Stadt verliert zwei Traditionsgeschäfte
Noch bis einschließlich 16. Mai bietet die Buchhandlung Hoffmann einen Räumungsverkauf an – Kunden müssen wegen des Corona-Virus aber mit längeren Wartezeiten vor dem Geschäft rechnen. Fotos: Exner
Bad Harzburg. Gerade haben viele Geschäfte nach der Corona-Zwangsschließung wieder ihre Türen geöffnet, da brechen für zwei Bad Harzburger Traditionsgeschäfte die letzten Tage an. Nach 40 Jahren schließt am Mittwoch (22. April) das „Blumenparadies Abutilon“ in der Herzog-Wilhelm-Straße, für die mehr als 100 Jahre alte Buchhandlung Hoffmann gegenüber des Jungbrunnens ist am 16. Mai Schluss.
Beide Geschäftsaufgaben haben nichts mit dem Corona-Virus zu tun, sie hätten sich laut der Inhaber schon längerfristig angedeutet. „Es wird zwar noch viel gelesen, seine Bücher kauft ein großer Teil der Kunden heute aber im Internet. Unser eigener Internetversand kann das nicht auffangen“, sagt Jennifer Vogs, Inhaberin der Buchhandlung Hoffmann.
Vor 25 Jahren hatte sie angefangen in dem Fachgeschäft zu arbeiten, es dann vor 18 Jahren vom Vorbesitzer übernommen. Am 22. März nun musste sie Insolvenz anmelden. „Schon im vergangenen Jahr waren die Verkaufszahlen rückläufig, zum Jahreswechsel fehlten die Kunden durch den ausbleibenden Wintertourismus und im Frühjahr wird erfahrungsgemäß sowieso weniger verkauft“, sagt Vogs. „Das Corona-Virus war dann nur noch das Tüpfelchen auf dem i.“
Nun müssen nicht nur sie selbst, sondern auch ihre drei Mitarbeiter sich künftig neue Jobs suchen. Mit einer neuen Buchhandlung oder einem ähnlichen Gewerbe will sich Vogs allerdings erst einmal nicht wieder selbstständig machen, wie sie sagt.
Für ihr Geschäft hätte sie gerne einen Nachfolger gefunden, das habe sich jedoch als schwierig erwiesen, insbesondere durch die derzeit ungewisse wirtschaftliche Gesamtlage. So werden die Räume der Buchhandlung Hoffmann ab dem16. Mai zunächst leerstehen – bis dahin gibt es einen Räumungsverkauf mit Rabatten. Gutscheine können Kunden aufgrund des Insolvenzverfahrens allerdings nicht mehr einlösen. „Wir wollen noch einmal mit unseren Kunden sprechen, uns persönlich verabschieden und unsere Ware in gute Hände geben“, betont Vogs.
Gleich am Montag nahmen diese Möglichkeit zahlreiche Menschen in Anspruch: Beinahe den ganzen Tag über bildete sich vor der Buchhandlung eine Schlange. Wegen der Hygienevorschriften aufgrund des Corona-Virus dürften gegenwärtig nämlich nur zwei Kunden gleichzeitig das Geschäft betreten, sagt Vogs. Dadurch müssten längere Wartezeiten einkalkuliert werden.
Betroffen ist von der Schließung indirekt auch der Bad Harzburger Kulturklub, der an die Buchhandlung angrenzend sein Büro betreibt. Derzeit befände man sich bereits auf der Suche nach einem neuen Standort und stünde kurz vor einem Vertragsabschluss, teilt der Vorsitzende Detlef Linke mit.
Etwas andere Gründe für seine Geschäftsaufgabe hat Jürgen Kunzig, Inhaber des Blumenladens „Abutilon“. „Es hat sich nicht mehr genug Personal gefunden, für all das, was wir stemmen müssen – sei es die Buchhaltung oder einfach die Größe des Geschäfts“, sagt der Unternehmer.
Zwischen Weihnachten und Neujahr habe Kunzig deshalb die Entscheidung gefällt, seinen Handel zu schließen – einen neuen Laden wolle er vorerst nicht eröffnen. Damit fallen auch die Arbeitsplätze seiner drei Mitarbeiter weg, wobei eine seiner Angestellten jetzt ohnehin erst einmal in den Mutterschutz gegangen wäre.
Auch das „Abutilon“ hat seine Tür am Mittwoch (22. April) noch ein letztes Mal für Kunden geöffnet.