Sechs Wochen Alaska: Heiko Rataj geht auf Goldsuche
Weite, Wasser, Wahnsinn: Alaskas Landschaft verzaubert sicherlich nicht nur den Jack-London-Fan Heiko Rataj. Foto: Privat
Goslar. Auf den Spuren Jack Londons hat sich der Goslarer Unternehmer Heiko Rataj einen Kindheitstraum erfüllt. Er begab sich auf eine sechswöchige Tour nach Alaska und suchte dort nach Gold.
Der Mann hat schon auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela wahre Höllenqualen für sein Seelenheil gelitten. Er ist nicht nur einmal in klirrender Himmelskälte im Heißluft-Ballon hoch über die Alpen gefahren und hat Dutzende Goslarer Jugendliche zum Ostsee-Trip auf sein Segelboot eingeladen. Und deshalb wäre es ein wahres Wunder gewesen, wenn er sich ausgerechnet seinen Lebenstraum nicht erfüllt hätte.
Heiko Rataj, Goslars Chef-Gastgeber, Hahnenkleer Bocksberg-Unternehmer und Bremer Becks-Bierschiff-Betreiber, packte nach seinem 50. Geburtstag im Sommer die Koffer und folgte dem Ruf des Goldes. Alaska hieß das Ziel des Mannes, der in seiner Kindheit die Romane von Jack London verschlungen hatte.
Den Klondike, Dawson City, den Chilkoot Pass – was der junge London gesehen hatte, wollte Rataj jetzt selbst in Augenschein nehmen. Nur zusätzlicher Ansporn dürfte die Serie „Goldrausch in Alaska“ gewesen sein, die auf dem Fernsehsender DMAX lief und die raue Welt im dünn besiedelten nördlichsten und westlichsten Bundesstaat der USA auf den Bildschirm holte.
Jenen Menschen, die in der riesigen Weite der eiskalten Natur trotzen, noch immer Gold aus dem Innern von Mutter Erde holen und jüngst via Fernsehen auch in die deutschen Stuben gekommen waren, wollte Rataj persönlich begegnen. Gewünscht, geworden: Wer Rataj kennt, weiß um die spezielle Mischung aus gewinnendem Charme, spitzbübischer Findigkeit und unnachgiebiger Hartnäckigkeit, mit der er auf Tuchfühlung zu den Zielpersonen geht.
Resultat: Er hat sie in seinen sechs Alaska-Wochen alle kennengelernt, durfte in ihre Claims und Minen schauen, sogar mit der Pfanne Gold waschen und seine Beute mitnehmen. Ob Tony Beets, den ungekrönten „King of Klondike“, den die Einwohner ob seiner Bartpracht den Wikinger nennen, obwohl er aus Holland stammt; den jungen Parker Schnabel (21), der sich schon als Kind auf der Big Nugget Mine seines Großvaters John das Goldfieber einfing; Todd Hoffmann, der mit fünf arbeitslosen Freunden loszog, um im Porcupine Creek nach Gold zu suchen; oder Gene Cheesman, die Mechaniker-Legende, die jede noch so kaputte Maschine wieder zum Laufen bringt.
Was diese Männer ausmacht? Es sei nur am Beispiel Beets gezeigt: Der Schatzsucher nennt eine geradezu gigantische Waschanlage sein Eigen, die unvorstellbare Erdmassen durchpflügt – einen Schwimmbagger, den er einst für eine Million Dollar gekauft hat, um im Clear Creek nach Gold im Wasser zu baggern. Ein Millionär, der in Schmierhose und mit Bärenpranken jeden Tag im Dreck wühlt – wo gibt es das in Deutschland?
„Die Erfolgreichsten machen 5.000 bis 6.000 Unzen Gold im Jahr, aber es gibt auch kleine Familienbetriebe mit 200 bis 300 Unzen“, blickt Rataj kurz aufs Geschäftliche. Wichtiger, so viel wichtiger ist aber das Leben und das Erleben in Alaska. „Das alles hat seine eigene Philosophie, seinen Lifestyle – und ist einfach Abenteuer.“
Und Rataj erzählt nicht nur, sondern plaudert aus dem Nähkästchen: Jeder Zweite hat ein Flugzeug, um die riesigen Strecken und Abstände zwischen den Städten bewältigen zu können. Städte? Das berühmte Dawson City, die Wiege des Goldrauschs, zum Ende des vorvorigen Jahrhunderts von 100 auf 100.000 Einwohner gewachsen, zählt noch 2.500 Aufrechte –aber das Haus, in dem Jack London gewohnt gibt es noch. In Nome, dem Zielort des längsten Schlittenhunderennens der Welt, wiegt der Wirt auch noch mit der Goldwaage die Nuggets ab, mit denen die Schürfer ihr Bier bezahlen.
Zum Tierreich: Freilaufende Moschus-Ochsen begegnen dem Goslarer ebenso wie eine dreiköpfige Grizzly-Familie, die auf dem Parkplatz das leere Auto umkreisen, als Rataj zurückkehrt. „Zum Glück sind die Bären gleich weitergezogen“, sagt er und hat auch ein anderes Mal einen Pakt mit Fortuna geschlossen, als ihn abends bei Minus-Graden auf gottvergessener Strecke nach zwei Stunden Warten ein Autofahrer mitnimmt, nachdem er seinen Wagen in den Graben gesetzt hatte. Zu viel Abenteuer? Keine Spur. Rataj überlegt, ob er vielleicht bei einer Mine einsteigt und ein- bis zweimal pro Jahr zum Schürfen hinüberfliegt – welch goldige Aussichten.
Der Harzer und der Wikinger: Heiko Rataj lernt in Alaska auch Tony Beets, den „King of Klondike“, kennen und darf auf seinem Claim ein wenig Gold waschen. Für nächste Woche ist der Gegenbesuch auf dem Rataj-Schiff in Bremen angekündigt. Foto: Privat
Die Wiege des Goldrauschs: Dawson City zählt heute nur noch rund 2.500 Einwohner. Foto: Privat
Bäriger Besuch: Eine Grizzly-Familie lässt sich ganz in Heiko Ratajs Nähe am Fluss nieder. Foto: Privat