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Sportliche Lebensleistung ist noch nicht vollendet

<p>Helmut Fichtner denkt auch mit 80 Jahren noch nicht ans Aufhören. Das Erreichen des 61. Sportabzeichens steht kurz bevor. Foto: Böttcher</p>

<p>Helmut Fichtner denkt auch mit 80 Jahren noch nicht ans Aufhören. Das Erreichen des 61. Sportabzeichens steht kurz bevor. Foto: Böttcher</p>

Helmut Fichtner steht kurz davor, sein 61. Deutsche Sportabzeichen abzulegen. Und das mit 80 Jahren. Ans Aufhören denkt er aber nicht, eine bestimmte Zahl will er aber auch nicht erreichen.

Von Sebastian Krause Montag, 03.07.2017, 18:46 Uhr

Die Begrüßung kam von Herzen: Als Helmut Fichtner die GZ in seinem Haus in Goslar empfing, da hatte er vorher Kaffee und Kuchen vorbereitet und freute sich auf seinen Besuch. Vor dem Gespräch musste sich erst einmal gestärkt werden. Er hat schließlich viel zu erzählen.

Helmut Fichtner ist seit vielen Jahrzehnten ein erfolgreicher Sportler. Im vergangenen Jahr hat er zum 60. Mal das Deutsche Sportabzeichen abgelegt. Mittlerweile stehe er kurz vor dem nächsten Abzeichen – und das mit 80 Jahren.

„Wenn es mein Wohlbefinden und die Gesundheit zulassen, dann werde ich versuchen, weiterhin die Bedingungen für das Sportabzeichen zu erfüllen“, sagt Fichtner, der durch seinen beruflichen Werdegang zum Sportabzeichen gekommen ist.

Angefangen hat alles am 7. Januar 1957, als er seinen Dienst beim Bundesgrenzschutz (BGS) in Goslar angetreten hat. Seither hat er jedes Jahr die Anforderungen für das Sportabzeichen bestanden. Zur damaligen Zeit, eine wichtige Voraussetzung. „Beim BGS war es so: Wer sein Sportabzeichen nicht erfüllte, der wurde auch nicht befördert“, erzählt Fichtner, der dank seines Berufs bei den Olympischen Spielen in München 1972 im Ordnungsdienst tätig war.

In der bayerischen Landeshauptstadt begleitete er die Wettkämpfe im Schießen, das Radrennen und war beim Reiten vor Ort. Fichtner, der von 1964 bis 1996 das Sportabzeichen als Prüfer abgenommen hat, erlebte auch den Anschlag auf die israelische Mannschaft. „Das war schlimm, wirklich schlimm“, sagt der Goslarer, der zu diesem Zeitpunkt in einer Polizeikaserne untergebracht war und das Geschehen am Radio verfolgte.

Mit dem Sportabzeichen – und das ist etwas erstaunlich – verbindet er nichts Besonderes, die Freude an der Bewegung steht im Vordergrund. Eine bestimmte Anzahl an Wiederholungen will er nicht erreichen. „Ich mache das von Jahr zu Jahr“, sagt Fichtner, der ursprünglich aus Schlesien stammt.

Aber wie schafft man es, seit 60 Jahren die Anforderungen zu meistern? Fichtner hat darauf eine einfache Erklärung. Er besitze erstens die nötige Disziplin, zweitens achte er auf einen gesunden Lebensstil und drittens sei er von größeren Verletzungen verschont geblieben. Einmal hat es ihn aber doch schlimm erwischt, wie er sagt. „Als ich noch die 50 Meter laufen musste, habe ich mir zwei Meter vor dem Ziel die Sehne gerissen.“

Um sich auf die anstehenden Prüfungen vorzubereiten, die in den vier Gruppen Koordination, Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer unterteilt sind, geht er zweimal pro Woche Schwimmen, im Winter auch gerne Skilaufen am Wurmberg. Ausdauerläufe mag er hingegen nicht, „da stehe ich nicht so drauf“, sagt Fichtner, der sich selber als Einzelkämpfer bezeichnet und sportlich beim ESV Goslar beheimatet ist.

Mit nunmehr 80 Jahren blickt Fichtner auf eine stattliche sportliche Lebensleistung zurück, die jedoch nur noch von den älteren Sportlern wahrgenommen wird. Seine Eindrücke sind, dass sich die Jugend kaum noch für das Sportabzeichen interessiert. „Auch in den Schulen lässt es nach, da ist man nicht mehr so aktiv. Deshalb sind es meistens die Älteren, die ihr Abzeichen wiederholen. Von den Jungen kommen eigentlich nicht viele hinzu“, sagt Fichtner.

Er will dem Sportabzeichen aber weiter treu bleiben und muss für das 61. nur noch zwei Disziplinen absolvieren. Dann wäre die nächste Urkunde sicher. Und falls es eines Tages mal nicht mehr zum Bestehen reicht, dann geht für Fichtner auch keine Welt unter. „Wenn es nicht mehr geht, dann geht es halt nicht mehr“, meint er.

Aber auch dann habe er genug Aufgaben: Der Garten muss gemacht werden, seinem Sohn hilft er bei der Buchhaltung. Deshalb wird Helmut Fichtner auch nach dem Sport nicht langweilig werden: „Bei mir ist immer was los.“

Sportabzeichen Helmut Fichtner, 2016

Sportabzeichen Helmut Fichtner, 2016

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