Peter Gaymann: „Über allem thront der Humor“
Alkohol ist auch keine Lösung – aber ein Gläschen in Ehren kann Ostern wohl niemand verwehren... in diesem Sinne Prost und „bleiben Sie fröhlich!“
Was macht ein Cartoonist, dessen Werke in Corona-Zeiten nicht ausgestellt werden dürfen? Weitermachen. Was sonst? Erst recht, wenn Corona so viel neue Ansätze bietet – denn mit Humor lässt sich selbst diese Krise besser ertragen.
Noch mehr als sonst zeichnet der Cartoonist Peter Gaymann im „Jetzt“: Das machen seine humoristischen Zeichnungen zur Corona-Thematik mehr als deutlich. Sie bringen dem Altmeister der tierischen Karikatur zahlreiche Follower auf Instagram und Facebook ein – denn mit Humor lässt sich bekanntlich vieles besser ertragen. Zeichnungen: Peter Gaymann
Corona ist allgegenwärtig – und wird von Gaymanns Hühnern aufs Korn genommen. Der Cartoonist gehört zu den Künstlern, die eigentlich immer zeichnen, die Bleistift und Skizzenblock stets am Mann haben. In den vergangenen Wochen hat Gaymann sein eigenes „Corona-Tagebuch“ entwickelt – und seine ersten Newsletter produziert, mit denen er die Cartoons papierlos via Internet durch die Welt schickt.
Ob vor Corona oder jetzt, Gaymann zeichnet eigentlich jeden Tag. Aber etwas ist anders: „Ich zeichne im Jetzt“, sagt der eigentlich immer Aktuelle und erklärt’s: Normalerweise „sammele“ er seine Ideen und Cartoons – mehr als hundert Bücher hat er inzwischen publiziert. Jetzt bringt er seine Zeichnungen sofort unter die Leute, denn: „Wollen wir in einem halben Jahr wirklich noch Witze über Klopapier machen?“ fragt er im Gespräch mit der GZ – wohl kaum. Bereits jetzt rollt der Rubel nicht mehr für die Rollen, schon klagen die Hersteller über stockenden Absatz. Statt Corona-Cartoons sammelt Gaymann also Follower – mit steigendem Erfolg.
„Bei dir piept’s wohl“ – nett ausgedrückt, was jeder schon mal gedacht hat.
Peter Gaymann kam im Juni 1950 im schönen Freiburg zur Welt; demnächst wird er also 70 Jahre alt. Gezeichnet und gemalt hat er schon immer gerne, trotzdem studierte er zunächst Sozialpädagogik und Kunsterziehung, folgte jedoch 1976 seiner Berufung. Seitdem lebt er mit und von seiner humoristischen Kunst, seinen scharfzüngigen Zeichnungen und frechen Cartoons, die regelmäßig in Zeitschriften veröffentlicht werden; so druckt die „Brigitte“ seit Jahrzehnten seine gezeichneten Paar-Probleme.
„Besonders bekannt geworden sind seine Hühner, die sich in allzu menschlicher Manier mit den Problemen des Alltags abplagen, seine Katzen, deren Gedanken er schelmisch erahnt, oder seine (Ehe-)Paare, in denen man sich schmunzelnd wiederfindet“, schrieb Galeristin Antje Stoetzel-Tiedt in der Pressemitteilung zur abgesagten Ausstellung und schwärmte: „Wie gekonnt die Figuren dargestellt werden, die Haltungen, Gesichtsausdrücke, mit leichtem Strich gezeichnet und doch so eindeutig, so genial!“
Kein Zweifel, Peter Gaymann ist ein präziser Beobachter. Die Ideen kommen ihm immer und überall, er hält sie grob im Skizzenbuch fest, macht eine Bleistiftzeichnung daraus, arbeitet sie aus, bringt sie mit Tusche und Feder auf Aquarellpapier. Die Koloration mit Aquarellfarben ist der letzte Arbeitsschritt.
„Was sind das für Zeiten. Vor zweieinhalb Wochen saßen wir noch mit Freunden in fröhlicher Runde bei Wein und guten Gesprächen. Dann blieb meine Mitarbeiterin zuhause wegen der bayernweiten Schulschließungen und die Isolation begann“, schrieb Gaymann im ersten Newsletter. Die Krise setze bei den Menschen viel Kreativität frei – und über allem throne der Humor. Zwar bedauert er, dass er keine Freunde einladen kann – ansonsten aber gehe es ihm und seiner Frau gut. Sein erwähltes „Kuhdorf“ am Starnberger See sei in Corona-Zeiten ideal – viel Platz, nicht viel los, inmitten von Wiesen und Wald, da könne er „nicht meckern“. „Home-Office habe ich sowieso immer“, erzählt er: Sein Atelier befindet sich im eigenen Haus.
Wer mehr über den Künstler erfahren möchte, findet allerhand auf www.gaymann.de, www.instagram.com, www.facebook.com/atelierpetergaymann.
Die Halbwertzeit der Corona-Witze wird nirgends so deutlich wie an diesem schönen Cartoon. Wer, fragt Gaymann, will in einem halben Jahr noch Klopapierspäße sehen?
Peter Gaymann wird im Juni 70 Jahre alt. Er lebt und arbeitet heute am Starnberger See. Foto: © Photo-Atelier Claudia Reiter