Schuhmacher Brandt schließt seine Werkstatt
Nimmt Abschied von seinem Handwerk: Wolfgang Brandt beim Besohlen eines Schuhs. Foto: Hohaus
Vienenburg. Seit 40 Jahren kennen ihn alle Vienenburger nur unter dem Namen „Schuster Brandt“, obwohl er ja eigentlich Schuhmacher ist. Denn Schuster gibt es in jedem Beruf. Nun hat Wolfgang Brandt seine Werkstatt für immer geschlossen.
Im Jahr 1979 kam er aus Langelsheim, wo er auch eine Schuhreparaturwerkstatt und einen Schuhladen betrieb nach Vienenburg in die Kaiserstraße 9. Im Jahr 1981 wurde ein Wohn-und Geschäftshaus in der Kaiserstraße 23 gekauft. Im Geschäft befanden sich ein Zeitungsladen sowie ein Schulbedarfsverkauf. Im Jahr 1988 zog Wolfgang Brandt mit der Schuhwerkstatt in sein eigenes Haus ein, Ehefrau Rita übernahm den Zeitungsverkauf mit Schulbedarf. Auch Annoncen für die Goslarsche Zeitung wurden angenommen und ausgeführt. Nach Einführung der modernen Technik, nahmen viele Kunden die Anzeigenaufnahme selbst am Computer vor.
Der „Schuster“ reparierte fleißig die Schuhe, nahm Taschenreparaturen vor, flickte Pferdegeschirre und nähte neue Reisverschlüsse in Ledersachen ein. Seine Kundschaft kam aus dem gesamten Umkreis, von Bad Harzburg über Goslar bis Schladen. Nachdem sein Bruder in Oker seine Schuhreparaturwerkstatt aus Altersgründen aufgab, nahm er dort noch Schuhe an und brachte sie zu seinem Bruder nach Vienenburg. Mit 63 Jahren, vor 16 Jahren, ging Brandt in Rente. Er schloss aber nicht seinen Laden, sondern machte weiter.
Denn „die Werkstatt war auch mein Hobby“, sagt Brandt, der im kommenden Monat 79 Jahre alt wird. Nur einmal im Jahr war der Laden geschlossen, dann wurde ein längerer Urlaub gemacht. Die Schusterwerkstatt war immer ein beliebter Treffpunkt für einige Vienenburger.
Hier gab es bei einer Flasche „Altenauer“ immer viel zu erzählen. Mit dabei waren immer bis zu zehn Kanarienvögel in einer großen Voliere. In den kommenden Wochen wird das Ehepaar Brandt Laden und Werkstatt in eine Wohnung umbauen.