zu zweit hängt es sich einfach besser. Vier Augen sehen mehr als zwei – insbesondere bei unebenen Wänden, die eine gerade Hängung von Bildern selbst zu einem kleinen Kunststück machen. Das ist der Galeristin allerdings schon viele Male gelungen. Einen Zollstock? „Benutzen wir sonst nie“, versichert sie – für die bereits gerahmten Bilder des Malerfürsten holte sie das Erbstück des Großvaters dann doch heraus: „A. Grashoff“ steht darauf – Alwin Grashoff hatte sich vor 48 Jahren mit dem Aufbau der Galerie einen Herzenswunsch erfüllt, in zwei Jahren wird 50-Jähriges gefeiert.

Umsetzung ins Dreidimensionale, hier der Wassermann als Bronze.

Umsetzung ins Dreidimensionale, hier der Wassermann als Bronze.

„Hoffentlich ohne Corona“, sagt seine Enkeltochter. Sie muss auch bei dieser Ausstellung wieder auf eine Vernissage verzichten; dafür soll es demnächst einen ganzen Tag mit „Mini-Führungen“ geben – Näheres wird noch bekannt gegeben.

Die Bilder, die im Raum mit Blick zum Garten gestern noch wie die Zinnsoldaten in Reih und Glied auf ihre Hängung warteten, sind Lüpertz’ Vorstellung der Sternzeichen, festgehalten in groben Holzschnittarbeiten. Eine Amphore deutet auf den Wassermann hin, auch der Bogen beim Schützen ist eindeutig – bei anderen Sternzeichen braucht der Betrachter etwas mehr Fantasie. Eine Frauengestalt auf sich allein gestellt? „Na, da steht ein kleines Mädchen ganz schüchtern...“ gibt die Galeristin Interpretationshilfe – klar, die Jungfrau! Ähnlich viel Vergnügen dürften die Besucher mit dem Entziffern haben; wobei die Größe der Galerie eine Auswahl notwendig machte.

Der Fokus dieser neuen Lüpertz-Ausstellung liegt eindeutig auf mythischen Themen. Die Arbeiten strotzen nur so vor Vitalität und Vanitas. Neben dem ausdrucksstarken Zyklus „Titanenschlacht“ und einer tiefgründigen Serie zu Arkadien finden sich unter anderem naturnahe trojanische Pferde – und Männermuskeln.

Markus Lüpertz’ Grafiken entstehen laut Stoetzel-Tiedt häufig als „Begleitung eines skulpturalen Projekts“. Die Stubengalerie zeigt sowohl die zwei- wie auch dreidimensionale Arbeiten. Mehrere von Lüpertz’ großen Skulpturen befinden sich im öffentlichen Raum, unter anderem „die Philosophin“ im Bundeskanzleramt, aber auch das Wilhelm-Busch-Denkmal in Wolfenbüttel. Die Stubengalerie an der Abzucht öffnet dienstags bis freitags von 11 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, samstags bis 17 Uhr, sonntags von 11bis 13 Uhr.

Zweidimensional: Kraftvolle Bewegungs- studien mit viel (Muskel-)Masse.

Zweidimensional: Kraftvolle Bewegungs- studien mit viel (Muskel-)Masse.

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