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Regionalbewusstsein ist anderenorts besser

Wie kleinteilig der Harz, und wie eng gefasst der Oberharz ist, zeigt die naturräumliche Gliederung.

Wie kleinteilig der Harz, und wie eng gefasst der Oberharz ist, zeigt die naturräumliche Gliederung.

Oberharz. Vor Jahren gab es die vage Hoffnung, Wissenschaftler könnten helfen, dem Oberharz die verloren gegangene Identität wiederzugeben. Einen Hoffnungsschimmer bringen jetzt tatsächlich und immerhin überegionale Wetterberichte.

Von Dieter Böhl Donnerstag, 28.04.2016, 11:03 Uhr

So klein, wie diese Kulturregion ist, so zerrissen ist sie auch. Die letzte Gebietskörperschaft, die weite Teile des Oberharzes zusammenhielt, war der Landkreis Zellerfeld mit zuletzt 34.000 Einwohnern – bis er 1972 aufgelöst und unter den Nachbarkreisen Osterode und Goslar aufgeteilt wurde.

Spätestens seit damals drifteten die sieben Bergstädte und umliegende Gemeinden auseinander und versuchten angesichts des niedergegangenen Bergbaus nun auf dem Gebiet des Tourismus, sich gegenseitig die Butter vom Brot zu nehmen. Als letztes Fragment des Landkreises Zellerfeld bildete die Samtgemeinde Oberharz mit Clausthal-Zellerfeld in der Mitte ein kleines organisatorisches Dach – und darunter auch die Kurbetriebsgesellschaft „Die Oberharzer“: Die hat als Rumpfunternehmen überlebt, spielt aber nur noch eine untergeordnete Rolle.

Warum braucht es Wissenschaftler? Über historisch-geografische Elemente der Kulturlandschaft und das Regionalbewusstsein im Oberharz referierte auf der Harzmesse 2010 in Altenau Prof. Dietrich Denecke (Göttingen). Letzteres bezeichnete er als noch offene Forschungsaufgabe. Gewiss habe der Oberharz einen „tragfähigen Gemeinsinn“ entwickelt, aber im Gegensatz zu einigen anderen deutschsprachigen Regionen sei hier dem Regionalbewusstsein nicht vertiefend nachgegangen worden.

Zwar gibt es noch heute den 94 Jahre alten Oberharzer Schützenbund oder den 1933 gegründeten, um den Erhalt von regionaler Volkskultur bemühten Heimatbund Oberharz, aber das reicht nicht für eine starke Identität mit Außenwirkung. Vielleicht stellt sich die auf ganz anderem Weg ein, der Leute lockt. So hat es dank landeskundiger Wettermoderatoren der Begriff Oberharz in letzter Zeit mehrfach bis in die bundesweiten Wetternachrichten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens geschafft. Das ist neu und lässt auf mehr hoffen.

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