Pfefferspray im Schulflur: Großeinsatz im Clausthaler Gymnasium
<p>Rettungskräfte versorgen eine verletzte Schülerin. Sechs Mädchen und Jungen kamen in Krankenhäuser, insgesamt 29 waren betroffen. Foto: Ebeling</p>
Clausthal-Zellerfeld. Ein Pfefferspray hat am Montag einen Großeinsatz an der Robert-Koch-Schule in Clausthal-Zellerfeld ausgelöst. Sechs Schüler mussten in Krankenhäuser gebracht werden.
„Es riecht komisch“ – diese Information, verbunden mit der Bitte, im Klassenflur des Erdgeschosses „mal die Fenster aufzumachen“, rief in der Mittagspause den Hausmeister der Robert-Koch-Schule (RKS) auf den Plan. In der Pausenhalle des Gymnasiums habe er selbst den ätzenden Geruch gespürt, hustende Schüler mit tränenden Augen standen auf dem hinteren Schulhof: „Da wusste ich, dass etwas nicht astrein war“, berichtet Thomas Bremer. Der Ortsbrandmeister der Feuerwehr Clausthal-Zellerfeld handelte sofort: „Schule räumen, Notruf absetzen, Sammelstelle einrichten.“
Beim Rettungsdienst des Landkreises wurde „Massenanfall von Verletzten“ ausgelöst, ein Alarm, der alle verfügbaren Kräfte nebst Notärzten, Polizei, Rotem Kreuz, Krisenintervention und Unfallnachsorge sowie Ordnungsbehörden in Marsch setzt. Die Zahl der Verletzten schwankte zunächst zwischen 18 und 30, die Substanz und die versprühte Menge waren vorerst unklar. Erste Informationen lauteten auf „CS-Gas“, eine deutlich schädlichere Chemikalie als Pfefferspray. Um ein solches handelte es sich, wie sich später herausstellte.
Feuerwehr und Polizei sperrten die Zufahrt von der Berliner Straße ab, um Platz für die Rettungswagen zu schaffen, deren Teams sich um die verletzten Gymnasiasten kümmerten. Sie wurden zunächst in einem Nebenraum untersucht, mit Sauerstoff versorgt und betreut, sechs Mädchen und Jungen wurden in die Krankenhäuser Goslar, Seesen und Herzberg gebracht.
„Die Schulbusse wurden umdirigiert“, sagte Einsatzleiter Uwe Heinrichs, um die unverletzten Schüler nach Hause zu bringen. Währenddessen trafen erste Eltern ein, die nicht aufs Schulgelände durften und beunruhigt vor dem benachbarten Polizeikommissariat auf Informationen warteten.
Die hinzualarmierte Kreismessleitung ging inzwischen der versprühten Substanz auf den Grund. Die Verursacher, zwei Schüler der 10. Klasse, hatten sich selbst bei Schulleiterin Jutta Reusing gemeldet – ihrem Eindruck nach selbst erschrocken darüber, welche Auswirkungen ihr Handeln hatte. Einer habe das Pfefferspray mitgebracht, der andere den Sprühknopf gedrückt. „Pfefferspray verursacht heftige Akutwirkung mit Husten, Atemnot, Schleimhautreizung und Übelkeit“, erklärte Kevin Schmidt, Einsatzleiter des Rettungsdienstes. Die Wirkung klinge dann relativ rasch ab, es könnten aber nach einigen Stunden noch Probleme mit der Lunge auftreten.
Vor diesem Hintergrund erzeugte es Besorgnis, dass zwei der mitbetroffenen Gymnasiasten offenbar im ersten Trubel nach Hause gegangen waren. Die Eltern wurden telefonisch und per Radiodurchsage informiert. Insgesamt 440 Schüler gehen ins Clausthaler Gymnasium.
Wann sie wieder in ihre Klassenräume können, war am Montagnachmittag noch unklar. Nach den Informationen, die die Kreismessleitung vom Labor der Herstellerfirma eingeholt hat, lässt sich die Substanz nicht „rauslüften“, sondern setzt sich auf allen Oberflächen des betroffenen Raums ab. Fußböden, Wände und Türen, Möbel und Vorhänge müssten daher vor der Freigabe professionell gereinigt werden.
„Die Schule fällt aber nicht aus“, so Schulleiterin Jutta Reusing. Sie organisiere Ersatzräume. Eltern können sich unter Telefon (05323) 93620 informieren.