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Staatsanwaltschaft klagt Kai Schürholt an

<p>Der frühere Hoteldirektor des Klosterhotels und Ex-Geschäftsführer der Klosterkammer-Tochter Cellerar, Kai Schürholt, muss sich möglicherweise vor Gericht verantworten. Archivfoto: Gereke</p>

<p>Der frühere Hoteldirektor des Klosterhotels und Ex-Geschäftsführer der Klosterkammer-Tochter Cellerar, Kai Schürholt, muss sich möglicherweise vor Gericht verantworten. Archivfoto: Gereke</p>

Goslar/Braunschweig. Nach umfangreichen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Freitag Anklage gegen Kai Schürholt erhoben. Dem früheren Geschäftsführer der Klosterkammer-Tochter Cellerar und Ex-Direktor des Klosterhotels Wöltingerode wirft die Behörde gewerbsmäßige Untreue in 45 Fällen vor.

Freitag, 22.11.2019, 15:25 Uhr

Schürholt (48) soll seine Stellung als Geschäftsführer ausgenutzt haben, um sich auf Kosten der Klosterkammer beziehungsweise ihrer Tochterbetriebe von Dezember 2013 an bis zu seiner abrupten Abberufung im Juni 2017 zu bereichern.

Die Vorwürfe umfassen drei zentrale Punkte: Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge soll Schürholt veranlasst haben, dass ohne vertragliche Grundlage Tantiemen und Gehälter in Höhe von 93.000 Euro an ihn ausgezahlt werden.

Außerdem wird er verdächtigt, hohe Bargeldbeträge veruntreut zu haben. Das Geld stammt den Angaben der Ermittler zufolge aus Einnahmen auf dem Adventsmarkt des Klosters Wöltingerode sowie aus Cellerar-Einnahmen auf den Weihnachtsmärkten in Goslar und Hildesheim.

Darüber hinaus soll Kai Schürholt das von ihm zwischenzeitlich betriebene Hotel Kirchner in Goslar mit Anschaffungen ausgestattet haben, die über die Buchhaltung des Klosterhotels Wöltingerode liefen. Es geht offenbar um Möbel und IT-Geräte. Der Vorwurf lautet „unberechtigte Abrechnung privater Kosten“.

Im Zuge der Ermittlungen wurde in diesem Jahr das Haus von Schürholt in Goslar durchsucht, dabei wurden Bargeld-Spürhunde eingesetzt. Die Suche blieb jedoch erfolglos. Die Staatsanwaltschaft hat indes Vermögenswerte des Beschuldigten beschlagnahmt.

Das Landgericht in Braunschweig muss nun beschließen, ob ein Hauptverfahren gegen Schürholt eröffnet wird. In der Regel vergehen nach einer Anklage einige Wochen bis zu einer solchen Entscheidung.

Der studierte Theologe Schürholt, der früher Sprecher des Deutschen Brauer-Bundes in Berlin war, kam im Oktober 2007 nach Wöltingerode und fing dort im Marketingbereich an, um den Verkauf der Wöltingeröder Schnäpse voranzubringen. Ein Bekannter, der derselben schlagenden Verbindung angehört, hatte ihn in den Harz geholt. Nach seinem Start in Wöltingerode verurteilte ihn das Amtsgericht Landau zu einer Geldstrafe, weil er 2007 als CDU-Oberbürgermeisterkandidat im Wahlkampf von Landau unberechtigt einen Doktortitel geführt hatte.

Damit der falsche Doktortitel nicht auffliegt, soll Schürholt erklärt haben, er leide an einem Gehirntumor, um auf diese Weise seine Kandidatur zurückziehen zu können. Durch die Vorgänge von Landau geriet er bundesweit als Hochstapler in die Schlagzeilen.

Die Klosterkammer beziehungsweise die Cellerar GmbH hatte sich im Juni 2017 von Schürholt getrennt, als bekannt geworden war, dass er mit einer eigenen GmbH ein Hotel betrieb. In der Folge wurden Vorwürfe gegen ihn laut. Sein früherer Arbeitgeber beauftragte eine große Wirtschaftskanzlei damit, den Vorwürfen nachzugehen und Unterlagen zu prüfen. Schließlich erstattete die Cellerar im August 2017 Strafanzeige gegen ihren vormaligen Geschäftsführer wegen Veruntreuung und Unterschlagung und kündigte eine Schadenersatzklage an.

Im späteren Kündigungsschutzverfahren hatte Schürholts Anwalt die Vorwürfe zurückgewiesen. Er sprach von einer „Treibjagd“ und sagte, viele der Vorwürfe seien leicht zu entkräften. Ein Anwalt der Cellerar hatte Schürholt vorgeworfen, „systematisch, berechnend und mit krimineller Energie in die Kasse gegriffen zu haben“.

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