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Seelsorge heißt erst mal zuhören

Klinikseelsorgerin Petra Keil ist im Rehazentrum Oberharz für Patienten aller Religionen und Konfessionen da und spürt, dass sie vielen Menschen helfen kann, die zu ihr kommen.  Foto: Hörseljau

Klinikseelsorgerin Petra Keil ist im Rehazentrum Oberharz für Patienten aller Religionen und Konfessionen da und spürt, dass sie vielen Menschen helfen kann, die zu ihr kommen. Foto: Hörseljau

Clausthal-Zellerfeld. Petra Keil ist Klinikseelsorgerin am Rehazentrum Oberharz. Dort ist sie Ansprechpartnerin für Menschen in Krisensituationen, aber auch für Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Beweggründen jemanden zum Sprechen suchen.

Von Hansjörg Hörseljau Freitag, 11.01.2019, 15:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Petra Keil ist Klinikseelsorgerin am Rehazentrum Oberharz. Dort ist sie Ansprechpartnerin für Menschen in Krisensituationen, aber auch für Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Beweggründen jemanden zum Sprechen suchen.

Petra Keil (59 Jahre) ist von Hause aus Pastorin. Ihre Aufgabe als Klinikseelsorgerin sieht sie als religions- und konfessionsübergreifend offen. „Für mich ist immer der Mensch wichtig, der vor mir steht und mit seinem Anliegen zu mir kommt.“ Oft ist es ein langer, beschwerlicher Weg, der die Menschen ins Rehazentrum Oberharz geführt hat.

Viele haben eine Leidensgeschichte zuhause oder in einer Klinik hinter sich, in der sie immer wieder mit ihrer Krankheit wie Krebs oder anderen Problemen kämpfen mussten.

In der Ruhe der Reha oder beim Arbeiten an sich selbst kommen manchmal Geschichten ins Bewusstsein, die längst als bewältigt galten. Es können Dinge sein, die die Patienten weder mit einem Arzt noch mit einem Psychologen besprechen möchten. Grundlage für das Kontaktangebot von Klinikseelsorgerin Petra Keil ist Anonymität, es unterliegt ganz und gar der seelsorgerischen Verschwiegenheit. Informationen bekommt Petra Keil ausschließlich durch das Gespräch mit den Patienten – sie hat keinen Zugang zur Krankenakte.

„Seelsorge heißt erst mal zuhören, wahrnehmen und spüren, was den Menschen, der zu mir gekommen ist, beschäftigt. Viele kommen mit ganz viel Kummer und Sorgen hier her. Das sieht man den Menschen von außen nicht an“, sagt Petra Keil. „Es geht darum, das Gesagte dann auch gemeinsam auszuhalten und dem Menschen zu signalisieren: Du bist in deiner Situation nicht allein und nicht verloren. Die Hilfe ist dann ganz unterschiedlich: manchmal hilft es schon, einfach mal reden zu können. Manchmal machen wir uns auch gemeinsam auf die Suche, was die Person wirklich beschäftigt und wo und wie Hilfe erfolgen kann.“

Im Schnitt hat Petra Keil zweibis vier Einzelgespräche am Tag. Dafür nimmt sie sich jeweils eine Stunde Zeit. Die Menschen kom-men generationsübergreifend. „Für viele ist das Gespräch sehr wertvoll.“

Ein weiteres Angebot ist eine Trauergruppe, die Petra Keil anbietet. Dorthin kommen oft Menschen, die Angehörige auf besonders dramatische Art verloren haben. „Viele führt es auch deshalb in die Reha, weil sie bemerkt haben, dass sie an dieser Stelle etwas für sich tun müssen“, sagt Petra Keil. „Die Trauergruppe ist ein Mosaikstein. Wenn sich das Mosaik gut zusammenfügt, dann kann Reha auch gelingen.“

Für alle Menschen im Rehazentrum Oberharz steht der konfessionsübergreifende „Raum der Stille“ offen. Dort werden aber auch Andachten gehalten und Gottesdienste gefeiert.

Die Gespräche sind der Schwerpunkt der Arbeit der Klinikseelsorge. Dazu kommen noch regelmäßige Gottesdienste, Andachten, besinnliche Veranstaltungen im Raum der Stille und im Sommer Spaziergänge durch den Wald. Highlights wie das Ensemble Phantastique, die Gitarrengruppe Fehlgriff, Kabarett-Abende oder Liederabende gehören auch dazu. Dazu sind oft auch Gäste von außerhalb eingeladen. Es sind Veranstaltungen, die die Seele streicheln. Das ist ebenfalls „Therapie in der therapiefreien Zeit“, sagt Petra Keil.

Die Idee für die feste Etablierung der Klinikseelsorge in der Reha-Klinik hatte der ehemalige Chefarzt der Onkologie in der Erbprinzentanne, Dr. Johannes Teichmann. Im Austausch sah er, dass die Seelsorge eine Bereicherung für die Patienten sein könnte.

Im Rehazentrum Oberharz ist die Klinikseelsorge eine besondere externe Stelle, die durch die Kooperation der Deutschen Rentenversicherung (DRV) mit der Landeskirche Hannovers getragen wird: Die DRV beteiligt sich an deren Finanzierung.

Für Petra Keil ist die Seelsorge zu einer Lebensaufgabe geworden, die sie mit Leib und Seele ausfüllt. Sie spürt, dass sie vielen Menschen helfen kann, die zu ihr kommen. Sie wertschätzt auch die gute Kooperation und das einvernehmliche Miteinander im Haus.

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