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Projektarbeit in der Kita Schlewecke: Fantasie verändert Alltagsdinge

Alltagsdinge beschäftigt die braune Gruppe der Kita Schlewecke. Die Kinder nehmen Kartons, Schachteln und Toilettenpapierrollen als Baumaterial. So entstanden auch das Hundertwasserhaus, Hocker und ein Schiff. Die blaue Gruppe befasst sich mit dem Weltall und baut eine Rakete (kl. Bild).  Fotos: Seltmann

Alltagsdinge beschäftigt die braune Gruppe der Kita Schlewecke. Die Kinder nehmen Kartons, Schachteln und Toilettenpapierrollen als Baumaterial. So entstanden auch das Hundertwasserhaus, Hocker und ein Schiff. Die blaue Gruppe befasst sich mit dem Weltall und baut eine Rakete (kl. Bild). Fotos: Seltmann

Schlewecke. Ein Hocker, eine Geburtstagstorte und gar ein ganzes Haus – die braune Gruppe der Kita Schlewecke baut und baut. Als Materialien verwenden die Kinder Pappe, von den Eltern gern gespendete Kartons, Schachteln und Toilettenpapierrollen. Seit Jahresbeginn bereits dauert die Bauleidenschaft. Projektarbeit, sagt Leiterin Uta Altevogt, sei der Ansatz dahinter, der die pädagogische Arbeit in der Kita charakterisiere.

Von Ina Seltmann Sonntag, 14.04.2019, 13:27 Uhr

„Kinder können sich so selber etwas vermitteln.“ Lernen an realen Handlungsabläufen und tatsächlichen Problemsituationen, lösungsorientiert bearbeitet, sei für die Entwicklung der Persönlichkeit am wichtigsten, erklärt Uta Altevogt. Durch alle sechs Gruppen zieht sich diese Projektarbeit. Die Ideen, worum es bei den Projekten gehen soll, stammen von den Kindern und werden unterschiedlich lange verfolgt, manche sogar länger als ein Jahr.

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Wie zum Beispiel in der blauen Gruppe. Die Kinder beschäftigen sich seit zwei Jahren mit dem Weltall und besuchten letztens auch das Planetarium in Wernigerode. Das Thema kam auf, als die Kinder sich anlässlich des Weihnachtsfestes 2017 mit Sternen befassten. Im Raum steht sogar eine selbst gebaute Rakete, die sich per Wasserantrieb in die Luft erheben kann und die mit Hilfe eines Kindergarten-Vaters gebaut wurde.

Die braune Gruppe kam über einen riesengroßen Pappkarton, der einen Dachgepäckträger beinhaltet hatte, auf die Idee, Alltagsdinge zum Basteln zu nutzen. Nachdem ein buntes Haus gebaut war, erzählte Bruno von einem rosa Haus bei seiner Oma in Magdeburg – ein Hundertwasserhaus.Die Mitarbeiterinnen besorgten Aufnahmen von Gebäuden des österreichischen Künstlers und Architekten, die nun die Wände zieren – neben vielen anderen Dokumenten der Bastellust und eigenen Hundertwasser-Bildern. Seitdem bringen die Eltern täglich neue Alltagsmaterialien mit, berichten Andrea Maibaum und Andrea Hartge-Broß. So wird die fröhliche Kreativität zumindest durch mangelnden Nachschub nicht gebremst. In der roten Gruppe geht es seit einigen Monaten um Spinnen. Sie waren den Kindern in der Kita während der Wintermonate aufgefallen, als sie hier und da in den warmen Räumen auftauchten.

Die Ängste, die einige Kinder zunächst damit verbunden hatten, haben sich mittlerweile in Faszination verwandelt. Die Gruppe malte Bilder, spann Netze und fand ganz viele Bücher über die Vielbeiner. In der Schlangenfarm Schladen informierten sich die Kinder aber auch über andere Reptilien und haben als kostbare Schätze nun abgestreifte Hüllen, ein Natternhemd und eine Spinnenhaut, im Regal liegen.

Selbst die Jüngsten in der Krippe gehen Projekte an. „Mmh lecker“ heißt eins, wobei es natürlich ums Essen geht. Und mit den eigenen Händen und Füßen und dem Körper beschäftigt sich die grüne Gruppe.

Die Ansätze aus der Projektarbeit sind nicht neu. Sie stammen aus der Zeit der Reformpädagogen des 20. Jahrhunderts, unter ihnen Rousseau, Pestalozzi und Fröbel. Die Kita Schlewecke arbeite seit vielen Jahren an diesem Thema, so Uta Altevogt.

Begleitet worden sind die Sozialpädagoginnen und Erzieherinnen auf diesem Weg unter anderem von der Pädagogin und Buchautorin Dr. Erika Kazemi-Veisari, die vor knapp 20 Jahren an der Kita-Konzeption mitwirkte.

Entscheidend sei der demokratische Aspekt, betont Uta Altevogt. Dem Lernenden werde nie ein Projekt von außen aufgedrückt, sondern er selbst müsse Stellung und ein eigenes Engagement beziehen können.

Das gemeinsame Arbeiten der Gruppe schule die Fähigkeiten in Kommunikation, Kooperation, den Umgang mit Konflikten, wertschätzender Kritik und fördere die Teamfähigkeit. Die Praxis in der Kita sei eine ideale Grundlage für intensive und nachhaltige Lernerfahrungen.

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