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Sparkasse Goslar/Harz: Zinsen, Zahlen und Zukunft

<p>Goslarer Vorstand: Hermann Mehrens (li.) legt zum letzten Mal gemeinsam mit Dirk Vorderstemann einen Geschäftsbericht für die Sparkasse vor. Foto: Heine</p>

<p>Goslarer Vorstand: Hermann Mehrens (li.) legt zum letzten Mal gemeinsam mit Dirk Vorderstemann einen Geschäftsbericht für die Sparkasse vor. Foto: Heine</p>

Goslar. Mit einem Überschuss von 3,2 Millionen Euro hat die Sparkasse Goslar/Harz ihr Geschäftsjahr 2015 abgeschlossen. Der Vorstand hält die Fusion perspektivisch dennoch für einzig richtig.

Von Frank Heine Donnerstag, 14.04.2016, 16:48 Uhr

Nach 44 Jahren, davon 27 auf Vorstandsebene, und insgesamt einem Dutzend Fusionen, auf die Hermann Mehrens in seiner Banken- und Sparkassenkarriere zurückblicken kann, hat der Vorstandssprecher der Sparkasse Goslar/Harz am Donnerstag gemeinsam mit Co-Vorstand Dirk Vorderstemann zum letzten Mal einen Geschäftsbericht vorgestellt. Mehrens geht zum Jahresende in den Ruhestand, sein letztes Zahlenwerk kann sich durchaus noch einmal sehen lassen.

Ein respektabler Überschuss und kontinuierlich gewachsenes Eigenkapital? Daran, dass perspektivisch dennoch eine Fusion mit Hildesheim und Peine die einzig vernünftige Option sei, ließ der Vorstand keinen Zweifel (siehe unten). Mit 271,6 Millionen Euro an Zusagen für neue Kredite, von denen 175,4 Millionen Euro auf gewerbliche Kundschaft entfielen, habe die Sparkasse 2015 ihren „Ruf als gewerbliche Mittelstandsbank“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt und ihre Position behauptet. „Uns fehlen nur die Neubaugebiete“, so Mehrens lächelnd, wäre ein höherer Finanzierungsbedarf von privater Seite schön – aber nicht nur der Fliegerhorst, sondern auch der Kattenberg steht ja schon in den Startlöchern.

Auf den ersten Blick überraschend: Trotz niedrig(st)er Zinsen tragen die Menschen ihr Geld weiterhin auf die Sparkasse. Die Kundeneinlagen stiegen um 30 Millionen Euro. Seit 2009 wuchs dieser Wert sogar um 137 Millionen Euro, von denen 31 Millionen Euro auf das gute, alte Sparbuch entfielen. „Den Menschen geht Sicherheit vor Rentabilität“, folgert Vorderstemann aus dem Verhalten und wertet es gleichzeitig als Beleg für seriöses Arbeiten. Im gleichen Zeitraum stieg das Eigenkapital von 103 auf 151 Millionen Euro. Eine Summe, mit der die Sparkasse Goslar/Harz leicht über dem landesweiten Sparkassen-Durchschnitt liegt.

Stolz ist das Duo auch über eine andere Zahl: Um 300 auf rund 55.300 nahmen die Privatgirokonten zu – ein Zuwachs bei eigentlich schrumpfendem Markt. Die ähnliche Anlage auf dem Gelände des Möbelhauses Schulenburg, die zusätzlich zum Drive-in-Geldautomaten am Cineplex in Betrieb genommen wurde, sei ebenfalls stark frequentiert. „Entgegen allen Unkenrufen scheint das Ende des Bargeldes wohl doch noch nicht eingeläutet zu sein“, kommentierte Mehrens.

Stichwort Service: In der Sparkassen-Direktfiliale arbeiteten 15 Mitarbeiter – „nur ausgebildete Fachleute“, wie er betont –, deren Dienste 2015 insgesamt 110.000 Mal in Anspruch genommen worden seien. Ein dort neu angebotener Online-Ratenkredit habe im ersten Monat nach Einführung bereits15 Prozent des Online-Neugeschäftsvolumens ausgemacht.

Und ein Gruß geht hoch in die Berge: Mit der Volksbank im Harz sollen Angebote wie in Lautenthal, wo seit Kurzem der Sparkassen-Geldautomat mitgenutzt werden kann, „in Kürze“ auch auf andere Harzer Standorte ausgedehnt werden.

Nach kurzer Verschnaufpause über die Osterferien geht es jetzt wieder in die Vollen: In vielen Arbeitsgruppen bereiten die drei Sparkassen Goslar/Harz, Hildesheim und Peine ihren Zusammenschluss zum Jahreswechsel vor. Am kommenden Montag wird die Fusion vertraglich fixiert – und zwar in Goslar, wie Mehrens und Vorderstemann betonen. Denn von dort ging der Anstoß zu den Verhandlungen aus.

Schon 2013 intern unter vier Augen, ab 2014 auch im Verwaltungsrat habe das Duo über eine Fusion nachgedacht, weil die aktuellen Ergebnisse zwar immer noch auskömmlich und gut, die Perspektive – Stichwort Niedrig- bis Nullzinspolitik aber wenig positiv erschienen sei. Bei wachsenden Anforderungen ans Eigenkapital ab 2019 und einem stetig sinkenden Zinsüberschuss – seit 2011 immerhin ein Minus von rund vier Millionen Euro – gebe es keine realistische Alternative, erklärten Mehrens und Vorderstemann. Momentan liefen die Planungen auf drei Ebenen, die sich zum Teil überlappten. Nach der Zustimmung durch die politischen Gremien im März gehe die rechtliche Fusion nach Unterschreiben der Verträge im Hintergrund weiter.

Ein „Riesenbrett“, so Vorderstemann, sei die technische Fusion, die sich bis 2017 hinein zieht und Spuren nach außen trägt. Etwa diese: Weil Hildesheim aufnimmt, bekommen Goslarer und Peiner Kunden eine andere IBAN-Nummer – im vorderen Bereich, der früheren Bankleitzahl. Die Kontonummer bleibe. Nur wo Nummern doppelt belegt seien, müsse eine geändert werden. Technische Überweisungen – etwa Gehalt und Daueraufträge – liefen ebenso weiter wie die EC-Karten und müssen in der Regel nicht geändert werden. Die örtliche und personelle Zusammenführung habe schon begonnen. Zwei Maßgaben des Vertrages: Es gebe beim Personalabbau keine betriebsbedingten Kündigungen. Und in den ersten vier Jahren nach Fusion werde keine Filiale geschlossen.

Bilanzsumme: 1,4677 Milliarden Euro (nach 1,4207 in 2014 und 1,397 Milliarden in 2013)

Kreditvolumen: 1,008 Milliarden Euro (nach 1,0127 in 2014 und 1,0209 Milliarden in 2013)

Einlagen: 1,1792 Milliarden Euro (nach 1,1508 in 2014 und 1,1247 Milliarden in 2013)

Jahresüberschuss: 3,2 Millionen Euro (nach 2,5 in 2014 und3,5 Millionen in 2013)

Mitarbeiter: 407 (nach 418 in 2014 und 419 in 2013), davon21 Auszubildende (nach 22 in 2014 und 18 in 2013)

Geschäftsstellen: 21 (nach22 in 2014 und 22 in 2013); am1. Juni wurde das Personal aus Sudmerberg abgezogen

Geldausgabe-Automaten: 63 (nach 63 in 2014 und 62 in 2013), davon mit Einzahlfunktion 35 (nach 34 in 2014 und 34 in 2013)

Quelle für die Zahlen: Sparkasse Goslar/Harz

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