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Rataj, der Rastlose

Unternehmer Heiko Rataj treiben ständig Ideen für neue, oft ungewöhnliche Projekte um.  Foto: Rietschel

Unternehmer Heiko Rataj treiben ständig Ideen für neue, oft ungewöhnliche Projekte um. Foto: Rietschel

Goslar. Über Heiko Rataj schreibt die Goslarsche Zeitung regelmäßig. Der Grund ist einfach: Der Mann liefert ja regelmäßig Nachrichten.

Von Andreas Rietschel Freitag, 05.09.2014, 20:00 Uhr

Über sein Unternehmertum hier im Harz. Und weil seine Projekte fast immer erfolgreich und nie langweilig sind, steht er halt im Focus. Aber heute geht es um den Typen Heiko Rataj. Was steckt hinter diesem Mann, dem so viel gelingt? Was treibt ihn an, was denkt er, was sind die Leitpfosten seines Lebens?

Seine hervorragenden Wesensmerkmale sind nach eigener Einschätzung: Rastlosigkeit, Ungeduld, permanente infrage Stellung, aber auch ausgeprägter Teamgeist. Sein unternehmerisches Credo erinnert an den Börsenguru André Kostolany: „Do the opposite, mach genau das Gegenteil von dem, was die anderen tun“. So sagt er: „Wenn Du das machst, was alle anderen machen, wirst du keinen Erfolg haben. Denn wo steht eigentlich geschrieben, dass es nur diesen einen Weg gibt?“

Und noch ein Credo: Er, der einst als junger Bursche aus der DDR rausgeschmissen wurde, dann mittellos sein Leben in die Hand nahm, er liebt dieses Land: „Wir gehören zu den Menschen, die vollkommen frei ihr Leben gestalten können. Wir leben hier im Paradies.“

Sein Schreibtisch birst vor Zetteln mit Notizen, Zeichnungen und Ideenschnipseln. Weil Mister Rastlos nämlich ständig etwas anzetteln möchte: Wer sonst möchte auf die Staumauer der Okertalsperre ein Hotel draufsetzen, wer ein pfählernes Jugendhotel in den Herzberger Teich rammen? Wer traut sich, die Alexander von Humboldt, das ehemalige Flaggschiff der Bremer Becks-Brauerei, mit Millionenaufwand wieder zu restaurieren und 2016 als Hotel- und Restaurantschiff inmitten des Bremer Innenstadthafens zu eröffnen?

Aber es sind nicht nur seine kaufmännischen Projekte, die er umsetzt, um Geld für neue Ideen zu haben. Geld verschafft ihm kein Wohlgefühl. Es erfüllt Zwecke, auch persönliche. Und er erzählt: „Ich bin aus der Kirche ausgetreten, weil ich dieses Geld mit einigen Gleichgesinnten für ein Projekt in Afrika investieren will“. Seine Vision, die dank Vermittlung von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel mittlerweile schon den Segen der südafrikanischen Regierung hat: Eine Sommerrodelbahn in Durban, der Millionenstadt am Indischen Ozean. Sobald die erfolgreich läuft, sollen sämtliche Einnahmen für soziale Kinder- und Jugendprojekte zur Verfügung stehen.

Vor Kurzem berichtete die GZ von der Segelwoche mit Jugendlichen, die noch auf der Suche nach ihrer persönlichen Mitte sind. Für das Projekt „Start right“ stellt er einmal im Jahr sein Segelschiff und seine Zeit zur Verfügung und segelt mit der Crew über die Ostsee. „Und wenn wir dadurch nur einen auf Kurs bekommen, hat sich das Projekt schon gelohnt“, sagt er.

Segeln ist genau das Gegenteil von dem, wie er als Unternehmer arbeitet. Immer gegen die Zeit, immer auf direktem Kurs. Segeln ist anders: „Da bestimmen Wind, Wetter, Strömung mit. Du kannst nicht sagen, wann und ob du am Abend den Hafen erreichst.“ Für Rataj ist das ein wichtiges Korrektiv; sich mit der Natur arrangieren müssen, sich relativ sehen. Das gilt noch mehr für sein zweites Hobby: das Ballonfahren. Man könne zwar manches vorausplanen, aber letztlich entscheide allein der Wind, wohin er Dich trägt.

Auf seinem Schiff ist er zwar der Käpt´n, aber er lässt mitreden. Macht einer einen sinnvollen Vorschlag, dann wird’s halt so gemacht. Ähnlich der Unternehmer Rataj: Am liebsten realisiert er seine Projekte über Beteiligungsgesellschaften. Beteiligt sind dann auch seine rund 70 Mitarbeiter, wenn sie wollen. Die bringen sich dreifach ein: mit eigenem Kapital, mit ihrem Engagement und mit Ihren Ideen.

Soweit also die Leitpfosten für ein zufriedenes Leben. Ja, das sei er, sagt Heiko Rataj. Vielleicht auch ein glücklicher Mensch, weil er Tag für Tag das machen darf, was ihm am meisten Spaß macht: Seine Ideen Wirklichkeit werden lassen. Und wenn es dann funktioniert, wie sein Projekt in Hahnenklee (Seilbahn, Sommerrodelbahn und Gastronomie). „Dann schaue ich nicht in die Kasse. Ich sehe an der Schlange von Menschen, dass es funktioniert und wende mich dem nächsten Projekt zu. Denn ich bin kein Sammler, ich bin Kaufmann“, so sein vorläufig letztes Credo.

Wenn er heute Bilanz ziehen müsste, weil seine Zeit abgelaufen ist? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Bitte alles noch einmal, und zwar genau so!“

Der Goslarer Herwig Zang erforscht seit mehr als 60 Jahren die Vogelwelt. Er gehört zu den renommiertesten Ornithologen Niedersachsens.

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