Sigmar Gabriel gründet mit seiner Frau eine Stiftung
Der Stadt und ihren Bürgern etwas zurückgeben: Am 21. September händigt Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk (li.) dem neuen Ehrenbürger Sigmar Gabriel in der Kaiserpfalz die Ernennungsurkunde aus. Archivfoto: Epping
Goslar. Der neue Ehrenbürger will seiner Heimatstadt etwas zurückgeben: Gemeinsam mit seiner Frau Anke hat Sigmar Gabriel die Stiftung „Scout“ gegründet, mit deren Geldern Kinder und Jugendliche aus Goslar und Umgebung in schwierigen Lebenslagen und/oder mit alleinerziehenden Elternteilen gefördert werden sollen.
Die Stiftung ist mit 200.000 Euro dotiert und als Verbrauchsstiftung angelegt.
„Unser Weg war so bestimmt nicht vorgezeichnet, und wir haben in unserem Leben das große Glück gehabt, dass wir hier und da jemanden getroffen haben, der uns weitergeholfen hat“, erläutert Gabriel die Gedanken, die sich das Paar rund um die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den SPD-Politiker gemacht hatte. Zeit genug war vorhanden. Der Prozess zog sich über mehrere Monate hin.
Erste Überlegungen, Gabriel auszuzeichnen, waren bereits im November 2017 laut geworden, als sich nach der Bundestagswahl in Berlin eine Jamaika-Koalition ohne die SPD abzeichnete. Oberbürgermeister Dr.Oliver Junk war Ausgangspunkt und Motor. Er wollte Gabriel nach einem Ausscheiden aus der Ministerriege in Goslar gebührend geehrt wissen. Das Scheitern der Verhandlungen zwischen Union, FDP und Grünen gab einen Aufschub. Als klar war, dass Gabriel auch einer neuen GroKo nicht angehören würde und im März nolens volens den Schritt zurück zum einfachen Abgeordneten machte, votierte der Rat am 8.Mai mit überwältigender Mehrheit für den Ehrenbürger Gabriel. Am 21.September hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Laudatio bei der Verleihung in der Kaiserpfalz.
„Wir sind nicht reich, aber uns geht es gut“, sagt Gabriel heute über sich und seine Frau Anke, die in Oker als Zahnärztin praktiziert. Beide hatten schon zuvor regelmäßig gespendet etwa für ein Waisenhaus für Kinder in Afrika, die ihre Eltern an Aids verloren hatten, oder für Stipendien, die das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) in Braunschweig vergeben hat. Schnell war klar, dass es bei einer Stiftung wieder um Kinder und Bildungschancen gehen sollte. Ob ein Einzelschicksal oder ein Theaterprojekt an Schulen: „Auch 1000 Euro können manchmal schon eine große Hilfe sein“, ist Gabriel überzeugt.
Das Geld, das bislang in die Stiftung geflossen ist, stammt eins zu eins aus Auftritten, die der Redner Gabriel nach seinem Abschied aus dem Amt absolviert hat. „Ich habe kein Honorar gefordert, aber wo es mir angeboten wurde, habe ich um eine Spende an die Stiftung gebeten“, sagt der Goslarer und will im Prinzip auch weiter genau so verfahren. Vielleicht müssen irgendwann einmal Unkosten gedeckt werden. Aber er macht sich ohnehin keine Illusionen: „Am Anfang ist man noch attraktiv, das wird sich irgendwann legen.“
Bei der aktuellen Zinssituation bot sich für die Gabriels die Gründung einer Verbrauchsstiftung an: Das heißt, sie vergibt nicht Geld aus den Kapitalerträgen, sondern verteilt das Grundkapital selbst. Die Mindestdauer ist auf zehn Jahre angelegt. „20.000 Euro pro Jahr sind doch auch eine schöne Summe“, sagt Gabriel.
Organisatorisch steht die Bürgerstiftung für Goslar und Umgebung nicht nur Pate, sondern lässt die „Scout“-Stiftung auch in ihrer Verwaltung andocken und wird zudem sicherlich ein paar Tipps für die Verwendung des Geldes haben. Entscheiden wird aber am Ende immer der Vorstand, in dem neben Dr.Anke Gabriel auch der Oberbürgermeister oder der Erste Stadtrat als dessen Stellvertreter sowie ein(e) Vertreter(in) der Jugendgerichtsbarkeit sitzen und ihre Stimmen erheben werden. Menschen, die laut Gabriel wohl am besten wissen müssten, wo das Geld in Goslar gut angelegt ist.
- Was hat es mit einer Beteiligung Sigmar Gabriels an der VIB International Strategy Group GmbH & Co KG auf sich? An dem Beratungsunternehmen mit Sitz in Berlin hält nach Recherchen des „Kurier“ aus Wien die Firma „4 Pro“ die meisten Anteile. Dort sind mit Österreichs Ex-Kanzler Werner Faymann und dem früheren Partei-Kommunikationschef Matthias Euler-Rolle zwei ehemalige SPÖ-Größen engagiert.
- Für Gabriel handelt es sich seiner Darstellung zufolge um eine reine Kapital-Anlage. Solange er Abgeordneter im Bundestag sei, werde er jedenfalls nicht in aktiver Rolle mitwirken. Faymann kenne er schon aus Falken-Zeiten und sei mit ihm gut befreundet. Die Familien hätten auch schon den Urlaub miteinander verbracht.
- Eine eigene Stiftung hat er jetzt in Goslar, in Hamburg sitzt Gabriel seit Wochenfrist im Senat der Deutschen Nationalstiftung. Diese Personalie hat gestern der geschäftsführende Vorstand Professor Dr. Eckart Stratenschulte bestätigt.
- Die nach eigenen Angaben überparteiliche, unabhängige und gemeinnützige Stiftung wurde 1993 von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Freunden wie Michael Otto, Hermann Josef Abs und Gerd Bucerius gegründet und will das Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland fördern.
- Schirmherr ist stets der amtierende Bundespräsident, Präsident des Senats seit vier Jahren das ehemalige Staatsoberhaupt Horst Köhler. In dem Gremium sitzen aktuelle Politiker wie FDP-Chef Christian Lindner und SPD-Vize Olaf Scholz neben Historikern wie Heinrich August Winkler. Vize-Präsident ist übrigens Peer Steinbrück. Und ein gewisser Friedrich Merz gehört dem Senat auch an und soll bei Gabriels Berufung keine unwesentliche Rolle gespielt haben.