Probleme mit dem dringenden Geschäft
<p>An der Skiabfahrtspiste in Sonnenberg hat Betreiber Michael Sonderfeld mobile Toiletten aufgestellt. Ansonsten gibt es keine Möglichkeit, sein Geschäft in dem kleinen Ort zu verrichten. Archivfoto: Kluge</p>
Sonnenberg. Nachdem die Stadt 2016 die Toilettenanlage im Alten Forsthaus in Sonnenberg gepachtet und unterhalten hatte, steht in diesem Jahr in dem kleinen Ort keine öffentliche Toilette zur Verfügung.
„Unser Haushalt ist auch nicht genehmigt, wir können da nicht helfen“, erklärt Martina Peine, die allgemeine Vertreterin im Amt des Bürgermeisters.
Jahrelang gab es Probleme wegen der fehlenden öffentlichen Toiletten in Sonnenberg. Immer wieder beschwerten sich die wenigen Anwohner, dass die Besucher an herrlichen Winterwochenenden ihr Geschäft auf ihren Grundstücken verrichteten. Die Gäste ihrerseits, die Rodeln, Skilanglauf oder einfach nur einen Winterspaziergang unternehmen wollten, kritisierten die fehlenden stillen Örtchen.
Nach mehreren Treffen der Verantwortlichen gab es unter Federführung von Bürgermeister Stefan Grote schließlich die Lösung, dass die Stadt die Toiletten der ehemaligen Gaststätte Altes Forsthaus betreibt und säubert. „Doch das hat überhaupt nicht funktioniert“, sagt Kay Ostermann, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin Carola Kühnhold das Lokal betrieb. Die für die Sauberkeit zuständige Kraft sei unzuverlässig gewesen, und die Arbeit sei bei ihm hängen geblieben. Deshalb sei der Vertrag aus seiner Sicht nicht gültig, zumal es diese Kraft in diesem Jahr auch nicht mehr gebe.
Martina Peine, die auch Kämmerin der Stadt Braunlage ist, machte klar, dass die Kommune in dem Bereich keinerlei Grundstücke besitze. Weil der 2016er Haushalt noch nicht genehmigt und der 2017er Etat noch nicht erstellt sei, dürfe die Kommune keine zusätzlichen freiwilligen Ausgaben leisten. „Wir können da also gar nicht tätig werden“, erklärt sie. Hauptgrundstückseigentümer ist in Sonnenberg der Nationalpark Harz. Laut Sprecher Dr. Friedhart Knolle hat sich aber der Leiter der Einrichtung, Andreas Pusch, mit Bürgermeister Stefan Grote darauf geeinigt, dass die Kommune dieses Problem lösen soll. Er stellt auch die Frage, ob an den Loipeneinstiegen überhaupt öffentliche Toiletten vorhanden sein müssen.
Nicht nur in Sonnenberg, auch in Oderbrück, am Bechlerstein bei Hohegeiß oder auf dem Schützenplatz Braunlage gibt es keine öffentlichen Toiletten. Bislang sind aus diesem Bereich keine Beschwerden gekommen. In Sonnenberg sind vor allem die Skilangläufer, die Winterspaziergänger und die Rodler betroffen.
Keine Probleme gibt es hingegen für die alpinen Ski- und Snowboardfahrer. Skiliftbetreiber Michael Sonderfeld hat für sie derzeit drei mobile Toiletten aufgestellt. „Während der Zeugnisferien in einer Woche werden es mehr sein“, kündigte er an. Auch er sieht das Problem und hofft auf eine baldige Lösung.
Kay Ostermann, der in Sonnenberg einen Skiverleih betreibt, ärgert sich über die seinen Angaben zufolge vielen Gäste, die nun ihrre Notdurft auf seinem Grundstück verrichten. Weiter würde auch das Gelände der Bergwacht nebenan für diese dringenden Bedürfnisse genutzt. Martin Asselmeyer, Bereitschaftsführer der Bergwacht, kann das nicht bestätigen. „Allerdings sind wir in diesem Jahr stärker am Wurmberg tätig“, berichtet er. In den Jahren davor hatte Asselmeyer aber ebenfalls über die Gäste geklagt, die hinter der Bergwacht-Hütte ihr Geschäft verrichteten.
Das Thema fehlende Toiletten an den Loipen im Oberharz war laut Maximilian Strache, Pressesprecher des Landkreises Goslar, Thema der Sitzung des „Runden Tisches Tourismus“. In dieser Sitzung habe Britta Schweigel (parteilos), die Bürgermeisterin von Clausthal-Zellerfeld, vorgeschlagen, künftig Parkgebühren an den größeren Parkplätzen zu kassieren, berichtete er. Weil es ohnehin wenig Parkraum an den Wochenenden im Oberharz gebe, dürfte die Nachfrage groß sein. Schweigel hatte weiter vorgeschlagen, die Einnahmen aus den Parkgebühren für den Bau von Toilettenhäuschen an diesen Parkplätzen zu verwenden. Eine Idee, die Landrat Thomas Brych (SPD) nun in der nächsten Sitzung der Hauptverwaltungsbeamten aus dem Landkreis Goslar zur Diskussion stellen wolle, kündigte Strache an. Für Probleme bei der Umsetzung könnte allerdings das Baurecht sorgen. Denn so ganz leicht sei es nicht, in den Außenbereichen, in denen sich die Loipeneinstiege meist befinden, kleine Gebäude zu errichten. Aber auch das soll in der Bürgermeister-Runde besprochen und vom Landkreis vorbereitet werden.