Sozialarbeiterin Julia Vibrans verstärkt das Team der Grundschule Langelsheim
Julia Vibrans
Langelsheim. Mit Beginn des Schuljahres hat Julia Vibrans als Sozialarbeiterin ihre Arbeit an der Langelsheimer Grundschule aufgenommen. Seit rund fünf Jahren habe sie für die Stelle gekämpft, sagt Schulleiterin Susanne Weber. „Wir brauchen zwingend Beratung für die Kolleginnen und die Eltern.“ Deshalb freue sie sich, dass die Landeschulbehörde die Schulen im ländlichen Raum nun stärker unterstützt, nachdem in den vergangenen Jahren Kriterien wie die Zahl der Flüchtlingskinder und die Klassengrößen oft ausschlaggebend gewesen seien.
Die Sozialpädagogin hat zuvor eineinhalb Jahre an der Grundschule in Jürgenohl gearbeitet und freut sich nun auf den Start in Langelsheim. Zu ihren Kernaufgaben zählt die 40-jährige Mutter von drei schulpflichtigen Kindern das Gespräch mit Schülern, die individuelle Probleme haben, zum Beispiel verhaltensauffällig sind. „Es geht darum zu erfahren, wo der Schuh drückt, gibt es Konflikte mit den Mitschülern oder belastet das Kind eine Situation im Elternhaus.“
Erscheint es sinnvoll, werden die Eltern hinzugezogen oder weitere Beratungsstellen, wie Träger der Jugendhilfe, Kinderschutzbund oder eine kinderpsychiatrische Praxis kontaktiert. Schulsozialarbeit sei auch Verbindungsstück zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe, erklärt Vibrans. Mitunter seien aber auch „ganz banale Dinge“ gefragt, zum Beispiel auf Freizeitaktivitäten oder einen Sportverein hinzuweisen. „Es geht nicht immer ums große Drama“, sagt sie, sondern oft auch darum, das Lebensumfeld der Kinder vor Ort zu stärken.
Ein wichtiger Baustein ihrer Arbeit sei die Gewalt- und Konfliktprävention. „Da bin ich froh, dass ich an der Grundschule in Langelsheim schon an bestehende und gute Konzepte andocken kann“, sagt Vibrans. Es gibt beispielsweise das Programm „Seniorpartner in school“ (SiS), berichtet Schulleiterin Susanne Weber. Erwachsene mit einer Mediatorenausbildung kommen einmal in der Woche in die Schule. „Leider müssen wir wegen der Corona-Auflagen momentan pausieren.“ Darüber hinaus gibt es seit einigen Jahren eine Schulordnung, die an Werte wie Freundlichkeit, Fairness und einen respektvollen Umgang miteinander erinnert. Um diese Schulordnung mit Leben zu füllen, werden einzelne Aspekte regelmäßig im Unterricht aufgegriffen, Lösungsansätze im Streitfall aufgezeigt und eine Regel des Monats aufgestellt. Jedes Kind bekommt zudem ein Hosentaschenbuch, in dem der Friedensweg visualisiert dargestellt ist. Die Message: Der Streit führt in eine Sackgasse. Auf dem Schulhof steht die Friedensbank, die zu einem klärenden Gespräch einlädt.
Vibrans möchte an dieses Konzept anknüpfen und strebt an, Themen wie den Umgang mit Medien oder Mobbing stärker im Unterricht zu behandeln und dabei mit Partnern wie dem Präventionsteam der Polizei und Fachleuten des Landkreises zusammenzuarbeiten.
Am Anfang werde sie aber erst einmal „ganz viel in den Klassen hospitieren, zuhören und sich mit den Lehrerinnen über die Kinder unterhalten“, sagt sie. Ihr Büro ist noch nicht fertig, deshalb hat sie vorerst in der ehemaligen Schulbücherei ihren Arbeitsplatz. In dem ehemaligen Klassenraum wird noch gestrichen, dann müssen die Stahlzargen für den Rahmen geliefert und eingebaut werden, um die Tür einzusetzen – und der Bodenbelag fehlt noch. Offenbar waren falsche Zargen bestellt oder geliefert worden, sodass sich die Bauarbeiten verzögerten. Jörg Severin vom Bauamt geht davon aus, dass Ende September das Büro für die Schulsozialarbeiterin sowie der benachbarte Förderraum fertiggestellt sind. Julia Vibrans freut sich auf ihren neuen, großen Arbeitsplatz. „In einem ehemaligen Klassenraum zu arbeiten, ist schon etwas Besonderes.“
Neben der Schulsozialarbeiterin, deren Stelle unbefristet ist, verstärkt bereits seit dem vergangenen Jahr ein pädagogischer Mitarbeiter das Team, der von der Sehusaschule abgeordnet ist. Er arbeitet mit Kindern, bei denen eine Störung der emotionalen und sozialen Entwicklung festgestellt wurde. „Wir sind im Moment sehr gut aufgestellt“, freut sich die Schulleiterin, und fügt hinzu: „Hoffentlich bleibt das so.“
Im neuen Büro der Schulsozialarbeiterin fehlen noch die Tür und der Fußboden.