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Streit um neuen Wildschutzzaun

Inge Bach legt die Messlatte an den neuen Wildzaun an. Der zwei Meter lange Zollstock reicht trotz Schnees nicht ganz bis zur Oberkante.  Foto: Nöhr

Inge Bach legt die Messlatte an den neuen Wildzaun an. Der zwei Meter lange Zollstock reicht trotz Schnees nicht ganz bis zur Oberkante. Foto: Nöhr

Bad Harzburg. Der neue Zaun ist deutlich höher als sein Vorgänger. Anwohner der Straße Am Wildpark sind verärgert – über die Einfriedung am Wildtiergehege, aber vor allem über das Verhalten der Verwaltung.

Von Vanessa Nöhr Dienstag, 12.01.2016, 15:27 Uhr

Was war passiert? An einem Montag fand das Ehepaar Inge Bach und Albert Gereke ein Flugblatt in seinem Briefkasten, mit dem Hinweis, dass ab sofort der Wildzaun erneuert werde. „Ab sofort“ trifft den Nagel auf den Kopf, denn am selben Tag begannen die Arbeiten. Nachbarin Barbara von Birckhahn bekam den Zettel erst auf Nachfrage am nächsten Nachmittag.

Beide Parteien verreisten, und als sie zurückkamen, wartete eine böse Überraschung: ein zwei Meter hoher, feuerverzinkter Zaun, der ihre Gärten vom Wildgehege abgrenzt. Vorher hatten beide Grundstücke einen Maschendrahtzaun mit einem schrägen Aufsatz. Den durften die Anwohner in Rücksprache mit der Verwaltung entfernen. Es blieb ein Zaun von 1,50 bis 1,60 Meter Höhe.

Von Birckhahn versuchte noch von unterwegs, die Verwaltung zu überzeugen, den Zaunbau für die zwei Grundstücke auszusetzen, bis ein Kompromiss gefunden ist. „Ich wollte einen grün beschichteten Zaun. Da wusste ich noch nicht, dass der so hoch ist“, sagt die 71-Jährige. Die neue Einfriedung habe den „Charme eines Gefängniszauns“, pflichtet Bach ihr bei.

Von Birckhahn kontaktierte die Verwaltung, aber weder ihre Bitte um Aussetzung der Arbeiten fand Gehör, noch die Vorschläge zum Zaun – einige niedrigere, grüne Variante. „Es gab keine Begründung, warum es einen neuen Zaun gibt, keine Information, keine Chance auf Verhandlungen“, erzählt Bach.

Die Stadt widerspricht. Wie Bau- und Ordnungsamtsleiter Thomas Beckröge erklärt, läuft die Zaunerneuerung seit einigen Jahren und wird in Etappen fortgeführt. Jens Reichelt von der Tiefbauabteilung des Bau- und Ordnungsamts zeichnet verantwortlich für die Maßnahme. Er gibt zu: Die Zaunbaufirma habe sehr kurzfristig informiert. Allerdings stehe der Pächter des Geheges ständig in Kontakt mit den Anliegern. „Dadurch war nicht unbekannt, dass der Zaun weitergebaut wird.“

Er selbst habe im späten Frühjahr mit von Birckhahn gesprochen, als sie im Garten arbeitete. Die 71-Jährige sagt dazu: „Er hat sich nicht vorgestellt, und irgendwas von wegen Zaun erzählt. Das kann ich nicht als Information der Stadt ansehen.“Auf Nachfrage gibt Reichelt an, nicht mit jedem Anwohner gesprochen zu haben. „Ich habe daraus gelernt. Künftig werde ich alle einzeln anschreiben.“

Von Birckhahn und ihre Nachbarn waren bereit, die Mehrkosten für einen grünen und kleineren Zaun zu übernehmen. Reichelt erklärt: „Der feuerverzinkte Zaun ist erheblich günstiger.“ Er ist sich sicher: Diese Differenz hätten die Anwohner nicht übernommen. Die Zaunbaufirma bestätigt das auf GZ-Nachfrage. Die genaue Berechnung gestalte sich kompliziert, aber: „Das ist schon ein gewaltiger Preisunterschied.“

Beckröge fügt an, die Maßnahme sei so ausgeschrieben, das Material bestellt, dann müsse der Bau auch so durchgeführt werden. „Machen wir jedes Grundstück anders, werden wir ja nie fertig.“ Die Verwaltung habe Barbara von Birckhahn freigestellt, ihren Zaun grün zu lackieren. „Es ist nicht so, dass wir uns dem versagen“, so Reichelt.

Über die Höhe des Zauns lasse sich hingegen nicht diskutieren, stellt er klar. „Wir müssen unser Möglichstes tun, damit die Tiere den Zaun nicht überspringen können.“ Der sei nun maximal 20 Zentimeter höher als früher. Kam es vor, dass Anwohner Tiere in ihren Gärten hatten? „So jetzt noch nicht“, erklärt Beckröge. „Aber anderswo.“ Dem müsse man demnach vorbeugen. Reichelt hingegen sagt: „Es gab vereinzelt Fälle, dass Tiere außerhalb des Geheges gesehen wurden.“

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