Zähl Pixel
GZ-Archiv

Rätsel um die Schlacht bei Lutter gelöst

Ernst-Dietrich Habel forscht seit nunmehr 26 Jahren zur berühmten Schlacht von Lutter am Barenberge.  Foto: Leifeld

Ernst-Dietrich Habel forscht seit nunmehr 26 Jahren zur berühmten Schlacht von Lutter am Barenberge. Foto: Leifeld

Hahausen. Ernst-Dietrich Habel forscht seit 26 Jahren zur Schlacht von Lutter am Barenberge und hat dabei manch Widersprüche in historischen Quellen entdeckt. Für einige Rätsel hat er Lösungen parat.

Dienstag, 17.11.2015, 17:16 Uhr

Hahausen. Die Geschehnisse und Mythen um die Schlacht bei Lutter am Barenberge, die am 27.August 1626 tobte, sind für den Goslarer Ernst-Dietrich Habel, aber auch für viele andere Geschichtsfreunde und Lokalpatrioten, wie eine Droge. Nur so kann der große Ansturm erklärt werden, den der angekündigte geschichtliche Vortrag im „Café Harzblick“ auslöste, in dem fast390 Jahre nach der bedeutsamen Schlacht im Lutterbecken die Schlacht um die Sitzplätze tobte.

„Wir können niemanden mehr reinlassen“, musste Café-Inhaberin Regina Mull im Anblick des übervollen Saals eingestehen. Im Vorfeld gerechnet hatte sie mit gut 20 Geschichtsinteressierten. Gekommen waren mehr als viermal so viele.

Sichtbar überrascht gab sich auch der 1. Vorsitzende vom Harzklub Zweigverein Neuekrug-Hahausen, Klaus-Dieter Schumann, der von der Fachkompetenz Habels bezüglich der bedeutsamen Schlacht erfahren und den Hobbyhistoriker um einen Vortrag gebeten hatte.

Und tatsächlich sprühte Ernst-Dietrich Habel mit dem ersten Wort voller Euphorie und Geschichtswissen. „Die Schlacht ist wie eine Droge“, erklärte er für sich. Eine Droge, mit der er im August 1989 erstmals bei einer „Schlachtfeldbegehung“ in Berührung kam, an der er mit seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau voller Begeisterung teilnahm. Damals fing er Feuer – und so begann er mit flammendem Herzen, den Ablauf der Schlacht und die Vorgeschichte ausführlich zu rekonstruieren. Ein ebenso interessantes wie schwieriges Unterfangen, wie der Finanzbeamte alsbald feststellen musste, denn es gibt kaum authentische Quellen aus jener Zeit, und historische Bücher widersprächen sich oft in ihren Darstellungen.

„Man könnte meinen, über die Schlacht wurde schon alles niedergeschrieben, aber so ist es lange nicht“, betonte Habel, der die Schwerpunkte seines Vortrags immer wieder auf die von ihm entdeckten Ungereimtheiten lenkte. Da wären zunächst die Kontrahenten der Schlacht bei Lutter: Tilly, der Feldherr der „Katholischen Liga“, der den „Dänenkönig“ Christian IV. besiegte. „Es haben aber keineswegs die Dänen gegen das Deutsche Reich gekämpft. Christian IV. war auch Fürst von Schleswig Holstein und Oberbefehlshaber des Niedersächsischen Reichskreises. Der Dreißigjährige Krieg, der bis 1648 tobte, war ein Bürgerkrieg.“

Bei seinen Recherchen kam erschwerend hinzu, dass in jenen Jahren zwei verschiedene Kalender existierten und bei späteren Niederschriften die Ereignisse beliebig umdatiert wurden. Habel nutzte für seine Ausführungen den noch heute gültigen Gregorianischen Kalender. Auch war die Ortschaft Lutter am Barenberge von dem Schlachtgetümmel nur indirekt betroffen und diente mehr als Namensgeber. Die eigentliche Schlacht tobte auf dem Flurstück zwischen Hahausen, Nauen und Rhode.

Über die Vorgeschichte, Märsche und Gefühle der Söldnertruppen kam Habel auch zum wohl größten Mysterium der Schlacht: Dem geheimnisvollen Feuerzeichen als „Flammendes Schwert“, das sich den abergläubischen Soldaten am nächtlichen Himmel vor der Schlacht zeigte und Tillys Truppen den Sieg verkündete, der dann ja auch eintrat. „Das muss eine Kombination aus der Mondsichel und einer ungewöhnlichen Wolkenformationen gewesen sein“, mutmaßte der Hobbyhistoriker.

Die größte Ungenauigkeit sieht er aber in einem Kupferstich, der in Wien angefertigt wurde und über den Verlauf der Schlacht berichtet. Die geografische Lage der Ortschaften sei sehr ungenau und am Flusslauf der Neile standen sich die Truppen in der Form nie gegenüber. Mit Blick auf den abgebildeten fliehenden Dänenkönig Christian IV. bezeichnet Habel die Karten als Propaganda-Karte. al

Im Heimatmuseum Lutter sind Szenen der Schlacht mit Zinnfiguren nachgestellt. Foto: Gereke

Im Heimatmuseum Lutter sind Szenen der Schlacht mit Zinnfiguren nachgestellt. Foto: Gereke

Das ist der umstrittene Kupferstich, den Habel eine Propaganda-Karte nennt.

Das ist der umstrittene Kupferstich, den Habel eine Propaganda-Karte nennt.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!