Seesener Autobahnmeisterei ist Geschichte
<p>Ein Bild fürs Museum: Zum 1. Mai startete das ÖPP-Projekt A 7-Ausbau und Betrieb. Der Standort der Autobahnmeisterei ist nun ein Betriebsdienstzentrum des Konzessionärs, das Schild mittlerweile demontiert. Foto: Gereke</p>
Seesen. Es ist einer der ersten Folgen der Privatisierung der Autobahn 7 zwischen Bockenem und Göttingen: Die Autobahnmeisterei Seesen ist Geschichte. Die Niederlassung schloss zum 30. April, die Mitarbeiter erhielten ihre Versetzungen. Seit Anfang Mai nutzt der A7-Konzessionär Via Niedersachsen den Standort an der Autobahn für ein sogenanntes Betriebsdienstzentrum, das jetzt die Aufgaben der ehemaligen Meisterei wahrnimmt.
Seesen. Es ist einer der ersten Folgen der Privatisierung der Autobahn 7 zwischen Bockenem und Göttingen: Die Autobahnmeisterei Seesen ist Geschichte. Die Niederlassung schloss zum 30. April, die Mitarbeiter erhielten ihre Versetzungen. Seit Anfang Mai nutzt der A7-Konzessionär Via Niedersachsen den Standort an der Autobahn für ein sogenanntes Betriebsdienstzentrum, das jetzt die Aufgaben der ehemaligen Meisterei wahrnimmt.
„Betroffen waren rund 20 Mitarbeiter. Sie wurden auf die umliegenden Straßenmeistereien Seesen, Northeim, Göttingen und Bockenem verteilt. Eine Person ist regulär in Ruhestand gegangen“, teilt Jens-Thilo Schulze mit, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die Fahrzeuge und Gerätschaften sind ebenfalls auf umliegende Meistereien verteilt worden. Via Niedersachsen stellt eigene Fahrzeuge und Gerätschaften bereit.
Vom neuen Betriebsdienstzentrum in Seesen aus werden jetzt auch alle Bau- und Modernisierungsmaßnahmen zum Ausbau der A7 koordiniert. Via Niedersachsen ist zunächst für den Ausbau und die Modernisierung und danach für den Betrieb und die Erhaltung eines insgesamt 60 Kilometer langen Teilstücks der A7 über 30 Jahre verantwortlich. Als Gegenleistung erhält das Konsortium Mauteinnahmen. Das ÖPP-Projekt (Öffentlich-private Partnerschaft) beinhaltet auch den sechsstreifigen Ausbau des bislang vierstreifigen Abschnitts zwischen Seesen und Northeim auf einer Länge von 29,2 Kilometern.
Die ersten Baumaßnahmen auf der A7 beginnen bereits jetzt. Um die Autobahn verbreitern zu können, müssen alte Brücken abgerissen und neu gebaut werden. Das wird zuerst zwischen Seesen und Echte und bei der Überführung des Wirtschaftsweges Ritterstieg nahe dem Römerschlacht-Infogebäude an der B248 passieren. Die erste Vollsperrung der Autobahn zwischen den Anschlussstellen Seesen und Echte ist für Samstag, 13. Mai, 20 Uhr, bis voraussichtlich Sonntag, 14. Mai, etwa 12 Uhr, angesetzt. Eingerichtet sind die Umleitungen U15 (Fahrtrichtung Hannover) und U62 (Kassel). Im Zusammenhang mit dem Brückenabriss wird der Wirtschaftsweg „Ritterstieg“ Nähe B248 und Römerschlacht-Infopunkt bereits ab diesem Montag, 8.Mai, voll gesperrt. Er soll wieder nutzbar sein, wenn der Neubau der Brücke im Oktober 2018 fertig ist.
Unterdessen ist die Kritik an der Privatisierung des Autobahnabschnitts nicht verstummt. „Bei einer Wirtschaftlichkeitsprüfung 2012 war für das ÖPP-Projekt für Betrieb auf 30 Jahre und Ausbau von Kosten in Höhe von 597,8 Millionen Euro die Rede. Konventioneller Ausbau und Betrieb hätten nach damaliger Berechnung 662,7 Millionen Euro kosten sollen“, berichtet Alexander Jakob, stellvertretender Landesvorsitzender der Fachgewerkschaft der Straßen- und Verkehrsbeschäftigten. „Jetzt aber erfolgt der Zuschlag für ein Projekt, das ein Finanzvolumen von rund einer Milliarde hat. Das ist unfassbar. Das ist eine Steigerung von rund 37 Prozent gegenüber der einstigen Berechnung und nicht mit normaler Teuerung zu erklären“, fügt Jakob an.
„Hinzu kommt, dass die Berechnung von vor fünf Jahren auch den Betrieb des 12 Kilometer langen Abschnitts zwischen Bockenem und Salzgitter-Dreieck beinhaltete. Dieser, wie sich mittlerweile herausstellte, mit Krebsgiften in Seiten- und Mittelstreifen belastete Abschnitt ist jetzt aber nicht mehr Gegenstand des ÖPP-Projekts“, so Jakob. „Dafür ist die Firma, die damals am Ausbau zwischen Bockenem und Salzgitter-Dreieck beteiligt war, jetzt Teil des Konsortiums“, so Jakob. Seine Gewerkschaft hofft, dass sich aufgrund der für ihn nicht zu erklärenden Kostensteigerung der Bundesrechnungshof noch einmal des Themas annimmt.
„Als öffentliche Verwaltung hätten wir mit dem Autobahnausbau ohnehin auch schon viel weiter sein können, wäre die jahrelange Diskussion um das ÖPP-Projekt nicht gewesen“, meint Jakob. Und er richtet den Blick auf einen weiteren Aspekt: „Arbeitslos sind die Ehemaligen der Autobahnmeisterei zwar nicht, aber sie müssen wegen wegfallender Rufbereitschaften jetzt teilweise mit bis zu 300Euro brutto im Monat weniger auskommen.“