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Besondere Berufe

Steinmetzmeisterin Jeanette Götze: „Wollte nicht nur die Tochter von so und so sein“

Steinmetzmeisterin Jeanette Götze präsentiert stolz einige Werke.  Foto: Eggers

Steinmetzmeisterin Jeanette Götze präsentiert stolz einige Werke. Foto: Eggers

Goslar. Harte körperliche Arbeit und Trauernden eine helfende Hand zu reichen, das sind die Aufgaben von Jeanette Götze (39). Nach ihrer Weiterbildung zur Steinmetzmeisterin hat sie den Familienbetrieb „Götze Grabmale“ 2007 von ihrem Vater übernommen.

Donnerstag, 27.12.2018, 14:32 Uhr

Der Betrieb wurde bereits 1931 in Oker von Jeanettes Urgroßvater gegründet. Seitdem haben sich nachfolgende Generationen als Steinmetze in Goslar einen Namen gemacht.

Als heutige Inhaberin arbeitet Jeanette Götze nicht nur im Büro oder mit den Kunden, sondern verbringt ebenso einen Großteil ihrer Zeit in der Werkstatt. Einen handwerklichen Beruf wollte sie schon im Kindesalter erlernen, und den Familienbetrieb übernehmen sowieso. Dabei spielte es für sie vorerst keine Rolle, in welchem handwerklichen Zweig dieser angesiedelt war: „Wir hätten jetzt auch eine Tischlerei haben können. Die hätte ich auch übernommen.“

Zu sehen, wie ihre Mutter hin und wieder emotional von den Geschichten der Trauernden berührt war, brachte sie als junges Mädchen zunächst weg von dem Berufsfeld ihrer Eltern. Dass ein Grabstein den Angehörigen bei der Verarbeitung des Verlustes helfen kann, kam ihr als Kind noch nicht in den Sinn. Anerkennung über den helfenden Aspekt ihrer Arbeit lernte sie in den ersten Arbeitsjahren dann doch zu schätzen.

Im Betrieb ihres Vaters hat die junge Frau nach dem Abitur ebenfalls ihre dreijährige Ausbildung absolviert, welche sie um ein Jahr hätte verkürzen können. Genau das wollte Jeanette aber nicht, da ihr dadurch interessante handwerkliche Inhalte, wie Bildhauerei, verloren gegangen wären. Ohne den Meistertitel konnte sie den Betrieb jedoch nicht übernehmen. Für die vollzeitige Weiterqualifizierung zog Jeanette 2005 für zehn Monate nach Königslutter.

Der Schritt zur Weiterbildung hatte aber noch weitere Gründe: „Ich wollte nicht nur die Tochter von so und so sein. Ich wollte, dass die Leute meine Kompetenz anerkennen.“ Nur so sei sie in der Lage, ihre Kunden optimal zu beraten. Darunter zählt auch, den Angehörigen zu erklären, was für ein Zeit- und Arbeitsaufwand hinter der Konstruktion eines Grabsteines steckt. Denn zuweilen gibt es Beschwerden über längere Wartezeiten. Negative Reaktionen auf ihre Berufswahl hat die Goslarer Steinmetzmeisterin bisher nicht erfahren. Sie hatte nicht das Gefühl, dass ihre Kompetenz in Frage gestellt wird, nur weil sie eine Frau ist. Einige Kunden seien jedoch erstaunt über die körperliche Arbeit, die sie leiste. Obwohl ein Teil der Fertigung von Maschinen übernommen wird, muss Jeanette trotzdem selbst Hand anlegen, zum Beispiel bei der Eingravierung der Schriftzüge auf den Grabsteinen. Jede Maschine muss von Hand geführt werden. Dazu gehören ebenso plastische Arbeiten am Stein, wie auch das In-Form-Schlagen eines solchen.

Eben, weil Sie eine Frau sei, ist ein junges Mädchen nach dem Tod ihrer Mutter zu ihr gekommen. Das Mädchen glaubte, von einer Frau besser verstanden und beraten werden zu können.

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